Hindenburg-Katastrophe: «Das Schrecklichste, was ich jemals gesehen habe»
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Hindenburg-Katastrophe«Das Schrecklichste, was ich jemals gesehen habe»

Vor 80 Jahren endete die Luftschiff-Ära abrupt mit dem Absturz der Hindenburg. Eine legendäre Radioaufnahme macht das Grauen heute noch fassbar.

von
jcg

Die legendäre Radio-Reportage der Hindenburg-Katastrophe. (Video: Tamedia).

Am 6. Mai 1937 explodierte der Zeppelin Hindenburg kurz vor der Landung in den USA. 36 Menschen starben. Es war weder das erste noch das schwerste Unglück der Luftschifffahrt, trotzdem hat es sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Verantwortlich dafür ist neben zahlreichen Fotos und Filmaufnahmen besonders die emotionale Radioreportage von Herbert Morrison.

Morrison hatte vom Chicagoer Sender WLS den Auftrag erhalten, über die Ankunft der Hindenburg in Lakehurst im US-Bundesstaat New Jersey am Abend des 6. Mai 1937 zu berichten. Das Luftschiff hatte schon mehr als 60 Fahrten hinter sich, doch dann schossen plötzlich Flammen aus dem Heck.

«Das ist so furchtbar!»

«Es brennt! Es brennt und es stürzt ab!», schrie Radioreporter Morrison ins Mikrofon. Innerhalb von Sekunden ging das gewaltige Luftschiff komplett in Flammen auf, und Morrison wurde vor dem Mikrofon von seinen Gefühlen überwältigt.

«Das ist so furchtbar, die schlimmste Katastrophe der Welt», schluchzte er. «Oh, the humanity (Oh, Menschheit).» Vollkommen aufgelöst unterbrach er schliesslich seine Ausführungen mit den Worten: «Hören sie, meine Damen und Herren: Ich – ich muss jetzt für ein paar Minuten aufhören, weil ich meine Stimme verloren habe. Das ist das Schrecklichste, was ich jemals gesehen habe.»

Als er sich gesammelt hatte, fuhr er mit seiner Reportage noch weitere 37 Minuten fort. Er berichtete professionell und präzise von den einsetzenden Rettungsarbeiten. Doch es sind jene ersten Momente des Schreckens, die Morrison zur Legende werden liessen.

Zeitversetzte Ausstrahlung

Die bewegenden Worte Morrisons wurden vor Ort in eine runde Lackfolie geschnitten, ein übliches Aufnahmeverfahren in der Zeit vor dem Tonband. Diese Lackfolien wurden dann per Flugzeug zurück nach Chicago geflogen, wo die Aufnahmen später in der Nacht erstmals gesendet wurden. Am nächsten Tag wurden sie über NBC Radio in ganz Amerika ausgestrahlt.

Obwohl es also keine Livesendung war, hatte Morrisons Reportage einen Live-Charakter und wurde spätestens dann unsterblich, als sie Jahre später über Filmmaterial der Wochenschau gelegt wurde. Das verstärkte den Eindruck, dass es sich um ein Direktübertragung im Fernsehen gehandelt habe (siehe Video).

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Ein Bild der Hindenburg aus dem Jahr 1936.

Ein Bild der Hindenburg aus dem Jahr 1936.

AFP/-
Der Zeppelin über Manhattan.

Der Zeppelin über Manhattan.

Keystone/AP
Die Hindenburg fängt Feuer.

Die Hindenburg fängt Feuer.

Keystone/AP/Murray Becker

Ursache ungeklärt

Bei der Explosion wurde die LZ 129 «Hindenburg» völlig zerstört. 36 Menschen starben: 13 Passagiere, 22 Crewmitglieder und ein Mitglied der Bodenmannschaft. Die Ursache ist bis heute nicht vollständig geklärt. Die meisten Experten gehen von einer elektrostatischen Entladung aus, die das Gas entzündete.

Die «Hindenburg», benannt nach dem deutschen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (1847-1934), der Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt hatte, galt als die «Titanic der Lüfte», als das grösste und schönste Luftschiff der Welt. Sie konnte bis zu 131 Kilometer pro Stunde zurücklegen, war mit rund 245 Metern fast so lang wie ein Ozeandampfer und nahm 72 Passagiere auf. Als Traggas wurde hochbrennbarer Wasserstoff verwendet, denn das ungefährliche Helium wollten die USA nicht an Hitlers Deutsches Reich liefern. (sda)

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