Aktualisiert 11.06.2008 13:57

MedizinDas Schweineherz in der menschlichen Brust

Wegen des akuten Mangels an menschlichen Spenderorganen nehmen Forscher zunehmend Tiere als Organspender der Zunkuft ins Visier. Im besonderen Fokus der Wissenschaftler: Das Schwein.

Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte man die Thematik wohl für eine mieserable Drehbuchidee eines zweitklassigen Frankenstein-Remakes gehalten: Die Transplantation tierischer Organe auf den Menschen.

Im Zuge des nicht zu deckenden Bedarfs an funktionierenden Spenderorganen für den Menschen längst kein unrealistisches Vorhaben mehr: Bereits seit einigen Jahren tüfteln Wissenschaftler an der Übertragung von Zellen und Organen von Tieren auf den Menschen, der sogenannten Xeno-Transplantation.

Transplantation vom Tier auf den Menschen: Forscher sind zuversichtlich

Am vergangenen Freitag trafen sich namhafte Wissenschaftler aus aller Welt bei einer Tagung des Berliner Robert Koch-Instituts, um sich über die neusten Erkenntnisse der Xeno-Transplantation auszutauschen. Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Jörg Hacker, gab sich bei der Zusammenkunft zuversichtlich: «Die Fortschritte der vergangenen Jahre zeigen, dass die neue Technologie einmal eine wichtige Rolle spielen könnte, um mehr kranken Menschen mit Transplantationsbedarf zu helfen.» Gleichzeitig bekräftigte Hacker, dass «die Übertragung krankmachender Erreger vom Tier auf den Menschen...» verhindert werden müsse.

Zu den von den Forschern favorisierten Spendertieren gehören Schweine: Sie sind dem menschlichen Organismus aufgrund ihres Stoffwechsels am ähnlichsten. Eine der grössten Hürden der Mediziner ist dabei die Abstossungsreaktion. Diese konnte in den vergangenen Jahren durch genetisch veränderte Tierzüchtungen verbessert werden. Die Tiere tragen auf ihren Zellen menschliche Immunregulatoren, das sind Eiweisse, die die Immunantwort beeinflussen. In zwei Forschungseinrichtungen in Deutschland, in Mariensee und in München, wurden sogar Tiere gewonnen, die mehrere dieser menschlichen Regulatoren gleichzeitig tragen.

Hoffnung für Diabetiker

Auch im Zusammenhang mit der weltweiten Entwicklung von Behandlunsgmethoden für Diabetes gibt es Fortschritte: In einem Versuch wurden unter Diabetes leidenden Affen Insulin produzierende Inselzellen von Schweinen transplantiert. Das Erstaunliche: Die Affen konnten so über ein halbes Jahr erfolgreich behandelt werden - ohne dass das Immunsystem der Tiere unterdrückt werden musste.

Am Klinikum des deutschen Grosshandern forscht der Wissenschaftler Bruno Reichart an der Transplantation des Schweineherzens auf den Menschen. Vorausssichtlich soll das Verfahren 2009 an Affen getestet werden. Erste Versuche gab es bereits vor zwei Jahren in den USA: Damals wurden Schweineherzen auf Paviane übertragen - mit beachtlichen Überlebenszeiten.

Derartige Studien sind mit Menschen frühestens im Jahr 2010 geplant.

rre

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