Klimaschutz: Das Schweizer Benzin wird immer grüner
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KlimaschutzDas Schweizer Benzin wird immer grüner

Tankstellen mischen Diesel und Benzin immer häufiger Biotreibstoffe bei. Kritiker bemängeln, das trage kaum zum Umweltschutz bei.

von
K. Wolfensberger
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Dem Benzin in der Schweiz wird immer häufiger Biotreibstoff beigemischt.

Dem Benzin in der Schweiz wird immer häufiger Biotreibstoff beigemischt.

Keystone/Christian Beutler
Ramon Werner  vom Öl-Pool-Tankstellennetz, das die Marken Ruedi Rüssel und Miniprix betreibt, bestätigt den Trend ebenfalls: «Wir haben drei Tankstellen, an denen wir 100 Prozent deklarierten Biodiesel anbieten»

Ramon Werner vom Öl-Pool-Tankstellennetz, das die Marken Ruedi Rüssel und Miniprix betreibt, bestätigt den Trend ebenfalls: «Wir haben drei Tankstellen, an denen wir 100 Prozent deklarierten Biodiesel anbieten»

Keystone/Jean-christophe Bott
Herstellen kann man die Biotreibstoffe zum Beispiel aus altem Speiseöl, wie für Pommes frites verwendet wird.

Herstellen kann man die Biotreibstoffe zum Beispiel aus altem Speiseöl, wie für Pommes frites verwendet wird.

Keystone/AP/Michael Sohn

Die Produktion von Treibstoffen aus pflanzlichen Rohstoffen ist stark umstritten. Befürworter freuen sich über eine Verringerung der Treibhausgasemissionen. Kritiker hingegen fürchten höhere Nahrungsmittelpreise. Ihr Argument: Die Kraftstoffproduktion konkurrenziere die Herstellung von Lebensmitteln.

Dabei wissen die wenigsten Menschen, dass auch im Schweizer Benzin schon längst geringe Mengen an Biotreibstoffen enthalten sind – Tendenz steigend. Denn die Ölkonzerne dürfen in der Schweiz an den Tankstellen Benzin verkaufen, das bis zu fünf Prozent Kraftstoffe enthält, die aus biologischen Abfallprodukten hergestellt sind. Deklarieren müssen sie das nicht. Beim Diesel beträgt der erlaubte Anteil sieben Prozent. Für die Firmen ist dieses Geschäft lukrativ, denn Agrotreibstoffe sind hierzulande seit Neuestem von der Mineralölsteuer befreit. In Deutschland gibt es im Gegensatz zur Schweiz sogar eine Pflicht zur Beimischung von Biokraftstoffen ins Benzin.

Treibstoff aus Pommes-frites-Öl

Den Trend zu grünerem Benzin und Diesel bestätigen die Tankstellenbetreiber. Daniel Hofer, Unternehmensleiter der Migrol, sagte dem Portal «Watson»: «An einem Teil unserer Migrol-Tankstellen verkaufen wir Benzin, das bis zu fünf Prozent Ethanol enthält. Die abgesetzten Mengen sind noch verhältnismässig gering, aber stetig am Wachsen.» Ramon Werner vom Öl-Pool-Tankstellennetz, das die Marken Ruedi Rüssel und Miniprix betreibt, bestätigt den Trend ebenfalls: «Wir haben drei Tankstellen, an denen wir 100 Prozent deklarierten Biodiesel anbieten. An den anderen können Benzin und Diesel ebenfalls geringe Mengen enthalten.»

Auch Ulrich Frei vom Verband Biofuels Schweiz bestätigt die Zunahme. Diese falle stark aus, konkrete Zahlen nennen könne er allerdings noch keine. Um die Argumente der Kritiker von Biotreibstoffen zu entkräften, erklärt er zudem, dass in der Schweiz nur Biotreibstoffe aus Bioabfällen verwendet würden. Dies sei energetisch sinnvoll. «Einerseits gibt es in der Schweiz Anbieter, die aus altem Pommes-frites-Öl Biodiesel produzieren, andererseits importieren wir für die Beimischung ins Benzin Ethanol, der beispielsweise aus Abfällen der skandinavischen Holzindustrie hergestellt wird.»

Besser Strom produzieren

Nicht einverstanden mit dieser Argumentation ist ETH-Professor und Unternehmer Toni Gunzinger. Zwar bestätigt er, dass die Gewinnung von Biotreibstoffen nur dann sinnvoll ist, wenn sie aus Abfällen geschieht, wie dies in der Schweiz der Fall ist. «Werden Pflanzen eigens für die Herstellung von Treibstoff angepflanzt, ist ihre Ökobilanz meist negativ und andere Menschen müssen hungern, damit wir Auto fahren können», so Gunzinger.

Er erklärt weiter: «Am sinnvollsten wäre es, aus der Biomasse Strom zu erzeugen und danach rein elektrisch zu fahren. Das wäre vom Wirkungsgrad her betrachtet viel besser.» Das jetzige System mit der Mineralölsteuerbefreiung sei eine verdeckte Subvention eines ineffizienten Systems und bringe in der vorliegenden Form fast nichts. Für den Professor ist klar: «Auf diese Art der Förderung würde ich deshalb verzichten.»

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