Aktualisiert 03.06.2011 15:35

Blocher versus PelliDas SF lädt zum Hahnenkampf

Beim Duell der beiden rechtsbürgerlichen Schwergewichte in der heutigen «Arena» liegen die Vorteile bei Christoph Blocher. Keiner liebt den direkten Schlagabtausch mehr.

von
Jessica Pfister
Kreuzen heute im Schweizer Fernsehen die Klingen: SVP-Chefdenker Christoph Blocher und FDP-Präsident Fulvio Pelli.

Kreuzen heute im Schweizer Fernsehen die Klingen: SVP-Chefdenker Christoph Blocher und FDP-Präsident Fulvio Pelli.

Sie kämpfen beide um die Gunst der bürgerlichen Wähler – dennoch könnten sie verschiedener nicht sein. Auf der einen Seite SVP-Chefdenker Christoph Blocher, der bodenständige Zürcher Unternehmer, der gerne mal den verbalen Zweihänder schwingt. Auf der anderen Seite FDP-Präsident Fulvio Pelli, der zurückhaltende Tessiner Anwalt, der lieber im Hintergrund die Strippen zieht.

Da überraschte es umso mehr, dass es Pelli war, der Blocher öffentlich zum Duell aufgefordert hat. Grund war der Zwist zwischen FDP und SVP über die Weiterführung der Personenfreizügigkeit. «Nach diesem Aufruf ist die ‹Arena›-Redaktion auf die beiden zugegangen und hat sie eingeladen», sagt SF-Sprecher Martin Reichlin. Neben der Weiterführung der Bilateralen sollen die politische Kultur in der Schweiz und die Energiezukunft zur Debatte stehen.

«Pelli laviert zu oft»

Für den Zürcher Kommunikationsexperten Marcus Knill liegen die Vorteile bei diesem Schlagabtausch klar bei alt Bundesrat Blocher. «Christoph Blocher glaubt, was er sagt. Er hat eine Kernbotschaft und bringt diese meistens bildhaft auf den Punkt.» Da würden selbst rhetorische Fehler wie das laute Sprechen oder das Rudern mit den Armen keine Rolle mehr spielen.

Fulvio Pelli hingegen laviere zu oft, kommuniziere mehrere Botschaften und komme so nie zu einem Punkt. Mit der deutschen Sprache habe das wohl weniger zu tun als mit der Einstellung. «Er bemüht sich offensiv zu sein, kann aber nicht über seinen Schatten springen. Es mangelt ihm schlicht an Ausdruckskraft», so der Experte für Medienrhetorik.

Knill erwartet deshalb, dass Pelli in der Arena mehr reagieren statt agieren wird. Blocher traut er auf der anderen Seite zu, zur Hochform aufzulaufen.

«Nur bedingt ein Duell»

Einer, der bereits weiss wie das Duell ausgehen wird, ist der Zuger Nationalrat Jo Lang. Er stand bei der Sendeaufzeichnung vom Mittwoch abend für die Grünen in der ersten Publikumsreihe. «Es war nur bedingt ein Duell», so sein Fazit. Das habe vor allem damit zu tun, dass die beiden ausser bei der Personenfreizügigkeit keine grossen Meinungsdifferenzen hatten. Deshalb habe sich die Diskussion bei den anderen Themen dann auch verschoben. «Statt Blocher mit Pelli duellierten sich Blocher und die anderen Parteien.»

Überhaupt sei es fragwürdig, zwei rechtsbürgerliche Politiker alleine in einen Ring zu stellen, kritisiert Lang. Dies war auch der Grund, weshalb die Parteipräsidenten der Grünen, der SP und der CVP im Vorfeld die «Arena» boykottieren wollten. Nach Rücksprache mit dem Schweizer Fernsehen entschieden sich diese dann doch für eine Teilnahme – beziehungsweise für eine Vertretung durch prominente Nationalräte. «Der Entscheid war richtig», sagt Corrado Pardini, der für die SP an der Seitenlinie stand. Er habe sich persönlich genug einbringen können.

«Boykott wäre falsch gewesen»

Dieser Meinung ist auch BDP-Vertreterin Ursula Haller. «Ein Boykott wäre falsch gewesen.» Damit wäre der Eindruck entstanden, dass die anderen Parteien die Statements der beiden einfach so akzeptieren. «Nun standen wir zwar nicht im Ring, konnten aber dennoch mitdiskutieren.» Auf die Frage, wer im direkten Duell besser abgeschnitten hat, sagt die Bernerin nur: «Sie wissen ja, wo Blochers Stärken liegen.»

«Arena», heute um 22.20 Uhr auf SF1

Haben Grüne, SP & Co. «Arena» erpresst?

Der grüne Nationalrat Jo Lang erklärt gegenüber 20 Minuten Online, dass er und die Vertreter der anderen Parteien Pirmin Bischof (CVP), Ursula Haller (BDP) und Corrado Pardini (SP) sich abgesprochen haben und für die Teilnahme an der ‹Arena› von der Sendeleitung zwei Garantien verlangt haben. «Wir forderten, dass über alle drei vorgeschlagenen Themen (Personenfreizügigkeit, politische Kultur und Energiezukunft) gesprochen wird und dass wir mehr Redezeit erhalten als sonst üblich.» Normalerweise sei im Publikum nur ein Redebeitrag garantiert. Das Schweizer Fernsehen hat sich laut Lang an diese Bedingungen gehalten. Auf diese Forderungen angesprochen, sagt SF-Mediensprecher Martin Reichlin: « Es wurde darauf geachtet, dass alle Parteien angemessen zu Wort kamen, ohne dass das eigentliche Duell darunter gelitten hat. Das Duell ging auf Zeit und die Redezeit wurde gestoppt. Beides auf Initiative der ‹Arena›.» (jep)

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