Kampftaktik-Experte: «Das sieht nicht nach Sondereinheit aus»
Aktualisiert

Kampftaktik-Experte«Das sieht nicht nach Sondereinheit aus»

Die Täter des terroristischen Anschlags wurden als professionell bezeichnet, sie hätten eine militärische Ausbildung, berichteten Medien. Ein Experte widerspricht.

von
G. Brönnimann
Eine der Szenen, die den Experten daran zweifeln lässt, dass es sich bei den Terroristen um militärisch ausgebildete Profis handelt: Der Täter (r.) läuft dem Täter links vor den Lauf seiner Waffe. Mehrmals in der kurzen Sequenz richten die Männer ihre Waffen aufeinander, ohne wegzuzielen.

Eine der Szenen, die den Experten daran zweifeln lässt, dass es sich bei den Terroristen um militärisch ausgebildete Profis handelt: Der Täter (r.) läuft dem Täter links vor den Lauf seiner Waffe. Mehrmals in der kurzen Sequenz richten die Männer ihre Waffen aufeinander, ohne wegzuzielen.

Es gibt nur kurze wacklige Videos der Mörder-Truppe von Paris. Eines der Videos zeigt, dass die Täter – nach dem Blutbad in der Redaktion von «Charlie Hebdo» – einen Polizisten, der ihnen auf ihrer Flucht im Weg steht, kaltblütig exekutieren. In verschiedenen Medienberichten ist davon die Rede, es handle sich um «professionelle» Täter mit «militärischer» Ausbildung.

20 Minuten hat das entsprechende Video einem Experten für Polizeitaktik gezeigt, um sich die Bewegungsabläufe der Terroristen anzusehen. Was kann der ausgebildete Profi und Kampftaktik-Experte, der anonym bleiben möchte, aufgrund des kurzen Videos über den möglichen Hintergrund der Täter sagen? (20 Minuten verzichtet darauf, das Video zu zeigen und beschränkt sich auf Screenshots).

«Eine Ausbildung haben sie, das ist ganz klar»

Es sei deutlich zu sehen, dass die Terroristen nicht zum ersten Mal eine Waffe in der Hand hielten: «Die können schiessen. Eine Ausbildung haben sie, das ist ganz klar. Das sieht man an der Schusskadenz und an der Effizienz des Vorgehens.» Konkret: «Gemeinsames Vorrücken von zwei Seiten, Ermordung, Rückzug zum Auto, Flucht.»

«Aber», so der Experte weiter, «es sieht für mich nicht nach einer hochprofessionellen militärischen oder polizeilichen Ausbildung aus.» Profi-Soldaten oder Mitglieder von Sondereinheiten würden ein anderes Bild abgeben. Das sei an den Details zu sehen: «Während des Angriffs zielen sie mehrmals gegenseitig mit dem Lauf ihrer Waffe aufeinander oder laufen dem anderen in dessen Schussbahn», erklärt der Taktiker. «Solche Bilder gäbe es bei Profis nie, so etwas passiert einem perfekt geschulten Soldaten nicht – das ist verinnerlicht.» Auch würde der Vordermann zum anderen zurückblicken, was ebenfalls ein Hinweis darauf sei, dass das nicht ein perfekt abgestimmtes Vorgehen sei.

Das Fazit, das der Experte aus dem kurzen Video zieht: «Meines Erachtens sind sie geschult, aber nicht streng. Und im taktischen Bereich haben sie grosse Lücken.»

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