Gaht’s-no!-Priis: Das ist der absurdeste Bürokratie-Fall
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Gaht’s-no!-PriisDas ist der absurdeste Bürokratie-Fall

Die Zürcher FDP hat am Freitag den Preis für die absurdeste Bürokratiegeschichte verliehen. Gewonnen hat die Story «Zürich verhindert Veloladen in Ökosiedlung».

von
Lynn Sachs
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Die Zürcher FDP hat den Preis für die absurdeste Bürokratiegeschichte verliehen. Gewonnen hat die Geschichte um die städtische Wohnsiedlung Kronenwiese. Hier lehnte die Polizei aufgrund gewerblicher Vielfalt einen Veloladen ab.

Die Zürcher FDP hat den Preis für die absurdeste Bürokratiegeschichte verliehen. Gewonnen hat die Geschichte um die städtische Wohnsiedlung Kronenwiese. Hier lehnte die Polizei aufgrund gewerblicher Vielfalt einen Veloladen ab.

KEYSTONE
Ebenfalls eine der Nominierungen ging an den verurteilten Seifenblasenkünstler Gunnar Jauch.

Ebenfalls eine der Nominierungen ging an den verurteilten Seifenblasenkünstler Gunnar Jauch.

Facebook / Gunnar Jauch
Eine weitere Nominierung erhielt die Geschichte um «Spargel-Caspar»: Sein Laden im Zürcher Seefeld wurde geschlossen wegen zu grossen Ansturms.

Eine weitere Nominierung erhielt die Geschichte um «Spargel-Caspar»: Sein Laden im Zürcher Seefeld wurde geschlossen wegen zu grossen Ansturms.

Darum gehts

  • Die Zürcher FDP ernennt jedes Jahr die absurdeste Bürokratiegeschichte.
  • Der «Gahts-no!-Priis» wurde am Freitag verliehen.
  • Nominiert waren fünf Geschichten.

Unnötiger Papierkram, zeitaufwendige Verfahren und vermeidbarer Stress: Die FDP des Kantons Zürich setzt sich mit der Kampagne «Bürokratieabbau jetzt!» für weniger Regulierungen ein. Am Freitag zeichnete die Partei das absurdeste Bürokratieerlebnis mit dem «Gaht’s-no!-Priis» aus.

Der Preis ging an «Zürich verhindert Veloladen in Ökosiedlung». In einer Mitteilung heisst es: «Die Absurdität dieser Geschichte ist an Bürokratie kaum zu übertreffen und einfach nur haarsträubend. Speziell jetzt kann es nicht sein, dass kleine Läden und KMU mit solchen unnötigen Regelungen gegängelt werden.»

Die anderen Nominierten waren:

Seifenblasenkünstler verurteilt

Der Seifenblasenkünstler Gunnar Jauch wurde 2019 vom Bezirksgericht Zürich zu einer Busse von 600 Franken verurteilt. Das berichtete die NZZ. Jauch lässt an öffentlichen Plätzen in Zürich grosse Seifenblasen steigen, zum Teil auch an den falschen Orten. Strassenkunst ist an bestimmten Orten in der Stadt prinzipiell erlaubt, aber nicht auf dem Mühlesteg. Diese Brücke über die Limmat ist nicht nur ein Übergang für Fussgänger und Velofahrer, sondern diene auch als Ort zum Innehalten. Laut dem Gericht erfüllt Jauch mit seinen Seifenblasen somit die Kriterien für die nicht bewilligte Nutzung des öffentlichen Grundes. Gebüsst hat man ihn in der Vergangenheit bereits mehrfach.

«Spargel-Caspar»

Der sogenannte «Spargel-Caspar», Caspar Ruetz, verkaufte Ende März 2020 badische Spargel an die Bevölkerung im Zürcher Seefeldquartier. An einem Tag im April habe die Wirtschaftspolizei den Spargelverkauf im Seefelder Innenhof gestoppt, schreibt die NZZ. Die Erklärung der Polizei für die Schliessung war, dass sich zu bestimmten Zeiten lange Schlangen auf dem Trottoir bildeten. Obwohl der Laden auf privatem Boden stand, wurde durch den Ansturm offenbar zu viel öffentlicher Grund genutzt. Die Polizei zog später ihren Schliessungsentscheid zurück, da aufgrund der 2-Meter-Abstandsregel überall längere Schlangen entstanden waren. Trotz dieses Beschlusses musste der Laden umziehen. Laut der NZZ haben die Grundstückbesitzer «Spargel-Caspar» die Verkaufsbewilligung entzogen, da sich Anwohner beklagt haben. Das Immobilienunternehmen hat Ruetz jedoch dabei unterstützt, eine neue Bleibe zu finden, und für ihn sogar eine bessere Lösung gefunden.

Kein Veloladen wegen gewerblicher Vielfalt

In der Wohnsiedlung Kronenwiese, die als Vorzeigeprojekt in Sachen Nachhaltigkeit gilt, wurde ein Veloladen verhindert. Laut der NZZ lehnte die Stadt die Übernahme eines Möbelgeschäfts durch zwei Velomechaniker ab. Grund dafür: Der Besitzer eines benachbarten Velogeschäfts hatte bei der Stadt Einsprache erhoben. Daraufhin erklärte die Stadt, dass, weil sich schon ein Velogeschäft in der Nähe der leer stehenden Lokalität befinde, eine Vermietung an einen Veloladen nicht «der gewerblichen Vielfalt» des Kreises 6 entspreche. Diese Erklärung hinke jedoch ein wenig, findet der Inhaber von Velo67. Sein Geschäft ist auch jetzt schon rund 100 Meter von der Wohnsiedlung entfernt. Zusätzlich wäre er mit seinem Laden in die Kronenwiese umgezogen und hätte somit eine neue Gewerbefläche frei gemacht. Der Laden in der Kronenwiese steht bis heute leer.

Spezialbewilligung fürs Autokino

Der 19-jährige Mika Steinmann stellte im Mai ein Autokino in Dietlikon auf die Beine. Da er gerne mit seinen Freunden ins Kino geht, wollte er auch während des Corona-Lockdown nicht darauf verzichten. Nur zwei Wochen nachdem der erste Film auf der Grossleinwand gelaufen war, machte der Kanton dem Kino einen Strich durch die Rechnung. Steinmann wurde mitgeteilt, dass er für die Durchführung des Autokinos eine kantonale Bewilligung brauche – eine von der Gemeinde reiche nicht aus. Der 19-Jährige erhielt später eine Ausnahmebewilligung und durfte letztendlich doch noch verschiedene Filmklassiker zeigen.

«Mediterrane Nächte»

Eine Mehrheit der Zürcher Gemeinderäte wollte im Juli und August 2020 «Mediterrane Nächte». Das Pilotprojekt sah vor, dass ausgewählte Bars und Restaurants an warmen Sommerabenden bis um 2 Uhr geöffnet haben dürfen. Dagegen stellte sich eine Interessengemeinschaft verschiedener Quartiere. Sie wollte, dass die Betriebe weiterhin ihre Gartenwirtschaften um Mitternacht schliessen und sich die Stadt für die Anwohner einsetzt. Da die Baurekursfrist bis Ende August lief, fanden diesen Sommer keine «Mediterranen Nächte» statt.

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