Aktualisiert 20.06.2011 14:57

Schweizer Gegner

Das sind die aggressiven Tschechen

Tschechien überstand die Qualifikation für die U21-EM als einziges Team ungeschlagen. An der Endrunde fiel der Schweizer Gegner bisher mit den meisten Fouls und gelben Karten auf.

von
fox
Tschechien: Am meisten Fouls, am meisten gelbe Karten.

Tschechien: Am meisten Fouls, am meisten gelbe Karten.

Es sah nicht gut aus für die Tschechen, als sie im entscheidenden Spiel gegen England in der 76. Minute 0:1 in Rückstand gerieten. Trainer Jkub Dovalil setzte in der 83. Minute alles auf eine Karte und brachte mit Jan Chramosta und Tomas Pekhart zwei Stürmer. Es sollte sich auszahlen. Chramosta traf in der 89. Minute zum 1:1, Pekhart besorgte das 2:1 in der Nachspielzeit. Tschechien war im Halbfinal. «Heute hatten wir wirklich Glück. England war eigentlich das bessere Team, aber wir haben toll gekämpft», so der Torschütze zum Ausgleich.

Was ist das für ein Team? Die tschechische Auswahl war in der Qualifikation als einzige Equipe ungeschlagen geblieben. Seit Juni 2009 ging sie nicht mehr als Verlierer vom Platz. Zum Auftakt wurde die Ukraine 2:1 besiegt, Trainer Dovalil sprach von einem «fantastischen Beginn». Gegen Gruppenfavorit Spanien gabs ein 0:2 – und damit die erste Niederlage nach elf Spielen. Mittelfeldspieler Jan Moravek lieferte noch vor dem Spiel gegen England eine mögliche Erklärung dafür: «Wir haben gesehen, dass Spanien technisch sehr starken Fussball spielt und den Ball schnell laufen lässt. Damit hatten wir Probleme und sie waren immer einen Schritt voraus.» Auch die Schweiz überzeugte bisher mit offensivem Spiel und schnellen Ballstafetten. Ein gutes Omen?

Acht Legionäre, neun gelbe Karten

Apropos Moravek: Der Spieler von Kaiserslautern (auf diese Saison wieder zurück zu Schalke), ist einer der in der Schweiz wenigen bekannten Namen aus dem Team – obwohl neben dem Mittelfeldspieler noch sieben weitere Akteure ihr Geld bereits im Ausland verdienen. Neben Moravek ist dies in der Bundesliga Stürmer Adam Hlousek (Kaiserslautern, 13 Einsätze), Goalie Marek Stech (West Ham, wenige Einsätze) und Verteidiger Marek Suchy (Spartak Moskau, Stammspieler). Imposant ist die Erscheinung von Italien-Legionär und 1,93m-Hüne Libor Kozak. Der Stürmer von Lazio Rom erzielte in der Serie A in 19 Partien immerhin 6 Treffer. Die grösste Auslandsfraktion kommt jedoch aus Belgien. Beim Traditionsverein Anderlecht stehen mit Jan Lecjaks, Ondrej Mazuch und Lukas Marecek drei Spieler unter Vertrag. Lecjaks und Mazuch gehören beim Meister von 2010 zum Stamm.

Obwohl damit vor allem die Verteidigung bereits internationale Erfahrung ausweist, hinterliessen die Tschechen keinen sicheren Eindruck: Vier erzielten stehen ebenso viele erhaltene Tore gegenüber. Die Effizienz ist dagegen beeindruckend. Tschechien weist mit neun am zweitwenigsten Torschüsse aller Mannschaften aus, trifft folglich aber fast bei jedem zweiten. Auch in anderen Statistiken sind die Tschechen top. Die neun gelben Karten sind genauso «Bestmarke» aller Teams in Dänemark, wie die 64 begangenen Fouls. Die aggressivsten Spieler in dieser Wertung sind mit Hlousek und Moravek zwei, die auch schon in der A-Nationalmannschaft zum Einsatz kamen. Moravek wird übrigens gerne mit Tomas Rosicky verglichen, was er nicht nur als positiv empfindet, wie der 21-Jährige gegenüber uefa.com sagt: «Es ist schön, dass die Leute dies sagen, aber es erhöht auch den Druck auf mich. Ich habe mit Tomas schon für die A-Nationalelf gespielt und es gibt nur einen Tomas.»

Auch Schweizer foulen oft

Zurück zu den Fouls. Die Schweiz holte bekanntlich in der Qualifikation am meisten gelbe Karten (35). Und auch in Dänemark stehen die jungen Schweizer mit 60 Fouls nur knapp hinter den Tschechen. Es könnte also durchaus auf die Knochen gehen im Halbfinale vom Mittwoch. Dabei sollte die Schweiz dem physischen Spiel wenn möglich ausweichen, denn Moravek erklärte vor dem Duell mit England: «England spielt eher körperbetont, damit kommen wir besser zurecht.»

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