Wirtschaftssystem: Das sind die Alternativen zum Kapitalismus
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WirtschaftssystemDas sind die Alternativen zum Kapitalismus

Karl Marx' Gegenmodell zum Kapitalismus ist gescheitert. Es gibt aber auch andere Ideen.

von
Rolf Maag
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Der Kapitalismus gilt manchen als überholt. Doch was sind die Alternativen?

Der Kapitalismus gilt manchen als überholt. Doch was sind die Alternativen?

Keystone/Georgios Kefalas
Für die britische Premierministerin Margaret Thatcher war klar: Es gibt keine Alternative zum Kapitalismus.

Für die britische Premierministerin Margaret Thatcher war klar: Es gibt keine Alternative zum Kapitalismus.

epa/str
Der Ökonom Giacomo Corneo dagegen fordert einen Aktienmarkt-Sozialismus.

Der Ökonom Giacomo Corneo dagegen fordert einen Aktienmarkt-Sozialismus.

Getty Images/Ullstein Bild

Margaret Thatcher war von 1979 bis 1990 Premierministerin von Grossbritannien. In ihren Reden verwendete sie häufig den Satz «There is no alternative» (Es gibt keine Alternative). Damit meinte sie, dass einzig der von ihr verfochtene Marktradikalismus auf die Dauer wirtschaftlichen Erfolg verspreche. Thatcher erhielt sogar den Spitznamen Tina, der sich aus den Anfangsbuchstaben der Wörter ihrer Formel zusammensetzt.

Doch seit der Wirtschaftskrise, die 2007 ihren Anfang nahm, ist nicht nur Thatchers Neoliberalismus, sondern auch der Kapitalismus als solcher wieder einmal in Verruf geraten. Manche meinen, wir bräuchten andere Wirtschaftsmodelle, weil der Kapitalismus krisenanfällig, ungerecht und ökologisch verheerend sei. Wie könnten diese aussehen?

Aktienmarkt-Sozialismus

Der in Berlin lehrende italienische Ökonom Giacomo Corneo möchte den Kapitalismus nicht abschaffen, sondern durch eine andere Verteilung der Kapitaleinkommen gerechter machen. Er nennt das «Aktienmarkt-Sozialismus».

Corneo zufolge sollte der Staat sukzessive die Aktienmehrheit an den Grosskonzernen übernehmen. Voraussetzung dafür wäre eine neue Institution, die er nach dem Vorbild der deutschen Bundesbank «Bundesaktionär» nennt. Sie würde sich um die Renditen der grossen Unternehmen kümmern.

Die Dividenden würden dann zum Teil an die Bürgerinnen und Bürger ausgeschüttet, zum Teil sozial verantwortlich investiert. Dafür würden die in den Verwaltungsräten sitzenden Vertreter des Bundesaktionärs sorgen, die ihrerseits wieder von NGOs überwacht würden. Ausserdem bekämen die Angestellten mehr Mitbestimmung. Corneo meint, dass so die Konzerne demokratisch und zum Wohl aller geführt würden, weil die Dominanz einiger weniger Grossaktionäre aufgehoben wäre.

Postwachstumsökonomie

Niko Paech ist der Guru der «Postwachstumsökonomie». Der in Siegen und Oldenburg lehrende Ökonom ist erst einmal geflogen, isst kein Fleisch und besitzt weder ein Smartphone noch einen eigenen Laptop.

Daraus ist bereits zu ersehen, dass Paech den übersteigerten Konsum als grösstes Übel unserer Zeit betrachtet. Er sei umweltschädlich und führe ab einem gewissen Niveau auch zu keiner zusätzlichen Befriedigung. Seines Erachtens sollten wir deutlich weniger verbrauchen, aber auch weniger herstellen. Das gilt sowohl für die Einzelnen als auch für die Unternehmen. Das würde einen Rückgang des Wachstums und wohl auch den Zusammenbruch grosser Teile der Industrie nach sich ziehen.

Paech möchte das durch eine Reduktion und Umverteilung der Arbeitszeit sozial abfedern. Seiner Meinung nach würden 20 Stunden Arbeit pro Woche reichen. Wir hätten dann zwar weniger Geld, dafür aber deutlich mehr Zeit, die wir beispielsweise zur Selbstversorgung in nachbarschaftlichen Netzwerken nutzen könnten.

Postkapitalismus

Für den englischen Wirtschafsjournalisten Paul Mason ist Wikpedia das Modell der Zukunft. In seinem Buch «Postkapitalismus» setzt er auf Netzwerkorganisationen, in denen Produkte gemeinsam hergestellt und konsumiert werden, ohne dass dafür Preise oder Löhne gezahlt werden müssten.

Ausserdem fordert Mason ein bedingungsloses Grundeinkommen, das die Leute vom Zwang befreien würde, ihre Arbeitskraft zu jedem Preis zu verkaufen. Nötig sei auch eine radikale Wende zu alternativer und dezentral hergestellter Energie. Schliesslich plädiert Mason für verstaatlichte Notenbanken, die so viel Geld drucken, wie der Staat braucht. Dass dabei eine gewaltige Inflation entstehen würde, bereitet Mason kein Kopfzerbrechen. Sie würde ihm zufolge nämlich dabei helfen, die Schulden abzubauen und den Reichtum neu zu verteilen.

Kapitalismus und die Unterdrückung der Frauen

All diese Ideen wirken ein wenig unausgegoren und sind bisher auch kaum in die Programme der Parteien eingegangen. Doch wie Mason zu Recht schreibt: Die Frauen erlangten in den westlichen Staaten innerhalb von wenigen Jahrzehnten ihre rechtliche Gleichstellung, nachdem sie während Zehntausenden von Jahren unterdrückt worden waren. Warum sollte es dann nicht gelingen, eine Alternative zum Kapitalismus zu finden, den es seit etwa 200 Jahren gibt?

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