Aktualisiert 10.07.2018 12:13

Holz und Gras

Das sind die Alternativen zur Plastikverpackung

Coop und Migros wollen die Plastikverpackungen durch Alternativen ersetzen. Doch taugen sie auch etwas? Ein Experte klärt auf.

von
Dominic Benz
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Viele Konsumenten nerven sich wegen der Plastikverpackung bei Bio-Produkten.

Viele Konsumenten nerven sich wegen der Plastikverpackung bei Bio-Produkten.

Keystone/Christian Beutler
Die Kunden wünschten sich am liebsten gar keine Verpackung wie beim Offenverkauf.

Die Kunden wünschten sich am liebsten gar keine Verpackung wie beim Offenverkauf.

Coop
Nun sagen die Detailhändler auch dem Plastik in der Gemüse- und Früchteabteilung den Kampf an und testen seit kurzem Alternativen. So etwa das Zellulose-Säckli für Zwiebeln ...

Nun sagen die Detailhändler auch dem Plastik in der Gemüse- und Früchteabteilung den Kampf an und testen seit kurzem Alternativen. So etwa das Zellulose-Säckli für Zwiebeln ...

Die Detailhändler sagen dem Plastik den Kampf an. Nicht nur mit der 5-Rappen-Gebühr auf die Raschelsäckli an der Kasse will man den Abfallberg verkleinern. Auch die Gemüse- und Früchteabteilungen sollen umweltfreundlicher werden.

Seit kurzem testen die Detailhändler verschiedene Alternativen bei Bio-Produkten. Das Problem: Das Gesetz verlangt eine deutliche Trennung zwischen Bio-Produkten und herkömmlichen Waren. Mit Kleber oder Laser könnten das Gemüse und die Früchte zwar als Bio-Produkte gelabelt werden. Doch das geht nicht immer: Beeren oder Blumenkohl benötigen wegen der Handhabung eine Schale oder ein Säckli.

Aber wie sehen die Plastik-Alternativen konkret aus? Sind sie tatsächlich umweltverträglicher? 20 Minuten hat beim Ökobilanz-Experten Roland Hischier von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa nachgefragt.

• Graspapier

Coop testet seit kurzem bei Bio-Äpfeln die Verpackung aus Graspapier. Die Körbli sind nicht mehr aus Karton, sondern bis zu 40 Prozent aus Gras. Dieses stammt laut Coop überwiegend von ökologischen Anbauflächen. Das heisst: Das Gras wächst ohne Düngemittel wild. Neben Gras besteht das Körbli aus Holzzellstoff aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Die Herstellung braucht 40 Prozent weniger Energie und Wasser als jene von Karton.

Das sagt der Experte: Laut Hischier ist Graspapier aufgrund des geringeren Energieaufwandes als umweltfreundlicher einzustufen als Karton. Die Plastikfolie um die Schale bleibt aber bestehen. Diese etwa mit Bio-Plastik zu ersetzen, sei meist nicht sinnvoll. «Bio-Plastik hat meist eine schlechtere Ökobilanz als normaler Plastik», so Hischier. Denn als Ausgangsmaterial werden Nahrungsmittel wie Mais verwendet, die selten aus nachhaltiger Landwirtschaft stammen.

• Zellulose-Netze

Zwiebeln waren bisher in Nylonsäckli zu kaufen. Coop ersetzt diese für sämtliche konventionellen und Bio-Zwiebeln mit Zellulose-Netzen. Die Zellfasern werden aus Holz gewonnen. Laut Coop sind sie zu 100 Prozent kompostierbar. Ende des Jahres will Coop die Nylon-Netze vollständig ersetzen. Auch beim Bio-Knoblauch stellt Coop ab sofort auf Zellulose um.

Das sagt der Experte: Dass das Netz kompostierbar ist, ist für Hischier kein schlagendes Argument. «Viele Haushalte haben keinen Zugang zum Komposthaufen.» Zudem besteht Verwechslungsgefahr, sodass plötzlich auch Nylon-Netze im Kompost landen könnten. Dennoch ist das Holz-Säckli sinnvoll, da ein nachwachsender Rohstoff einen fossilen ersetzt. «Die Frage ist aber, wie energieintensiv die Herstellung des Zellulose-Netzes ist», so Hischier.

• Banderolen

Coop prüft derzeit, stangen- und kugelförmige Gemüse mit Papierbändern, sogenannten Banderolen, zu versehen. Statt einer Plastikverpackung sollen diese Lauch, Rhabarber oder Stangensellerie als Bio-Produkte labeln und zusammenhalten. Die Banderolen werden laut Coop möglicherweise aus Graspapier oder aus Materialien aus FSC-zertifizierten Wäldern sein. Die Migros setzt Banderolen beispielsweise schon bei Bio-Ananas oder Bio-Avocados ein.

Das sagt der Experte: Papier als Alternative macht nur dann Sinn, wenn es leichter als Plastik ist. «Papier und Plastik hat in der gleichen Menge ungefähr die gleiche Ökobilanz», sagt Hischier. Ohnehin dürfe man nicht vergessen, dass Plastik bei fachgerechter Entsorgung in der Kehrichtverbrennung keine grossen Probleme für die Umwelt darstelle.

• Unverpackt

Etliches Bio-Gemüse wie Auberginen oder Bio-Früchte wie Nektarinen werden ohne Plastik im Offenverkauf angeboten. Stattdessen haben sie einen Kleber mit dem Bio-Label drauf. Auch das Labeln mit Laser oder Licht-Tattoos haben Detailhändler schon getestet. «Wir haben allerdings festgestellt, dass viele Produkte mit der Kennzeichnung verdorben sind», teilt eine Migros-Sprecherin mit.

Das sagt der Experte: Auf den ersten Blick ist der gänzliche Verzicht auf Verpackung zu begrüssen. Doch unter Umständen kann das die Umwelt stärker belasten. «Die meisten Konsumenten nehmen auch für eine einzige Aubergine ein Gratis-Säckli», so Hischier. Dieses individuelle Abpacken führt auf die einzelne Aubergine gesehen zu einem höheren Plastik-Verbrauch, als ein vom Händler angebotenes Dreierpack mit Plastikhülle.

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