Ben Hosking
Publiziert

Das sind die besten Architekturprojekte des Jahres

Das Architekturmagazin «Dezeen» hat auch dieses Jahr die besten Projekte gekürt. Abgeräumt hat ein Bauernhaus in Vietnam.

von
Meret Steiger
14.12.2020

Mit den Dezeen Awards 2020 hat «Dezeen», eines der einflussreichsten internationalen Magazine für Architektur und Design, erneut die besten Architekturprojekte des Jahres gekürt. Unter den Gewinnern findet sich eine Primarschule im Iran, ein Hotel in Bali, Velo-Parkplätze in Dänemark und ein Mehrfamilienhaus in China. Hauptgewinner über alle Kategorien ist aber das «Red Roof», ein Bauernhaus mit bepflanzbarem Dach in Vietnam.

Ausgewählt wurden die Siegerprojekte von einer 25-köpfigen Jury mit Persönlichkeiten aus dem Architekturbereich. Auswahl gab es genug: 1’455 Projekte wurden eingereicht, 64 haben es in die engere Auswahl geschafft. Wir zeigen dir die Gewinner aus acht Kategorien.

Stadthaus des Jahres

Das Thang House von Vo Trong Nghia Architects befindet sich in Danang City in Vietnam …

Das Thang House von Vo Trong Nghia Architects befindet sich in Danang City in Vietnam …

Hiroyuki Oki / Dezeen
… und überzeugte mit Nachhaltigkeit.

… und überzeugte mit Nachhaltigkeit.

Hiroyuki Oki / Dezeen

Das Stadthaus des Jahres, das «Thang House» befindet sich in Danang City in Vietnam und überzeugte die Jury mit Nachhaltigkeit: Im Erdgeschoss gibt es einen Fischteich, das Wasser darin wird aber auch verwendet, um die Bäume auf dem Dach zu giessen.

Das Thang House ist Teil des Projektes «House for Tree», mit dem ein möglichst nachhaltiges und ökologisches Leben möglich sein soll. Die Jury sagt, sie sei «beeindruckt vom Versuch, den ökologischen Fussabdruck mit Bepflanzung zu verkleinern». Ausserdem sei das Haus eine Bereicherung für die Umgebung.

Landhaus des Jahres

The Red Roof von TAA Design ist Hauptgewinner über alle Kategorien …

The Red Roof von TAA Design ist Hauptgewinner über alle Kategorien …

TAA Design
… und ist für eine weniger vermögende Bevölkerungsschicht ausgelegt.

… und ist für eine weniger vermögende Bevölkerungsschicht ausgelegt.

TAA Design

Hauptgewinner über alle Kategorien ist dieses Haus. Hier gibt es ebenfalls einen Dachgarten und es befindet sich ebenfalls in Vietnam. Allerdings ist das Haus in Quang Ngai für eine weniger vermögende Bevölkerungsschicht ausgelegt, was der Jury gefällt: «Kleine Projekte wie dieses zeigen, dass grossartiges Design für alle Menschen zugänglich ist.»

Gebaut wurde es für ein Paar, dass schon seit Jahrzehnten in der Gegend wohnt, die sich in den vergangenen Jahren sehr schnell entwickelt hat.

Mehrfamilienhaus des Jahres

The Borderless Community von Fei Architects wurde für Chinesinnen und Chinesen gebaut, die im kreativen oder digitalen Bereich arbeiten.

The Borderless Community von Fei Architects wurde für Chinesinnen und Chinesen gebaut, die im kreativen oder digitalen Bereich arbeiten.

Zheng Qingling
«Mehrfamilienhäuser machen manchmal den Eindruck, als würden sie isolieren. Dieses Projekt hilft, zu einer gemeinsamen Nachbarschaft zurückzukehren», so die Jury zum Projekt.

«Mehrfamilienhäuser machen manchmal den Eindruck, als würden sie isolieren. Dieses Projekt hilft, zu einer gemeinsamen Nachbarschaft zurückzukehren», so die Jury zum Projekt.

Zheng Qingling

Dieses Projekt ist ein Mehrfamilienhaus im dicht bevölkerten Guangzhou. Es wurde für ein ganz bestimmtes Klientel gebaut: Sogenannte «Slash Youths», also junge Chinesinnen und Chinesen, die im kreativen oder digitalen Bereich arbeiten. Im Haus gibt es sieben Wohnungen, in denen sich die künftigen Bewohner bestmöglich entfalten können sollen.

Der Jury gefällt das Projekt vor allem wegen der Message: «Etwas an diesem Projekt ist so optimistisch, so hoffnungsvoll.» und «Mehrfamilienhäuser machen manchmal den Eindruck, als würden sie isolieren. Dieses Projekt hilft, zu einer gemeinsamen Nachbarschaft zurückzukehren.»

Wohn-Umbau des Jahres

«Mit diesem Projekt wird ein Stück Geschichte gerettet», so die Jury über Qishe Courtyard von Arch Studio.

«Mit diesem Projekt wird ein Stück Geschichte gerettet», so die Jury über Qishe Courtyard von Arch Studio.

Qingshan Wu
Das Haus ist ein Hutong, das ist eine traditionelle Bauweise von Wohngebieten mit Innenhöfen in China.

Das Haus ist ein Hutong, das ist eine traditionelle Bauweise von Wohngebieten mit Innenhöfen in China.

Qingshan Wu
Das Architekturbüro Arch Studio hat den Hutong in ein Wohnhaus mit gebogenen Fenstern zum Innenhof umgebaut.

Das Architekturbüro Arch Studio hat den Hutong in ein Wohnhaus mit gebogenen Fenstern zum Innenhof umgebaut.

Qingshan Wu

«Dezeen» zeichnet auch Umbauten aus, wie zum Beispiel beim Qishe Courtyard: Das Haus ist ein Hutong, das ist eine traditionelle Bauweise von Wohngebieten mit Innenhöfen in China. Sie werden immer seltener, da heute vermehrt in die Höhe gebaut wird. Das Architekturbüro Arch Studio hat den Hutong in ein Wohnhaus mit gebogenen Fenstern zum Innenhof umgebaut.

Ursprünglich befanden sich im Hutong sieben Holzhäuser, sie waren aber alle in einem desolaten Zustand. Für das Projekt wurden die Häuser miteinander verbunden. Der Jury gefällt vor allem die Kombination aus alt und neu: «Mit diesem Projekt wird ein Stück Geschichte gerettet und gleichzeitig modernisiert.»

Öffentliches Gebäude des Jahres

Die Noor E Mobin Primary School von FEA Studio …

Die Noor E Mobin Primary School von FEA Studio

Behrouz Khamseh
… steht in der Stadt Bastam in Iran.

… steht in der Stadt Bastam in Iran.

Behrouz Khamseh
Sie mache die Schule zu einer kleinen Stadt, einer Gemeinschaft für Kinder, so die «Dezeen»-Jury.

Sie mache die Schule zu einer kleinen Stadt, einer Gemeinschaft für Kinder, so die «Dezeen»-Jury.

Behrouz Khamseh

Diese Schule steht in der Stadt Bastam in Iran und soll eine «pädagogische Nachbarschaft» für Kinder sein. Die Kinder sollen sich dort auch nicht nur Wissen aneignen, sondern zu verantwortungsbewussten Erwachsenen werden.

«Die Schule ist ein Rückzugsort. Sie wirkt einladend, gerade im Vergleich mit der kargen Landschaft. Und sie macht die Schule zu einer kleinen Stadt, einer Gemeinschaft für Kinder», sagt die Jury über das Projekt.

Hotel des Jahres

The Tiing von Nic Brunsdon: Beton und Bambus sind die Hauptmaterialien, mit denen gearbeitet wurde.

The Tiing von Nic Brunsdon: Beton und Bambus sind die Hauptmaterialien, mit denen gearbeitet wurde.

Ben Hosking
Beim Bau wurden viele traditionelle Materialien und Bautechniken verwendet.

Beim Bau wurden viele traditionelle Materialien und Bautechniken verwendet.

Ben Hosking

Das Boutique Hotel The Tiing in Bali ist der Jury positiv aufgefallen: Beim Bau wurden viele traditionelle Materialien und Bautechniken verwendet – einerseits als Hommage an diese Techniken, andererseits auch, weil das Hotel sehr abgelegen liegt. Beton und Bambus sind die Hauptmaterialien, mit denen gearbeitet wurde.

Der Jury gefällt die Nähe zur Umgebung: «Dieses Projekt zeigt eine starke Verbindung zur umliegenden Natur. Die Landschaft ist Teil des Designs.»

Landschaftsprojekt des Jahres

Karen Blixens Plads von COBE: Eine Mischung aus Landschaftsbau und Architektur.

Karen Blixens Plads von COBE: Eine Mischung aus Landschaftsbau und Architektur.

Rasmus Hjortshoj / COAST
Hier finden 2000 Velos ein Plätzli.

Hier finden 2000 Velos ein Plätzli.

Rasmus Hjortshoj / COAST

Der Karen Blixens Plads ist ein öffentlicher Platz in Kopenhagen, Dänemark. Dank des Projekts des Architekturbüros COBE gibt es auf dem Platz jetzt 2000 von der Witterung geschützte Velo-Parkplätze. Die Jury zeigt sich von der Praktikabilität begeistert: «Es ist eine tolle Mischung aus Landschaftsbau und Architektur – und löst mit den Veloplätzen gleichzeitig ein grosses Problem in Kopenhagen.»

Infrastrukturprojekt des Jahres

Cycling Through Trees von BuroLandschap und De Gregorio & Partners für Visit Limburg wurde für seine Naturverbundenheit gelobt.

Cycling Through Trees von BuroLandschap und De Gregorio & Partners für Visit Limburg wurde für seine Naturverbundenheit gelobt.

Visit Limburg
Hier fährt man quasi durch die Baumwipfel Velo.

Hier fährt man quasi durch die Baumwipfel Velo.

Visit Limburg

In Belgien kann man jetzt durch Baumwipfel Velo fahren: Das Projekt «Cycling Through Trees» wurde von der Tourismusbehörde von Limburg, Belgien, in Auftrag gegeben. Der Weg ist 700 Meter lang und befindet sich zehn Meter über dem Boden.

Die Jury lobt die Naturverbundenheit des Projektes: «Es passt perfekt in die Umgebung und bietet den Velofahrern eine fantastische und ungewohnte Aussicht.»

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13 Kommentare
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Traumhaft

15.12.2020, 23:40

Das Landhaus ist mein Favorit. Puritanisch eingerichtet mit Möbeln in Erdtönen wäre es ein wahr gewordener Traum.

Gku1

15.12.2020, 07:55

Betonklötze sollen eine starke Verbindung zur Natur sein? Oh mein Gott. Da könnte wohl jede/r Architekt werden.

Heute2020

15.12.2020, 04:19

Wenn die Pflanzen weg sind... dann wäre es nur eine Betonwüste.