12.04.2018 05:39

Monatliches AboDas sind die Folgen, wenn Facebook kostet

US-Senatoren fragten Mark Zuckerberg nach einer Bezahlversion von Facebook. Was würde das bedeuten?

von
R. Knecht

Datenschutz sei Facebooks oberste Priorität, sagte der Facebook-CEO in Washington. Eine Bezahlversion ohne Werbung schloss er nicht aus. (Video: AFP)

Der US-Kongress löcherte Mark Zuckerberg diese Woche mit Fragen. Im Zusammenhang mit Datenschutz-Bedenken wollte Florida-Senator Bill Nelson vom CEO von Facebook wissen, ob er in Betracht ziehe, eine Bezahlversion von Facebook einzuführen, die keine Nutzerdaten sammelt. Zuckerberg sagte weder Ja noch Nein.

Nelsons Frage geht auf ein Interview mit Facebooks COO Sheryl Sandberg zurück. Sie sagte vergangenen Freitag zu «Today», dass Nutzer bezahlen müssten, würden sie ihre Daten nicht für Werbezwecke preisgeben wollen. Welche Auswirkungen würde diese einschneidende Veränderung beim Schwergewicht der sozialen Medien haben? Experten geben Antworten.

Was würde Facebook kosten?

Laut Facebooks Geschäftsbericht verdient das Unternehmen pro Benutzer rund 20 Franken pro Person weltweit mit Werbung. In Europa sind es rund 26 Franken pro Kopf. Diese Werbeeinnahmen gilt es zu ersetzen. «Ich denke, dass nicht mehr als ein tiefer einstelliger Betrag pro Monat erhoben würde», sagt Jürg Kobel, Experte für Social Media bei der Webagentur Comvation. Aufgrund der grossen Anzahl Nutzer könne Facebook den Preis tief halten.

Sind Nutzer bereit, zu bezahlen?

Michael Klaas, Leiter der Fachstelle Digital Marketing der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), glaubt, der typische Facebook-Nutzer sei eher nicht bereit, für Facebook zu bezahlen. Das sei ein weiterer Grund, warum der Preis möglichst niedrig sein müsse.

Müssen alle Nutzer zahlen?

Nein. Eines stellte Zuckerberg im Kongress wiederholt klar: Facebook werde es immer auch als Gratisdienst geben. Diejenigen, denen es nichts ausmacht, dass ihre Daten für Werbung genutzt werden, dürften den Dienst weiterhin kostenlos nutzen können. Das Bezahlangebot scheint Klaas aber auf den ersten Blick keinen richtigen Vorteil zu bieten: «Du bekommst nicht mehr, du wirst nur weniger genervt», beschreibt er eine werbefreie Alternative.

Wie verändert sich der Dienst?

Es wäre denkbar, dass Facebook ähnlich wie bei Linkedin, Spotify oder Xing für die zahlenden Kunden Zusatzdienste einführen müsste. «Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Kunden bereit sind, allein dafür zu bezahlen, dass ihre Daten nicht für Werbung genutzt werden», so Klaas. Denkbar wäre für ihn, dass zusätzlich noch neue Randfunktionen, etwa im Bereich Bildbearbeitung, angeboten werden.

Was geschieht mit den Nutzern?

Es würde sich eine «Zwei-Klassen-Gesellschaft» der bezahlenden und der Gratis-Kunden herausbilden, sagt Klaas. Die bezahlenden Kunden würden Facebook teils intensiver nutzen als zur Zeit, als es noch gratis war. «Die wollen natürlich etwas haben fürs Geld», so Klaas. Die Gratis-Kunden hingegen würden das Gefühl haben, dass sie etwas verpassen, und sich überlegen, auf andere Plattformen zu wechseln.

Würden Facebooks Nutzerzahlen sinken?

«Ein Grossteil der heutigen Nutzer würde Facebook den Rücken zukehren», vermutet Klaas von der ZHAW. Experte Kobel glaubt hingegen, dass auch das Gegenteil möglich wäre: «Gewinnt Facebook wieder an Vertrauen und stösst das Bezahlmodell auf Zustimmung, könnte dies die Anzahl der Nutzer erhöhen.» Die beiden Experten sind sich aber einig: Die Nutzerzahlen sind stark davon abhängig, ob Kunden wirklich bereit sind, für eine werbefreie Plattform und Zusatzdienste zu bezahlen.

Welche Auswirkungen hätte das neue Modell auf andere soziale Medien?

Wenn das grösste soziale Netzwerk das vormacht, sei es denkbar, dass auch andere Netzwerke über eine Bezahlversion nachdenken, sind sich die Experten einig. «Bei allen sozialen Netzwerken wird laufend am Algorithmus ‹geschraubt› und neue Funktionen werden getestet», fügt Kobel von Comvation hinzu.

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