Abfall in der Natur: Das sind die grössten Plastikverschmutzer der Welt
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Abfall in der NaturDas sind die grössten Plastikverschmutzer der Welt

Greenpeace hat untersucht, von welchen Herstellern am meisten Plastik in der Umwelt landet. Grosskonzerne wie Coca-Cola und Nestlé müssten radikal umdenken, so die Organisation.

von
Raphael Knecht

In der neuen Liste von Greenpeace siehst du, wessen Produkte in den meisten Ländern gefunden wurden.

RKN

Darum gehts

  • Viele Plastikverpackungen landen nicht im Recycling, sondern in der Natur.

  • Verpackungen von Coca-Cola, Pepsi und Nestlé findet man besonders oft.

  • Die Unternehmen arbeiten an umweltfreundlicheren Lösungen.

  • Umweltschützer erwarten allerdings mehr von den Konzernen.

Flaschen, Folien, Zigarettenstummel: 346’494 Abfallstücke aus Plastik hat Greenpeace dieses Jahr in 55 verschiedenen Ländern eingesammelt. Die Umweltschutzorganisation hat geprüft, von welchen Herstellern der im Freien gefundene Müll stammt. Zu den weltweit grössten Verschmutzern gehören Coca-Cola, Pepsi und Nestlé, gefolgt von Knorr-Mutterkonzern Unilever und Toblerone-Hersteller Mondelez. Welche Firmen ebenfalls auf der Liste stehen, siehst du im Video oben.

Die im Bericht genannten Konzerne sind die weltweit grössten Verpackungsverbraucher: Im Jahr 2019 produzierte Coca-Cola fast 3’000’000 Tonnen Plastikverpackungen. Bei Pepsi waren es 2’300’000 Tonnen, bei Nestlé 1’500’000 Tonnen. «Diese Firmen haben die grösste Verantwortung», sagt Zero-Waste-Experte Matthias Wüthrich von Greenpeace zu 20 Minuten. Schliesslich setzten sie die Verpackungen in Umlauf, ohne für die Folgeschäden aufkommen zu müssen.

Dass letztlich die Konsumenten – nicht die Hersteller – die Abfälle in der Umwelt liegen lassen, lässt Wüthrich nicht als Entschuldigung gelten: «Die Konzerne verdienen Geld daran – also sind sie dafür verantwortlich, ein System zu entwickeln, das keine solchen Folgeschäden verursachen kann.»

Es sei also auch Aufgabe der Konzerne, den Konsumenten das Wegwerfen abzugewöhnen: «Die Unternehmen sollten auf wiederverwendbare Behälter setzen, die einen Wert haben – damit man nicht motiviert ist, die einfach wegzuwerfen.»

Papierflasche statt Plastik

Bei Coca-Cola heisst es, man teile das Ziel von Greenpeace, den Abfall aus der Umwelt zu beseitigen. «Wir glauben aber auch, dass alle Verpackungsmaterialien Vorteile haben und in wertvolle Ressourcen zur Wiederverwendung umgewandelt werden können», sagt Sprecher Matthias Schneider zu 20 Minuten. Das gelte auch für PET – darum brauche es eine noch bessere Sammlung.

Schneider weist darauf hin, dass man «mit Hochdruck» an umweltfreundlicheren Verpackungen arbeite und laufend neue Lösungen entwickle. Im Oktober präsentierte der Konzern etwa eine Papierflasche. Sie besteht derzeit zwar noch nicht komplett aus Papier, Coca-Cola arbeite derzeit aber daran, die letzten Plastikteile aus dem Prototyp zu entfernen.

Forschungsinstitut für Verpackungen

Auch Nestlé hat sich hohe Nachhaltigkeitsziele gesteckt: Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern will, dass 2025 keine der eigenen Verpackungen mehr in der Umwelt landen. Vor rund einem Jahr hat das Unternehmen sein Forschungsinstitut für Verpackungen in Lausanne eröffnet.

Bei bestimmten Produkten setzt der Konzern zudem bereits heute auf Papierverpackungen. In der Schweiz werden zudem bei Kaffee und Heimtiernahrung Systeme mit wiederverwendbaren Behältern getestet. Des Weiteren bestünden seit Anfang 2020 alle Henniez-PET-Flaschen zu 75 Prozent aus rezykliertem PET, sagt Sprecherin Inge Gratzer.

Trotz der Beteuerungen der Firmen zeigt ein Bericht der Ellen MacArthur Foundation allerdings, dass die Anteile an wiederverwendbaren Plastikverpackungen am Gesamtvolumen bei den grossen Konzernen sehr klein sind:

  • Coca-Cola: 3 Prozent (von 2’981’421 Tonnen Plastikverpackungen)

  • Pepsi: 0 Prozent (von 2’300’000 Tonnen Plastikverpackungen)

  • Nestlé: 1 Prozent (von 1’524’000 Tonnen Plastikverpackungen)

«Die umweltschädlichsten Unternehmen der Welt behaupten, intensiv an Lösungen für die Plastikverschmutzung zu arbeiten. Doch in Wirklichkeit entsorgen sie weiterhin eine riesige Menge schädlicher Kunststoffverpackungen in der Umwelt», sagt Emma Priestland von der Bewegung Break Free from Plastic. Sie fordert, dass die Produktion von Kunststoffen eingestellt wird und standardisierte Vertriebssysteme eingerichtet werden, die auf Wiederverwendung basieren.

Freiwillige sammeln Abfall

Greenpeace führt seit 2018 jährlich Sammelaktionen durch. Dieses Jahr haben Freiwillige aus 55 Ländern insgesamt 346’494 Plastikstücke aufgelesen. Laut Sprecherin Eva-Maria Schleiffenbaum konnten die «Brand Audits» genannten Aktionen unter den nötigen Schutzvorkehrungen trotz der Pandemie stattfinden. Insgesamt seien 2020 mehr Brand Audits durchgeführt worden als im Vorjahr.

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