Das sind die grössten Schweizer Medaillenhoffnungen in Tokio
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Sieben oder mehr sollen es werdenDas sind die grössten Schweizer Medaillenhoffnungen in Tokio

117 Schweizerinnen und Schweizer reisen an die Olympischen Spiele. Theoretisch haben sie alle eine Chance auf eine Medaille. Realistisch gesehen sind es einige weniger.

von
Adrian Hunziker
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Die Schweizer Triathletin Nicola Spirig ist in Form, sie gehört in Tokio klar zu den Medaillenkandidatinnen. 

Die Schweizer Triathletin Nicola Spirig ist in Form, sie gehört in Tokio klar zu den Medaillenkandidatinnen.

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Titelverteidiger 
Nino Schurter strebt im Mountainbike seine bereits vierte Olympia-Medaille an. 

Titelverteidiger
Nino Schurter strebt im Mountainbike seine bereits vierte Olympia-Medaille an.

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Bedrängt wird er auch aus dem eigenen Team: Mathias Flückiger hat heuer bereits zwei Weltcupsiege eingefahren. 

Bedrängt wird er auch aus dem eigenen Team: Mathias Flückiger hat heuer bereits zwei Weltcupsiege eingefahren.

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Darum gehts

  • Swiss Olympic rechnet in Tokio mit mindestens sieben Medaillen.

  • Schweizer Favoritinnen und Favoriten gibt es einige wenige.

  • Hoffnungsträger sind viele in der Schweizer Delegation dabei.

117 und 7 – das ist die Schweizer Formel für Medaillen. Hä, wie jetzt? Na ganz einfach: 117 Schweizer Athletinnen und Athleten nehmen an den Olympischen Spielen in Tokio teil. Und 7 Medaillen hat sich Swiss Olympic zum Ziel gesetzt. Oder etwas genauer, wie es Ralph Stöckli, Chef de Mission von Swiss Olympic, sagte: «Sieben oder mehr Medaillen». Die 117 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellen das grösste Kontingent seit 1996 in Atlanta dar, damals waren es 116.

Wir zeigen auf, welche Sportlerinnen und Sportler in Tokio gute Chancen auf eine Medaille haben, welche Hoffnungsträger sind und welche geringe Chancen haben. 2016 in Rio de Janeiro heimste die Schweizer Delegation sieben Medaillen (3 Gold, 2 Silber, 2 Bronze) ein, genauso wie 2008 in Peking (2 G, 1 S, 4 B). 2012 in London waren es noch vier Medaillen (2 G, 2 S). Die erfolgreichsten Spiele der Neuzeit machte das Schweizer Team im Jahr 2000 in Sydney perfekt. Dort waren es neun Medaillen (1 G, 6 S, 2 B).

Grosse Medaillenchancen

Der Mountainbiker Nino Schurter hat bereits einen kompletten Medaillensatz an Olympischen Spielen gewonnen – und geht als Titelverteidiger an den Start. Zufriedengeben wird sich der 35-Jährige damit aber nicht. Mit Mathias Flückiger hat Schurter einen direkten Medaillenanwärter als Teamkollegen. Der 32-jährige Berner hat in dieser Saison zwei Weltcupsiege eingefahren, ist also ebenfalls in Form.

In der Sportart Triathlon gibt es eine Athletin, die als grosse Favoritin hervorgehoben werden kann: die Schweizerin Nicola Spirig. Die Zürcherin gehört auch mit ihren 39 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen. An ihren fünften Olympischen Spielen will sie ihre dritte Medaille. 2012 holte sie in London Gold in einem packenden Schlussspurt, der per Foto-Finish entschieden wurde. 2016 in Rio gewann sie Silber. Zuletzt siegte sie in Vorarlberg, ihrem letzten Test vor den Spielen, mit grossem Vorsprung – die Form stimmt.

Auch im Springreiten gehört die Schweiz zu den Titelkandidaten. Martin Fuchs und Steve Guerdat sind die Reiter, die sowohl im Einzelwettkampf wie auch im Teamwettbewerb gut für eine Medaille sind. Guerdat hatte sich bereits 2012 die Goldmedaille im Einzel geholt. Als Team gewann die Schweiz zuletzt 2008 Bronze.

Karate feiert an den Spielen in Tokio Premiere. Elena Quirici gehört zum kleinen Starterfeld dazu und sieht gute Chancen auf eine Medaille, wie sie im Gespräch mit 20 Minuten sagt: «Wir sind in unserer Kategorie zehn Frauen und alle sind Favoritinnen auf die Medaille, denn es sind die besten der Welt dabei. Ich habe das letzte Turnier vor Olympia gewinnen können. Darum denke ich, dass meine Chancen intakt sind. Es kommt aber auch auf den Wettkampftag drauf an, dass alles zusammenstimmt.» Und die 27-jährige Aargauerin fügt selbstbewusst an: «Ich fahre wie jede Athletin und jeder Athlet nach Tokio, um eine Medaille zu gewinnen, um zuoberst zu stehen, sonst würde ich gar nicht dahin reisen.»

Auf dem Rennrad hat die Schweiz bei den Frauen und den Männern je ein heisses Eisen im Feuer. Marlen Reusser und Stefan Küng gehören im Zeitfahren zu den Medaillenanwärtern. Reusser holte an der letzten WM Silber, Küng Bronze. Küng, der zuletzt die Tour de France absolviert hatte und dort das Zeitfahren in der zweitletzten Etappe nicht gewinnen konnte, meinte danach mit Blick nach vorne gerichtet: «Wenn die Hauptprobe missglückt, wird die Premiere umso besser. Ich bin zuversichtlich für das was kommt in ein paar Tagen in Japan.»

Etwas hügliger als die Radrennstrecke sieht das Gelände bei den BMX-Fahrern aus. In der Disziplin Race rechnet sich David Graf Chancen auf eine Medaille aus. Der 31-Jährige befindet sich aktuell in starker Verfassung. Graf wird im Schweizer Team von Simon Marquart unterstützt – auch wenn sie letztlich im Rennen doch Konkurrenten sein werden. Der 24-jährige Winterthurer schrieb dieses Jahr Geschichte: Er feierte beim Weltcup-Auftakt in Verona seinen ersten Weltcupsieg – es war das der erstes Weltcup-Triumph eines Schweizer Athleten in der BMX-Racing-Geschichte.

Medaillen-Hoffnungsträger

Natürlich könnten wir bei den Hoffnungsträgern alle weiteren Sportlerinnen und Sportler auflisten, ganz realistisch wäre das aber wohl nicht. In der Schweizer Delegation gibt es aber einige Athletinnen und Athleten, die gut in Form sind und bei starken Leistungen und guten Voraussetzung durchaus bei Medaillenentscheidungen mitreden können.

Da wäre beispielsweise Sprinterin Mujinga Kambundji. Die Bernerin zeigte in den letzten Jahren über 100 und 200 Meter stets eine ansteigende Leistungskurve. Sie gewann zuletzt Bronze an der WM in Doha. Sie kann sowohl alleine als auch in der Frauenstaffel für Furore sorgen. Auch Sprint-Kollegin Ajla der Ponte ist einiges zuzutrauen. Oder kann Alex Wilson, der zuletzt mit einer Fabelzeit aufhorchen liess – noch immer ist nicht klar, ob alles mit rechten Dingen zu und her ging –, auch ein Wörtchen mitreden?

Im Schweizer Schwimmteam sind mit Jérémy Desplanches, Roman Mityukov, Lisa Mamié und Maria Ugolkova mindestens vier Kandidaten vorhanden, die mit einem Auge auf eine Medaille schielen. Das gilt auch für die Beachvolleyball-Duos Nina Betschart/Tanja Hüberli und Joana Heidrich/Anouk Vergé-Dépré.

Im Kunstturnen muss im Sprung immer mit Giulia Steingruber gerechnet werden. Sie hatte sich 2016 in Rio bereits Bronze gesichert. Die Ostschweizerin hat allerdings einen Muskelfaserriss hinter sich. Wie stark sie dadurch eingeschränkt ist, ist nicht klar.

Degenfechter Max Heinzer ist nicht nur Schweizer Fahnenträger zusammen mit Kambundji, der 33-jährige Zentralschweizer darf auch im Einzel sowie im Teamwettbewerb zu den Medaillenkandidaten gezählt werden. Eine olympische Medaille fehlt ihm noch, an Weltmeisterschaften hat er bereits sechs Medaillen im Team abgeräumt.

Sportklettern feiert in Tokio Premiere. Die Zürcherin Petra Klingler freut sich auf den Wettkampf, sagt im Interview mit 20 Minuten zu ihren Medaillenchancen aber: «Das ist extrem schwierig zu sagen, da wir erstmals überhaupt in diesem Format antreten. Die bisherigen Kombi-Wettkämpfe sind immer anders abgelaufen. Es ist schwierig einzuschätzen, wo man steht mit der Kombination der drei Disziplinen. Zudem hat man viele Athleten wegen Corona nie gesehen in den vergangenen zwei Jahren. Es wird deshalb eine Überraschung.»

Weitere Hoffnungsträger sind: Marc Hirschi (Rad Strassenrennen), Jeannine Gmelin (Rudern), Heidi Diethelm und Nina Christen (Schiessen), Belinda Bencic (Tennis), Salome Lang (Hochsprung), Jolanda Neff (Mountainbike), Fabienne Kocher (Judo), Zoé Claessens (BMX-Racing) und Nikita Ducarroz (BMX Freestyle).

Geringe Medaillenchancen

Dann gibt es noch einige Schweizer Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die in ihren Sportarten beinahe schon Exoten darstellen. Rachel Moret beispielsweise im Tischtennis. Die Sportart ist derart von chinesischen und anderen asiatischen Spielerinnen dominiert, dass in China eine Medaille einer Europäerin der Staatsbeleidigung gleichkommen würde. Auch Sabrina Jaquet wird im Badminton nur unter ferner liefen teilnehmen. Für die 34-jährige Neuenburgerin sind es die dritten Spiele, danach beendet sie ihre Karriere. Michelle Heimberg wird ebenfalls vor allem froh sein, dass sie dabei sein darf. Dank der 21-Jährigen ist die Schweiz zum ersten Mal seit fast 17 Jahren und Jean-Romain Delaloye wieder im Wasserspringen am Start.

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