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Jahrelanges Technik-TrainingDas sind die Gründe für den sensationellen Medaillen-Triumph an Olympia

Die Schweizer Frauen sorgen im Mountainbike an Olympia für eine Sensation. Wir zeigen euch die Bausteine für den Erfolg des Trios auf.

von
Florian Osterwalder

Die Zieleinfahrt zur ersten Goldmedaille von Jolanda Neff an olympischen Spielen.

SRF2

Darum gehts

  • Die drei Medaillen im Mountainbike bei den Frauen kommen nicht von ungefähr.

  • Der Erfolg ist auch der starken Teamleistung und dem Technik-Training zu verdanken.

  • Die Schweizer Fahrerinnen haben konsequent auf diesen Erfolg hingearbeitet.

Die Schweiz hat bereits fünf Medaillen auf dem Konto. Vier davon gehen auf den Nacken der Mountainbiker und Mountainbikerinnen. Nachdem Mathias Flückiger am Montag im Mountainbike-Rennen der Männer die Silbermedaille gewann, legten die Frauen am Dienstag nach. Und wie sie das taten! Gleich drei Medaillen gab es für die Schweizer Delegation. Jolanda Neff sicherte sich die Goldmedaille, Sina Frei holte Silber und Bronze ging an Linda Indergand. Doch warum war die Schweiz so erfolgreich im Mountainbike? Dass sie zu den erweiterten Favoriten gehören, vor allem Nino Schurter, Mathias Flückiger und Jolanda Neff, war klar. Doch dass sie gleich so abliefern, ist doch ein wenig erstaunlich.

Oder doch nicht? Laut den Medaillen-Fahrerinnen lag ihnen der Kurs extrem gut. Sie alle seien sehr technisch versierte Mountainbikerinnen, was ihnen auf der Mountainbike-Strecke in Izu an den Olympischen Spielen in Tokio extrem entgegengekommen sei. Silber-Medaillen-Gewinnerin Sina Frei spricht aber auch von einer akribischen Vorbereitung: «Wir waren am Morgen des Rennens noch einmal auf dem Kurs, da das Komitee wegen des starken Regens einige Passagen abgeändert hat. Das hat uns geholfen, wir kannten die Änderungen und waren super vorbereitet. Wir konnten mit dem richtigen Material an den Start gehen, das hat sich ausgezahlt.»

Doch die anderen Nationen hatten ja diese Chance auch, warum ist es dann den Schweizerinnen so gut gelungen? «Die Französinnen waren nicht mit dem Bike auf der Strecke heute morgen. Sie haben in Turnschuhen die Strecke von aussen angeschaut», so etwa Bronze-Gewinnerin Linda Indergand. Weiter sei das Wetter auch ein entscheidender Faktor gewesen.

Die Favoritinnen haben sich verzockt

Und Gold-Siegerin Neff sieht noch einen anderen Grund für die starke Leistung der Schweizerinnen. «Wir haben in der Vorbereitung auf das Richtige gesetzt. Wir haben extrem viel in die Technik gesteckt. Der Regen hat die Strecke nochmals komplett verändert», erklärte Neff das Erfolgsrezept. Schon seit Jahren habe man mit Nationaltrainer Edi Telser den Fokus auf die Technik gelegt. «Wir trainierten wirklich seit den letzten fünf, sechs Jahren so viel Technik.» Sie sieht auch im Teamspirit den Grundstein für diesen historischen Erfolg. «Edi Telser hat einen ganz grossen Anteil an diesem Erfolg. Er schafft es seit Jahren, eine homogene Truppe, die sich auch neben der Strecke super versteht, zusammenzuschweissen», so die Goldmedaillen-Gewinnerin.

Auf die Frage, was mit den eigentlichen Titelfavoritinnen aus Frankreich los war, hat Neff eine einfache Antwort parat: «Sie haben sich auf ganzer Linie verzockt. Sie sagten schon seit Monaten in jedem Interview, dass sie unbedingt diese Goldmedaille an Olympia möchten. Sie haben sich schon als Siegerinnen gesehen. Ich lasse lieber meine Beine sprechen.»

Nationaltrainer Telser sagt zu 20 Minuten. «Es war ein grosser Tag für uns. Es steckte über die letzten Jahre sehr viel Arbeit dahinter und wir haben viel investiert.» Die Technik war der entscheidende Punkt im Rennen so Telser. «Sie haben von der ersten bis zur letzten Runde kaum einen Fehler gemacht. Die meisten Fahrerinnen sind gestürzt im Rennen. Wir hatten drei Fahrerinnen ohne Sturz.» Die Kursanpassung spielte sicher auch eine Rolle, so Telser: «Das hat uns sicher in die Karten gespielt. Die meisten anderen Nationen waren im Training nicht präsent. «

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Der technisch anspruchsvolle Kurs kam den Schweizer Bikerinnen gelegen. Im Bild sieht man Jolanda Neff, wie sie einen der Sprünge auf der Strecke bravourös meistert.

Der technisch anspruchsvolle Kurs kam den Schweizer Bikerinnen gelegen. Im Bild sieht man Jolanda Neff, wie sie einen der Sprünge auf der Strecke bravourös meistert.

REUTERS
Die Strecke wurde vor dem Rennen vom Komitee noch verändert, da es zuvor stark geregnet hat. 

Die Strecke wurde vor dem Rennen vom Komitee noch verändert, da es zuvor stark geregnet hat.

Getty Images
Auch Sina Frei hatte keine Mühe mit den Sprungelementen auf dem Mountainbike-Kurs. 

Auch Sina Frei hatte keine Mühe mit den Sprungelementen auf dem Mountainbike-Kurs.

Getty Images

Sprungtraining mit ehemaligem BMX-Fahrer

Auch SRF-Experte und Ex-Mountainbiker Thomas Frischknecht sieht den dreifach Erfolg im jahrelangen Training der Schweizerinnen, abgestimmt auf die Olympischen Spiele in Tokio. «Die Schweizer holten extra den ehemaligen BMX-Fahrer Roger Rinderknecht ins Trainer-Team. Er trainierte mit den Fahrerinnen vor allem für die Sprünge, die es beim olympischen Mountainbike-Kurs in sich hatten», so Frischknecht. Diese Sprünge absolvierten alle drei Schweizer Fahrerinnen souverän, während des historischen Rennens. «Durch das viele Training konnten sie die Angst vor den Sprüngen überwinden, ohne zu viel Risiko zu nehmen und dadurch einen Sturz zu verursachen», sagt Frischknecht weiter.

Auf die Frage, ob dieser Dreifach-Sieg absehbar war, hat der SRF-Experte eine klare Meinung: «Nein, absolut nicht. Nicht einmal die grössten Optimisten rechneten sich ein solches Resultat aus.» Wenn Jolanda Neff einen super Tag habe, könne sie bestimmt in die vorderen Ränge fahren und für einen Exploit sorgen. «Doch dass Sina Frei und Linda Indergand auch aufs Podest fahren, erstaunt mich am meisten. Sowas gelingt nur, wenn ein super Teamspirit vorhanden ist und alle für den Anderen alles geben», betont Frischknecht.

«Das Schweizer Team hat alles richtig gemacht»

Die ehemalige Profi-Mountainbikerin Nathalie Schneitter sieht es ähnlich wie Frischknecht: «Zuletzt investierte die Schweiz mega viel Zeit in das Training der Technik. In Japan hatten die Schweizerinnen ihren eigenen Technik-Coach mit. Im Mountainbike werden Rennen sehr oft durch Fehler entschieden, denn fit sind alle.» Am Schluss gewinne der, der weniger Fehler im Rennen mache.

Weiter fügt die ehemalige Weltcup-Siegerin an: «Heute hat man einfach gesehen: Die drei Schweizerinnen haben kaum Fehler gemacht. Sie sind ruhig geblieben, wählten das richtige Material aus und hatten Selbstvertrauen. Dann kam noch das Wetterglück dazu. Swiss Cycling, die Fahrerinnen und die Trainer haben alles richtig gemacht. Das passiert im Sport ja fast nie.»

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