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Acht verschiedene KategorienDas sind die Löhne der Schweizer Eishockeyspieler

Viel wurde in den letzten Wochen und Monaten darüber diskutiert. 20 Minuten wollte es genau wissen. So viel verdienen Hockeyspieler in der Schweiz.

von
Marcel Allemann
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Gehört zu jenen Spielern, die gemessen an ihrer Leistung wohl zu viel verdienen: SCB-Verteidiger Calle Andersson.

Gehört zu jenen Spielern, die gemessen an ihrer Leistung wohl zu viel verdienen: SCB-Verteidiger Calle Andersson.

Foto: Urs Lindt (Freshfocus)
Er hingegen dürfte durchaus mehr verdienen, so gut, wie er gerade spielt: Leandro Profico, Verteidiger bei den Rapperswil-Jona Lakers.

Er hingegen dürfte durchaus mehr verdienen, so gut, wie er gerade spielt: Leandro Profico, Verteidiger bei den Rapperswil-Jona Lakers.

Foto: Claudio de Capitani (Freshfocus)

Darum gehts

  • Löhne von Eishockeyspielern in der National League sind nicht transparent.

  • 20 Minuten hat gemeinsam mit Experten Löhne geschätzt und Klassifizierung vorgenommen.

  • Die Unterschiede zwischen den Spielertypen sind dabei gross.

Es ist ein grosses Tabuthema, über das oft nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird: Löhne in der Schweiz generell und von Spitzensportlerinnen und -sportlern im Speziellen. Aber so oft wie in diesen Wochen und Monaten, in Corona-Zeiten, in denen für die Vereine Kredite nötig und A-fonds-perdu-Beiträge gefordert werden, wurde noch nie über Spieler-Saläre debattiert.

Expertenschätzung in acht verschiedenen Kategorien

Wie viel verdienen die Schweizer Eishockeyspieler wirklich? Um dies zu erfahren, haben wir ein halbes Dutzend Experten beigezogen, die aufgrund ihrer Tätigkeit bestens über die Lohnstruktur in der National League Bescheid wissen. Natürlich möchten sie aufgrund der Brisanz des Themas anonym bleiben.

Wir haben die Spieler in verschiedene Kategorien eingeteilt, in der Hierarchie vom Superstar bis zum Youngster im ersten Vertragsjahr. Diese insgesamt acht verschiedenen Kategorien haben wir den Experten vorgelegt, sie den Lohn einschätzen lassen und daraus einen Mittelwert festgelegt. Wobei dies kaum nötig war, denn in den meisten Kategorien waren sie sich einig. Wichtig zu wissen: Es wurde nach dem Grundgehalt ohne freiwillige Corona-Verzichte, die nun die meisten zu leisten haben und sich schon vor der zweiten Welle in Bereichen von bis zu 25 Prozent bewegten, gefragt. Daher verdienen viele Spieler aktuell wesentlich weniger als in unserer Auflistung.

Die Lohnschere ist zu gross

Das Fazit: Klar, es gibt sie. Die Topverdiener, deren Jahresgehalt sich im sehr hohen sechsstelligen Bereich bewegt. Aber sie sind rar. Aber genauso gibt es Spieler, die trotz des Status Profisportler keine grossen Sprünge machen können, erst recht nicht als Familienväter. Und schon gar nicht, wenn es nun auch für sie zu Lohnreduktionen kommt. Oder Junge, die trotz erster Profiverträge weiter auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen sind und sich einen eigenen Haushalt noch gar nicht leisten könnten. Die Lohnschere ist gross. Zu gross. Teilweise sogar innerhalb einzelner Leistungskategorien.

Ein Fakt ist auch: Es gibt und gab schon immer Spieler, die überbezahlt sind. Die mehr verdienen, als es die Kategorie, in der sie sich derzeit leistungsmässig bewegen, rechtfertigen würde. Als Beispiel sei hier Calle Andersson genannt, der zu den teureren Verteidigern der Liga gehört, aber es zuletzt beim SC Bern zwischenzeitlich nicht einmal mehr in den Kader schaffte.

Aber genauso gibt es Spieler, die unterbezahlt sind im Verhältnis zu ihrem aktuellen Leistungsniveau. Wie etwa der zuvor unscheinbare Leandro Profico von den Rapperswil-Jona Lakers, der die mit Abstand beste Saison seiner Karriere spielt und aktuell der neuntbeste Skorer aller Verteidiger in der Liga ist. Und natürlich ist bei Teams wie Zug oder den ZSC Lions das Lohnniveau wesentlich höher als bei Ambri oder den SCL Tigers. In der Berechnung des Durchschnitts dürfte sich dies alles jedoch in etwa ausgleichen.

Superstars:

Leistungsträger der Schweizer Nationalmannschaft, die für die WM gesetzt sind, herausragende Leistungsträger der Liga und unersetzlich in ihren Clubs. Spieler in diesem Bereich gibt es rund ein Dutzend.

Brutto-Jahreslohn: 600’000 – 900’000 Franken

Schlüsselspieler:

Nationalspieler, die immer wieder an Weltmeisterschaften dabei waren, aber nicht immer, oder die das Potenzial für einen baldigen Fixplatz im WM-Team besitzen. Sie prägen durch ihre Leistungen ihre Clubs, nehmen dort zentrale Rollen ein.

Brutto-Jahreslohn: 350’000 – 500’000 Franken

Wichtige Durchschnittsspieler:

Sie gehören oder gehörten dem erweiterten Kreis der Nationalmannschaft an, brachten es aber nie an eine WM, und eine solche Teilnahme ist auch nicht zu erwarten. In ihren Clubs erfüllen sie wichtige Aufgaben, stehen aber im Schatten der Superstars und Schlüsselspieler.

Brutto-Jahreslohn: 200’000 – 350’000 Franken

Ergänzungsspieler:

Nati-Aufgebote sind für sie kein Thema oder waren höchstens ein Versehen. Die meisten von ihnen sehen sich in ihren Clubs einem Kampf um einen Stammplatz ausgesetzt und müssen immer wieder aufs Neue bangen, ob sie in der National League einen neuen Vertrag erhalten.

Brutto-Jahreslohn: 80’000 – 200’000 Franken

Junge Talente:

Zumeist Junioren-Nationalspieler, die ihren ersten Profivertrag unterschreiben. Teilweise in abgestufter Form, mit jährlichem Anstieg des Salärs. Diverse von ihnen werden auch in die Swiss League ausgeliehen, um dort Spielpraxis zu sammeln, andere sind aber auch schon Stammkräfte in der National League.

Brutto-Jahreslohn: 20’000 – 80’000 Franken

Alternde Stars:

Spieler, die einst zu den grossen Figuren in der Liga gehörten, nun aber altersbedingt ihren vermutlich letzten Vertrag unterschrieben haben. Teilweise in Verbindung mit einer Ausbildung, die ihnen parallel dazu im Club ermöglicht wird.

Brutto-Jahreslohn: 200’000 – 400’000 Franken

Ausländische Stars:

Die gefragtesten und besten Ausländer in der National League. Im Gegensatz zu den Schweizer Spielern sprechen wir bei den Ausländern von ihrem Netto-Lohn, da sie selbst keine Steuern in der Schweiz bezahlen, sondern diese der Verein per Gesetz in Form von Quellensteuern entrichtet. Die effektiven Kosten für einen Ausländer sind für den Club rund doppelt so hoch wie sein effektives Salär.

Netto-Jahreslohn: 300’000 – 500’000 Franken

Ausländische Mitläufer:

Klar sind sie wichtig, sonst würden sie keinen Ausländer-Job in der National League erhalten. Aber die bei der Konkurrenz gefragten grossen Stars sind sie nicht oder nicht mehr.

Netto-Jahreslohn: 180’000 – 250’000 Franken

Jeder Lohn über 148’000 Franken muss gekürzt werden

Der Bundesrat hat am 18. November A-fonds-perdu-Beiträge für den Sport genehmigt. Die Proficlubs erhalten die insgesamt gesprochenen 115 Millionen Franken vom Bund aber nicht einfach so, die Unterstützung ist an Auflagen geknüpft. Die Vereine müssen unter anderem die Löhne transparent machen und hohe Löhne kürzen. Jeder Jahreslohn über 148'000 Franken muss bis zu dieser Summe zusammengekürzt werden oder alternativ um mindestens 20 Prozent. (lai/sda)

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93 Kommentare
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Elite

15.12.2020, 15:11

Die Besten verdienen sehr gut. Eine ausserordentliche Leistung soll belohnt werden. Das geht voll in Ordnung.

Tommy Vermicelli

15.12.2020, 14:34

Ich bin Familienvater und verdiene weit weniger als die von euch genannte tiefste Lohnsumme bei den Hockeyanern von 80'000 im Jahr (abgesehen von den jungen Talenten). Zitat von euch: "Aber genauso gibt es Spieler, die trotz des Status Profisportler keine grossen Sprünge machen können, erst recht nicht als Familienväter." Habe ich etwas verpasst??? Für mich gäbe es wohl die folgende Kategorie: "Geringverdiener, welcher mit den immer weiter steigenden Steuern auch noch die am Hungertuch nagenden Sportler unterstützen muss." Vielen Dank!

Vera Nunft

15.12.2020, 14:04

... nur bis 40 Jahre spielen. Und dann? Ist es ihnen verboten, nach Ende der Karriere einen normalen Beruf auszuüben? Zudem sollte es möglich sein, bei einem Jahresverdienst von über 200'000 für eine gute Altersvorsorge zu sorgen. Sonst halt "selbst schuld".