Aktualisiert 20.03.2020 17:37

Versammlungsverbot wegen Corona

Polizei will konsequent durchgreifen

Am Freitagnachmittag hat der Bundesrat über seine neuen Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus informiert. Sie gelten ab Mitternacht.

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nk/les
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Die Polizei habe in der vergangenen Woche zu oft einschreiten müssen, sagte Stefan Blättler, Präsident der Kantonalen Polizeikommandanten, im Interview mit dem «SonntagsBlick».

Die Polizei habe in der vergangenen Woche zu oft einschreiten müssen, sagte Stefan Blättler, Präsident der Kantonalen Polizeikommandanten, im Interview mit dem «SonntagsBlick».

Keystone/Peter Schneider
Quer durch die Schweiz habe die Polizei festgestellt, dass Personen das Social Distancing nicht umsetzten. «Sie sassen gemeinsam in Pärken, verweilten in grossen Gruppen an den Seepromenanden und hielten auch sonst kaum Abstand.»

Quer durch die Schweiz habe die Polizei festgestellt, dass Personen das Social Distancing nicht umsetzten. «Sie sassen gemeinsam in Pärken, verweilten in grossen Gruppen an den Seepromenanden und hielten auch sonst kaum Abstand.»

Keystone/Laurent Gillieron
Es zeichnet sich ein Ansturm auf Lieferanten von komprimiertem Sauerstoff ab: Ein Spitalbett mit Beatmungsgerät. (Symbolbild)

Es zeichnet sich ein Ansturm auf Lieferanten von komprimiertem Sauerstoff ab: Ein Spitalbett mit Beatmungsgerät. (Symbolbild)

Keystone/Roland Weihrauch

Das Coronavirus verbreitet sich in der Schweiz weiter rasant: Von Donnerstag auf Freitag gab es fast 1000 neue bestätigte Fälle. Erst am Montag hatte der Bundesrat die meisten Geschäfte geschlossen und eindringlich an die Bevölkerung appelliert, zu Hause zu bleiben.

Weil das aber nicht konsequent befolgt wurde, hat die Regierung am Freitagnachmittag neue Massnahmen kommuniziert. Sie gelten ab Mitternacht. Hier die Übersicht:

Ansammlungen von mehr als fünf Personen sind überall im öffentlichen Raum verboten – etwa auf der Strasse, in Pärken oder auf Plätzen.

Bei Gruppen von weniger als fünf Personen muss ein Abstand von mindestens zwei Metern zwischen den einzelnen Personen eingehalten werden.

Wer sich nicht an diese beiden Regeln hält, wird mit 100 Franken gebüsst. Das Verbot wird von den Kantonspolizeien durchgesetzt. Diese betonen auf Anfrage, man wolle jeweils verhältnismässig und mit Augenmass handeln. Trotzdem soll das Verbot eingehalten werden: «Wir greifen konsequent durch, sollte sich jemand nicht an die Vorgaben halten», sagt etwa Toprak Yerguz, Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements von Basel-Stadt. Für andere ist es zudem denkbar, mehr Polizisten abzustellen: «Je nach Wetter und Situation werden wir zusätzliche Patrouillen einsetzen», sagt Michael Wirz von der Stadtpolizei Winterthur.

Laut Bundesrat Alain Berset gilt die neue Regel mindestens vorerst nicht fürs eigene Zuhause oder den Garten. Für Grenzfälle appelliert er an die Eigenverantwortung: Es gehe nicht darum, den Hundespaziergang zu verbieten, oder dass man nicht mehr mit mehreren Personen Auto fahren dürfe. Aber: «Es ist sicher nicht die Idee, dass man in einem kleinen Vierplätzer mit kranken Personen unterwegs ist.»

Der Bundesrat fordert die ganze Bevölkerung und insbesondere kranke Personen und über 65-Jährige eindringlich auf, zu Hause zu bleiben. Nach draussen gehen soll man nur noch zum Einkaufen, Arbeiten, wenn man zum Arzt muss oder jemandem hilft.

Weitere Massnahmen gelten den Arbeitgebern und dem Zivilschutz:

• Die Arbeitgeber im Baugewerbe und der Industrie werden verpflichtet, die Hygiene- und Abstandsregeln des Bundes einzuhalten. Dazu soll etwa die Zahl der Arbeiter auf Baustellen limitiert werden und Menschenansammlungen von mehr als fünf Personen in Pausenräumen verhindert werden. Die Kantone können Betriebe, die sich nicht daran halten, schliessen.

• Der Bund stellt den Kantonen zusätzliche Zivilschützer zur Verfügung. Diese sollen maximal 850'000 Diensttage leisten. Wie auch der Assistenzdienst der Armee ist das Kontingent bis Ende Juni befristet. Die Zivilschützer sollen im Gesundheitswesen mithelfen und etwa Betagte betreuen oder Fahrdienste verrichten.

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