Nationalratskandidaten: Das sind die Querköpfe in SVP und SP

Aktualisiert

NationalratskandidatenDas sind die Querköpfe in SVP und SP

Nationalratskandidaten sind nicht immer der gleichen Ansicht wie ihre Mutterpartei. Wir haben den rechtesten SPler und linksten SVPler aufgespürt.

von
Philippe Flück

Die Parteipräsidenten hätten wahrscheinlich am liebsten alles treue Parteisoldaten in den Reihen, die stramm die vorgegebene Linie vertreten. Doch eine Auswertung des Vereins Vimentis zeigt, dass es zahlreiche Politiker gibt, die sich nicht scheuen, gegen den Strom zu schwimmen.

20 Minuten stellt den linksten SVP-Kandidaten und den rechtesten SP-Kandidaten der Schweiz vor.

Mercedes statt Velo

Laut Vimentis ist der Thurgauer Unternehmer Roman Giuliani der rechteste unter den SP-Kandidaten. «Ich bin tatsächlich kein Klischee-Linker, der mit Strickpullover und Velo unterwegs ist», sagt der Inhaber eines Architekturbüros. Für ihn sei es auch kein Problem, beruflich mit seinem Mercedes durch die Gegend zu fahren. «Das ist für mich kein Widerspruch: Das Problem sind Leute, die 70 Millionen im Jahr verdienen, nicht wenn ein Unternehmer eine oder gar zwei Millionen im Jahr verdient.» Schliesslich könnte soziales Denken und Wirtschaftlichkeit gut miteinander verbunden werden: «Für mich ist es zum Beispiel wichtig, dass die Leute in meinem Unternehmen gut verdienen und auch genügend Ferien haben, da sie so am produktivsten sind.»

Im Gegensatz zu einem grossen Teil seiner Partei würde Giuliani einer Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten zustimmen: «Heute ist es für viele Berufstätige sehr schwierig, einkaufen zu gehen, wenn die Geschäfte geöffnet sind. Das kann sehr mühsam sein.» Er wolle natürlich keinen 24-Stunden-Betrieb in jedem Laden, doch Tankstellenshops würden zeigen, dass ein liberales System durchaus neue Chancen bieten könne. Dass seine Partei nicht seiner Meinung ist, stört den Thurgauer nicht besonders: «Ich bin eben kein Parteisoldat, sondern stehe zu meiner eigenen Meinung.»

SVPler für Ausländerstimmrecht

Das Gegenstück zu Giuliani, nämlich der linkste SVP-Kandidat, ist Hansjürg Lippuner. Er kandidiert im Bündnerland auf der Liste «SVP International», da er in Deutschland lebt und arbeitet.

«Dies ist auch der Grund, warum ich in der SVP bin: Ich erfahre tagtäglich auf der eigenen Haut was es heisst, in der EU zu leben und möchte dieses Schicksal den Schweizern ersparen.» Ausserdem glaube er, die SVP setze sich am stärksten für das Wohl des Volkes ein. «Vor vielen Jahren bereits hatte ich der SVP klar kommuniziert, dass ich voll dabei bin, solange es um das Wohl des Volkes geht.»

Wie Giuliani hat auch Lippuner keine Angst, gegen den Strom zu schwimmen. So gab er bei der Vimentis-Umfrage an, dass Ausländer, die seit länger als zehn Jahren in der Schweiz leben, das aktive Wahl- und Stimmrecht auf kantonaler Ebene erhalten sollten. «Wenn jemand so lange Zeit in der Schweiz gelebt hat, dann soll er auch mitbestimmen können.» Er würde ausserdem einen flexiblem Elternurlaub unterstützen, der zwischen Vater und Mutter aufgeteilt werden könnte.

Furcht vor der Kritik seiner Parteikollegen hat Lippuner nicht: «Als man mich fragte, ob ich für die SVP kandidieren wollte, hat man mir versichert, dass ich in meinen Entscheidungen zu einzelnen Themen keinem Fraktionszwang unterworfen bin.»

Obwohl sie nicht unbedingt ins Parteiraster passen: Keiner der Exoten kann sich vorstellen, in einer anderen Partei zu politisieren: Giuliani sagt etwa: «Ich hatte nie Zweifel, am richtigen Ort zu sein. Ich bin ein stolzes SP-Mitglied.»

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