Internationale Bilanz: Das sind die Sieger und Verlierer des Corona-Sportjahres
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Internationale BilanzDas sind die Sieger und Verlierer des Corona-Sportjahres

Die Pandemie hielt auch den Sport im Würgegriff. Welche internationalen Athletinnen und Athleten 2020 dennoch brillierten – und wer negative Schlagzeilen schrieb. Eine Auswahl.

von
Kai Müller
Überragt mal wieder alle: Die Surferin Maya Gabeira.

Überragt mal wieder alle: Die Surferin Maya Gabeira.

Bild: imago images

Darum gehts

  • Das Sportjahr 2020 litt unter Corona.

  • Und doch war es für viele Athleten ein denkwürdiges Jahr.

  • Wir küren die Gewinner und Verlierer des Jahres.

Die Gewinner

Lewis Hamilton (35, Formel 1)

Da sind Michael Schumachers vermeintlich ewige Rekorde, die der Brite gebrochen oder eingestellt hat: Er steht bei 95 GP-Siegen (Schumacher 91) und ist nun auch siebenfacher Weltmeister. Da ist aber auch die Strahlkraft des Veganers, die weit über die Rennstrecken hinausreicht: Er ist zum Vorkämpfer gegen Rassismus und für Diversität geworden. Er setzt sich zudem für den Klimaschutz ein.

Robert Lewandowski (32, Fussball)

Seine Torquote ist sagenhaft. Vergangene Saison brachte es der Bayern-Stürmer in jedem Wettbewerb auf mehr Treffer als Spiele, 55 Tore steuerte er in 47 Partien auf dem Weg zum Triple bei. In der neuen Spielzeit sind es bereits wieder 20 Tore in 18 Spielen. Nur logisch, dass der Pole bei der Weltfussballer-Wahl Ronaldo und Messi überflügelte.

Weltfussballer des Jahres: Bayern-Stürmer Robert Lewandowski.

Weltfussballer des Jahres: Bayern-Stürmer Robert Lewandowski.

Bild: imago images/Kirchner-Media

Erling Haaland (20, Fussball)

Anfang Jahr kam der Norweger zu Dortmund. Und er tat, was er schon bei Salzburg getan hatte: Er schoss Tor um Tor. 33-mal hat er in 32 Spielen für den BVB getroffen, in der Nationalmannschaft sechsmal in fünf Einsätzen 2020. Nur logisch, dass er als weltbester U-21-Spieler ausgezeichnet wurde.

Tadej Pogacar (22, Rad)

Dass ein Slowene die Tour de France gewinnen würde, war keine Überraschung. Aber er? Am vorletzten Tag stiess der damals noch 21-Jährige im Zeitfahren Landsmann und Favorit Primoz Roglic vom Thron und machte sich zum zweitjüngsten Tour-Sieger. Jünger, nämlich 19, war nur Henri Cornet gewesen – 1904.

Maya Gabeira (33, Surfen)

Die Welle: gigantisch. Ihre Leistung: ebenfalls. Die Brasilianerin ritt am 11. Februar im portugiesischen Küstenort Nazaré eine 22,4 Meter hohe Welle. Mit dieser Marke stellte sie, die einst in den Fluten fast ihr Leben verlor, nicht nur einen Frauen-Weltrekord auf, sondern übertraf 2020 auch sämtliche Männer.

Keine Welle ist hoch genug: Maya Gabeira schreckt auch vor 22 Metern nicht zurück.

Video: Twitter

Aleksander Aamodt Kilde (28, Ski)

Endlich hatte sich Marcel Hirscher verabschiedet, nach acht Gesamtweltcupsiegen in Folge. Kilde, das norwegische Kraftpaket, beerbte ihn als Gewinner der grossen Kugel, trotz nur einem Saisonsieg. Für diesen Winter hat er sich mehr erste Plätze zum Ziel gesetzt. Prompt gewann er in Gröden Super-G und Abfahrt.

Iga Swiatek (19, Tennis)

Jüngste Paris-Siegerin seit Monica Seles 1992, schlechtestklassierte French-Open-Gewinnerin überhaupt, Durchmarsch ohne Satzverlust – und das bei ihrem ersten Turniersieg auf der Profitour überhaupt. Die Polin schrieb in Roland Garros eine ganz besondere Geschichte.

Chris Nikic (21, Triathlon)

Der US-Amerikaner schrieb am 7. November Geschichte. Nach 16:46:09 Stunden beendete er in Florida als erster Mensch mit Downsyndrom einen Ironman, trotz aufgeschlagenem Knie nach einem Sturz und Ameisenbissen.

Armand Duplantis (21, Leichtathletik)

Er ist der König der Lüfte. 6,17 m übersprang der Schwede mit seinem Stab am 8. Februar in Torun, Weltrekord. Eine Woche später in Glasgow flog er noch einen Zentimeter höher. Im September knackte er in Rom mit 6,15 m auch die Freiluft-Bestmarke des legendären Sergej Bubka.

Hoch hinaus: Der Rekordsprung von Armand Duplantis.

Video: Twitter

Joan Mir (23, Töff)

Vor fünf Jahren versuchte sein Manager, ihn in der Moto2- oder Moto3-WM unterzubringen, doch sämtliche Teams winkten ab. Der Spanier ging den Umweg via Junioren, inzwischen – nach seiner erst zweiten Saison in der Königsklasse – darf er sich MotoGP-Weltmeister nennen.

Die Verlierer

Joachim Löw (60, Fussball)

2014 machte er Deutschland zum Weltmeister, der Jogi war der Liebling der Nation. Doch spätestens seit dem Vorrunden-Aus an der WM 2018 hat der Wind gedreht. Der Bundestrainer trieb den Umbruch voran, bootete verdiente Spieler aus, doch Besserung trat nicht ein. Mitte November erlebte die DFB-Elf beim 0:6 gegen Spanien ihren Tiefpunkt. Manch einem Fan graut schon jetzt vor der EM im Sommer.

Sebastian Vettel (33, Automobil)

Er sollte die Scuderia zurück in goldene Zeiten führen wie einst Michael Schumacher. Doch der vierfache Formel-1-Weltmeister, der 2015 zu Ferrari gekommen war, holte keinen Titel. Seine Abschiedssaison wurde gar zum Trauerspiel: ein Podestplatz, 33 Punkte, Platz 13 im WM-Schlussklassement. 2021 nimmt der Deutsche bei Aston Martin einen neuen Anlauf.

Novak Djokovic (33, Tennis)

Die von ihm initiierte Adria-Tour, die zum Hotspot mutierte; die Gründung einer Spielergewerkschaft, die zum Machtkampf eskalierte; die Disqualifikation am US Open, weil er einer Linienrichterin (unabsichtlich) einen Ball an die Gurgel geschossen hatte – der Serbe hat es geschafft, sein Image arg zu ramponieren. Dennoch beendet er zum sechsten Mal ein Jahr als Nummer 1.

Trotz Corona in Partystimmung: Novak Djokovic kümmerte sich nicht sonderlich um die grassierende Pandemie.

Video: Twitter

Lionel Messi (33, Fussball)

Im Sommer wollte er weg. Weg von dem Verein, der ihn mit 13 aufgenommen, ihm die Hormontherapie gegen die Wachstumsstörung bezahlt und ihn zum Superstar gemacht hatte. Doch er blieb bei Barça, verzichtete auf ein juristisches Kräftemessen. Sportlich läuft es weiterhin mässig, Captain wie Club. Und über allem schwebt die Frage: Geht Messi Ende Saison?

Peter Sagan (30, Rad)

Mit rund 5,4 Millionen Franken der bestbezahlte Radprofi der Welt, erreichte der Slowake erstmals das Ziel der Tour de France in Paris, ohne etwas gewonnen zu haben – weder eine Etappe noch das grüne Trikot. Überhaupt war es ein ertragsarmes Jahr für ihn. Immerhin: Seinen einzigen Sieg, Mitte Oktober auf der 10. Giro-Etappe, errang er stilvoll solo.

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2 Kommentare
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Martin Bündl

30.12.2020, 08:52

Romain Grosjean ist einer der grössten Helden im Corona-Sportjahr.

Fritz aus Biberist

30.12.2020, 08:52

Stimmt so nicht. Zumindest im Tennis geht es nicht um Sympathiepunkte sondern um Titel, Punkte und Pokale. Upps, in keinem Sport geht es anders. Đoković hat zum 8 mal, Rekord, die Australien Open gewonnen, und blieb das ganze Jahr die Nummer 1 - und bricht in 9 Wochen Rogers Rekord als längste Nummer 1. Wieso berichtet ihr nicht davon? Vettel, als immerhin ehemaliger Weltmeister, holt keinen einzigen Titel - der ist, zumindest in Italien, megaunbeliebt. Aber das schreibt ihr nicht... ihr wollt Novak nur eins auswischen, aber das schafft ihr nicht!