Lachende Monster: Das sind die Vorbilder der Genfer Prügel-Clowns
Aktualisiert

Lachende MonsterDas sind die Vorbilder der Genfer Prügel-Clowns

Clowns unterhalten die Menschen seit Jahrhunderten. Die Angst vor ihnen ist jedoch ein neueres Phänomen. Eine Geschichte der grössten fiktiven und realen Terror-Clowns.

von
G. Brönnimann

Clowns sorgen derzeit für Angst und Schrecken. In den USA, in Frankreich – und nun auch in der Schweiz. Verständlich, dass Leute Angst haben vor maskierten, bewaffneten Gewalttätern. Doch manche fürchten sich generell vor Clowns – auch wenn sie nur mit Scherzartikeln bewaffnet im Zirkus auftreten.

Der Begriff für die Angst vor Clowns heisst Coulrophobie. Er ist pseudowissenschaftlich: Die Angst vor den Unterhaltern ist keine anerkannte psychologische Störung, das Wort entstand im Internet. Doch Clowns konnten schon immer mehrere Gesichter haben. Und damit ist nicht bloss das unter ihrer Schminke gemeint. Ursprünglich waren diese Gesichter, sieht man einmal von den Wurzeln der Clown-Kunst in der Harlekin-Tradition ab (Harlekin kommt vom italienischen «ellechinno», kleiner Teufel), fröhlich, unterhaltsam, frech, subversiv, traurig – oder eine Mischung aus all dem.

Die Killer-Clowns kommen aus den USA

Doch woher kommt die Angst vor den Clowns? Psychologen bieten zwei mögliche Erklärungen: Einmal sei es, insbesondere bei Kindern, die Angst vor dem Unbekannten. Geschminkte Gesichter und übertriebene, seltsame Kleidung können diese Angst hervorrufen: Was verbirgt sich darunter? Eine zweite Erklärung besagt, dass die Schminke dem Betrachter eine Emotion aufzwingt und gleichzeitig das Erkennen der wahren Emotionen der Person verunmöglicht – was ebenfalls Ängste auslösen könne.

Doch greifen diese Erklärungen wohl zu kurz, erklären sie doch kaum das fröhliche Gelächter, das Clowns im Zirkuszelt seit eh und je bei Alt und Jung hervorrufen. Die wirklich bösen Clowns entstammen der amerikanischen Populärkultur. Und der traurigen Realität. An erster Stelle steht vielleicht einer der bekanntesten Bösewichte überhaupt: Batmans ewiger Widersacher, der Joker.

Vom Joker über den echten Serienkiller zu Stephen King

Der Joker erblickte das Licht der Welt im ersten Batman-Heft 1940 – als dauergrinsender Serienkiller. Er bringt seine Opfer mit einem «Joker Venom» (Jokergift) um, das sie mit grinsender Fratze sterben lässt. Der böse – und unsterbliche – Clown war geboren: Entgegen der ursprünglichen Absicht, den Joker in der ersten Geschichte sterben zu lassen, fügten die Herausgeber in letzter Minute ein neues Bild hinzu, das zeigt, dass der böse Clown überlebt. Der Joker wurde zum ewigen Widersacher von Batman. Sein Erfolg ist ungebrochen: Egal, ob Jack Nicholson (1989) oder Heath Ledger (2008) in seine Rolle schlüpfen: Die Faszination des Publikums hat der Joker auf sicher.

Das war bei einem der berühmtesten Serienkiller nicht anders. John Wayne Gacy ging als «Killer Clown» in die Geschichte ein. Er hatte die Figur «Pogo the Clown» erfunden und trat verkleidet für wohltätige Zwecke auf. Am 22. Dezember 1978 gestand Gacy, über 30 Teenager und junge Männer vergewaltigt und ermordet zu haben.

Der Killer-Clown ist aus der amerikanischen (Populär-)Kultur nicht mehr wegzudenken. Nach dem Joker und Gacy zementierte Pennywise der Clown die Figur für immer. Pennywise ist der Protagonist von Stephen Kings Kult-Roman «Es», immerhin das meistverkaufte Buch des Jahres 1986. «Es», das böse, nicht fassbare Wesen, das im Kleinstädtchen Derry die Form eines Clowns annimmt und Kinder frisst, hat zahllose weitere Werke inspiriert. Unter anderem auch die Punkband Pennywise, die seit 1988 die Bühnen der Welt rockt.

Derzeitige Clown-Welle: Inspiration Internet?

Woher genau die derzeitige Welle der realen Clown-Gewalt ihre Inspiration herhat, ist nicht definitiv geklärt. Sicher ist: Auch sie begann in den USA, mit ersten Vorfällen in Kalifornien. Und nun in Frankreich – und Sichtungen in Genf.

Man darf vermuten, dass die gewaltbereiten Jugendlichen auch ohne Kostüm gewaltbereit wären. Die Wurzeln des Problems sind wohl wie immer sozialer und politischer Natur. Aber mit einem Kostüm à la Jokers Killerbande in «The Dark Knight» sorgt man sicher für mehr Wirbel – was mit der Existenz dieses Artikels bewiesen wäre.

Der Youtube-Hit mit dem Kettensägen-Clown (31 Millionen Views) der erfolgreichen Italiener von DM Pranks könnte auch als Inspiration gedient haben. Und nicht zuletzt die beliebte TV-Sendung «American Horror Story»: In der vierten Staffel gibt es – fast 40 Jahre nach Gacy und fast 30 Jahre nach «Es» – erneut einen psychopathischen Killer-Clown. Der ist dermassen unheimlich und brutal, dass echte US-Clowns gegen die Darstellung ihrer Berufsgattung protestierten.

Clowns gegen Zombies

Die Panik vor gewalttätigen Clowns in Frankreich hat in Lille einen neuen Höhepunkt erreicht: Wie «L'essentiel» berichtet, haben die Behörden einen für Halloween geplanten «Zombie Walk» verboten – aus Angst, bewaffnete gewalttätige Clowns könnten sich unter die Zombie-Parade mischen. Probleme bereiten derweil auch die Clown-Jäger: In Mulhouse wurden fünf Jugendliche verhaftet, die schwer bewaffnet angeblich auf der Suche nach Clowns waren. Die französische Polizei hat die Bevölkerung aufgerufen, keine Jagd auf Clowns zu machen.

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