Streaming-Dienste: Das sind die wahren Golden-Globe-Gewinner
Aktualisiert

Streaming-DiensteDas sind die wahren Golden-Globe-Gewinner

Amazon und Netflix räumten mit ihren Serien bei den Golden Globes ab. Die klassischen TV-Sender geraten dadurch in Bedrängnis.

von
K. Wolfensberger
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Transparent
Transparent

Für seine Rolle als transsexueller Professor in «Transparent» gewann Jeffrey Tambor bei den diesjährigen Golden Globe Awards die Auszeichnung in der Kategorie «Bester Schauspieler in einer TV-Komödie». Produziert wurde die Serie von Amazon.

Keystone/AP/Beth Dubber
House of Cards I
House of Cards I

Ebenfalls ausgezeichnet wurde Kevin Spacey für seine Rolle als Frank Underwood in der Netflix-Serie «House of Cards».

Keystone/AP/Nathaniel E. Bell
House of Cards II
House of Cards II

Letztes Jahr gewann bereits seine Serien-Partnerin Robin Wright einen Golden Globe für ihre Rolle als Ehefrau von Frank Underwood.

Keystone/AP/Jordan Strauss

Sie dominierten jahrzehntelang den weltweiten TV-Markt. Die Rede ist von den grossen US-Fernsehstationen ABC, CBS, NBC und Fox. Doch bei der diesjährigen Verleihung der Golden Globe Awards konnten sie sich mit ihren TV-Shows keine einzige Auszeichnung sichern. Alle Preise gingen entweder an Internet-Streaming-Dienste wie Netflix oder an Kabel-TV-Sender wie SHO.

Dabei punktete auch zum ersten Mal überhaupt der Internetkonzern Amazon. Den Erfolg verdankt er seiner Eigenproduktion «Transparent», die er auf seinem Video-on-Demand-Service Prime Instant Video zeigt. In der Serie verkörpert der Schauspieler Jeffrey Tambor einen transsexuellen Familienvater, was die Jury mit der Auszeichnung in der Kategorie Bester Schauspieler in einer TV-Komödie würdigte. Die Sendung als Ganzes heimste zudem den Preis für die beste Comedy-Serie ein.

Kampf um die Vorherrschaft

Mit dem Gewinn der Golden Globes legt Amazon auch im Konkurrenzkampf mit Netflix zu, das derzeit mit den Serien «Orange is the New Black» und «House of Cards» erfolgreich ist. In Letzterer spielt Kevin Spacey den Politiker Frank Underwood, und bekam dafür den Golden Globe als Bester Schauspieler in einem TV-Drama. Vor einem Jahr war bereits seine Serien-Partnerin Robin Wright als Beste Schauspielerin geehrt worden.

Die Siege der Streaming-Dienste kommen nicht von ungefähr. 2014 investierte Amazon insgesamt zwei Milliarden Dollar in die Produktion und den Kauf von TV-Inhalten. Bei Konkurrent Netflix waren es in der gleichen Zeit sogar drei Milliarden Dollar. Vor allem Eigenproduktionen lassen sich die beiden Anbieter einiges kosten. So schlug die erste Staffel der Netflix-Serie «Marco Polo» mit 90 Millionen Dollar zu Buche.

Wenn die Zuschauer entscheiden

In der Fernsehwelt verändern sich durch den Aufstieg der Video-on-Demand-Anbieter laut amerikanischen TV-Experten einige Dinge: Primär endet die Dominanz der klassischen Fernsehsender. Ausserdem verschiebt sich der Konsum von Filmen und Serien ins Internet. Er wird flexibler, werbefrei und kann jederzeit unterbrochen werden.

Schliesslich findet eine Einbindung der Konsumenten statt. Amazon zum Beispiel ermöglicht es, darüber abzustimmen, welche Sendungen produziert werden sollen. Kunden können sich bei Prime Instant Video Pilotfilme ansehen und danach in Form von «Daumen hoch» oder «Daumen herunter» ein Feedback geben. Nur Formate mit einer guten Bewertung produziert Amazon anschliessend.

Noch nicht in der Schweiz

Die dritte Veränderung ist dabei für Schweizer Kunden vorerst nicht spürbar. Amazon Prime Instant steht im deutschsprachigen Raum nur Kunden aus Deutschland und Österreich zur Verfügung. Im Gegensatz dazu gibt es Netflix seit September 2014 auch in der Schweiz. Das günstigste Angebot kostet Fr. 11.90 im Monat.

Wieso gaben die Aktien trotz Erfolg nach?

Am Sonntag waren die Serien von Netflix und Amazon bei den Golden Globe Awards die grossen Überflieger. Doch am Montag gaben die Titel beider Streaming-Anbieter klar nach: Netflix brach bis Börsenschluss um 3.2 Prozent ein, Amazon um 1.9 Prozent. Noch im Vorjahr geschah genau das Gegenteil. Als Robin Wright 2014 den Golden Globe für ihre Rolle in der Netflix-Serie «House of Cards» gewann, stieg die Aktie um 1.4 Prozent. Für die schlechte Performance dieses Jahr war laut «Forbes» einerseits die allgemein ungünstige Marktsituation verantwortlich, andererseits seien die Ansprüche der Anleger gestiegen. So hätten Netflix und Amazon zwar Auszeichnungen gewonnen, dies werde inzwischen aber geradezu erwartet. (kwo)

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