Von 1886 bis heute: Das sind die wichtigsten Auto-Erfindungen aller Zeiten
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Von 1886 bis heuteDas sind die wichtigsten Auto-Erfindungen aller Zeiten

Seit jeher bestreitet die Automobilindustrie einen Innovationskampf. Daraus resultieren zahlreiche Errungenschaften, Überraschungen und einige Fremd-Feder-Schmücker.

von
Fabio Simeon / A&W Verlag

1. 1886 – Das Automobil

Das dreiräderige Gefährt von Carl Benz bietet Platz für zwei Personen.

Das dreiräderige Gefährt von Carl Benz bietet Platz für zwei Personen.

Schepers_Photography - stock.adobe.com

Viele Erfindung stehen im direkten Zusammenhang mit dem Auto. Aber wer hat eigentlich das Auto erfunden? Carl Benz. Als der Ingenieur 1886 mit seinem lärmenden Kraftwagen durch die Strassen Mannheims donnerte, flüchteten die Passanten und Passantinnen von der Strasse. Gross war das Misstrauen gegenüber der einzylindrigen, 0.8 PS starken und bis zu 18 km/h schnellen Höllenmaschine. Auch Kaiser Wilhelm II. schien wenig angetan von der Erfindung. Mit den Worten: «Ich glaube an das Pferd, das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung», redete der Kaiser die Erfindung klein.

2. 1908 – Der Scheibenwischer

Für eine klare Sicht musste beim ersten Scheibenwischer noch Handarbeit betrieben werden.

Für eine klare Sicht musste beim ersten Scheibenwischer noch Handarbeit betrieben werden.

Daimler AG

Sein Bruder, Prinz Heinrich von Preussen, war dem Automobil hingegen angetan, und trieb die Entwicklung mit der Erfindung des Scheibenwischers höchstpersönlich voran. Obschon das erste deutsche Patent 1908 an den blaublütigen Automobilisten ging, darf er sich heute nicht alleiniger Erfinder nennen. Denn: Die Idee für einen besseren Durchblick kam einer US-Amerikanerin schon drei Jahre zuvor. Mary Anderson skizzierte ein handbetriebenes Gerät, um Windschutzscheiben klar zu halten und liess einen Prototypen anfertigen. Zwei Jahre später versuchte die Bauunternehmerin die Rechte zu verkaufen, stiess aber in ganz Detroit auf taube Ohren. Nachdem das Patent 1920 auslief und die Autoindustrie in Übersee zeitgleich einen Boom erfuhr, wurden Scheibenwischer auf Basis des Designs Andersons Serienausstattung.

3. 1935 – Der Klappscheinwerfer

Der Cord 810 zählt zu den innovativsten Automobilen der amerikanischen Geschichte.

Der Cord 810 zählt zu den innovativsten Automobilen der amerikanischen Geschichte.

classicdriver.com 

Die Dreifaltigkeit der 70er-Jahre-Coolness: Schlaghosen, Led Zeppelin und klappbare Scheinwerfer. Ob Saab, Volvo, Mazda, Ferrari oder Porsche; kaum ein Hersteller verzichtete auf die ausfahrbaren Lichter. Beim Leuchten-Pionier Cord hingegen waren die Lichter damals schon wieder erloschen. Trotzdem: Der 1935 vorgestellte Cord 810 gilt als erstes Fahrzeug mit Zwinker-Beleuchtung und hatte per Handkurbel klappbare Blenden mit Flugzeug-Landescheinwerfer verbaut. Übrigens: Das Pionierfahrzeug erhielt 1937 einen Kompressor und lief 160 km/h. Leider war das Getriebe noch komplizierter als der Kompressor-V8, weshalb es um Cord ziemlich rasch düster wurde.

4. 1948 – Der Sicherheitsgurt

Der Tucker ’48 war das einzige Modell des US-Automobilherstellers und das erste mit einem Sicherheitsgurt.

Der Tucker ’48 war das einzige Modell des US-Automobilherstellers und das erste mit einem Sicherheitsgurt.

topgear.com

1902, also im gleichen Jahr, in dem Mary Anderson den Scheibenwischer erfand, bestand der Sicherheitsgurt in einem Baker Torpedo, einem elektrisch betriebenen Rennwagen, seine Feuertaufe – auf tragische Art und Weise. Beim Rekordversuch auf Staten Island raste das bis zu 120 km/h schnelle Fahrzeug in eine Zuschauergruppe und tötete zwei Menschen – Fahrer und Co-Pilot blieben unverletzt. Danach vergingen mehr als 45 Jahre, bis das erste Auto mit serienmässigen Gurten vom Band rollte – und nein, es handelte sich (noch) nicht um einen Volvo. Denn zuerst baute sie Preston Tucker im nach ihm benannten Tucker '48. Mit nur 51 verkauften Exemplaren erlangte jedoch weder Marke noch Sicherheitsgurt den erhofften Durchbruch. Es verstrichen abermals zehn Jahre, bis Volvo ihren 544er serienmässig mit einem Dreipunktgurt ausstatteten. Hierzulande wollte man noch länger nichts vom «Kadaverband» wissen – erst 1981 kam das endgültige Gurtenobligatorium über eine Volksabstimmung zum Tragen.

5. 1951 – Die Direkteinspritzung

Der Superior 600 von Oldsmobile verbrauchte auf 100km im Schnitt 7,5 Liter Zweitaktgemisch und war das erste Auto mit Direkteinspritzung.

Der Superior 600 von Oldsmobile verbrauchte auf 100km im Schnitt 7,5 Liter Zweitaktgemisch und war das erste Auto mit Direkteinspritzung.

ONordsieck, commons.wikimedia.org

Eine auf Lobeshymnen getragene Automobillegende hört auf den Namen Mercedes 300 SL – ein Stern, der vor lauter Anerkennung selbst glaubt, die Autowelt mit Flügeltüren, karierten Polstern und der Benzin-Direkteinspritzung beschenkt zu haben. Letzteres ist bewiesenermassen falsch, da der Fahrzeugbauer Gutbrod das Zweitaktgemisch seines Superior 600 schon ab 1951 direkt in die Zylinder injizierte. Im Vergleich zum Vorgängermodell mit Vergaser senkte die neue Technik den Verbrauch und steigerte die Leistung – beides um 20 Prozent.

6. 1961 – Der Turbo

Knapp 10'000 Stück des Oldsmobile Jetfire wurden produziert.

Knapp 10'000 Stück des Oldsmobile Jetfire wurden produziert.

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Fiktive Situation: Sie sitzen in Günther Jauchs Quizshow und die 500'000 Euro-Frage lautet: «Welcher Hersteller verbaute als erster einen Turbo in einen PKW-Motor?» Die eingeblendeten Antworten: A: BMW; B: Porsche; C: Oldsmobile; D: SAAB. Wer nun wie der Autor zwischen den deutschen Modellen 2002 Turbo und 911 Turbo wer-weisselt, ist auf dem Holzweg. Die richtige Antwort lautet nämlich: C. Obschon US-Cars für ihre Big-Block-Motoren bekannt sind, feierte der Turbo seine Premiere in Übersee. Genauer: In Michigan. Dort verbaute ihn Oldsmobile bereits 1961 in ihren Jetfire. Erst zwölf Jahre später zog der BMW 2002 nach.

7. 1965 – Der Allradantrieb

Angetrieben wird der Jensen FF von einem 6,3 Liter grossen Achtzylindermotor mit 325 PS.

Angetrieben wird der Jensen FF von einem 6,3 Liter grossen Achtzylindermotor mit 325 PS.

Mecum.com

Ur-Quattro – so liebevoll nennen die Ingolstädter ihren Audi Quattro. Mit der Wahrheit nehmen sie es dabei nicht so genau. Denn: Laut Geschichtsbuch verteilt der Jensen FF, ein Auto mit dänischem Namen, amerikanischer Technik, italienischem Design und geschmiedet in englischer Handarbeit, bereits 1965 seine Kraft auf vier Räder. So viel Technik hat seinen Preis. Der Jensen FF mit dem Beinamen Interceptor (Abfangjäger) war doppelt so teuer wie ein Porsche 911 oder ein Jaguar E-Type. Böse Zungen scherzten: «Warum fährt James Bond einen Aston Martin?» – «Weil er sich keinen Jensen Interceptor leisten kann.» Keine Finanzierungsprobleme hatten dagegen Jimmy Hendrix und Frank Sinatra. Beide beherbergten den 385 PS starken V8 in ihrem Fuhrpark.

8. 1981 – Der Airbag

Fahrer-Airbag und Beifahrer-Gurtstraffer kosteten damals 1525 DM, etwa 840 Franken Aufpreis.

Fahrer-Airbag und Beifahrer-Gurtstraffer kosteten damals 1525 DM, etwa 840 Franken Aufpreis.

Daimler AG

Kaum jemand kennt Walter Linderer – seinen Verdienst hingegen jedermann. Mit einer dreiseiteigen Beschreibung und einer Handskizze, die einen Mann mit Zylinder vor einem aufgeblasenen Sack zeigt, meldete er beim Deutschen Patentamt den Ur-Airbag an. Kurz nach der erfolgreichen Zulassung wurde jedoch klar, dass eine Praxisanwendung ausgeschlossen ist. Zu langsam füllte sich der Sack mit Pressluft. Von ähnlichem Misserfolg kann auch der Amerikaner Harry A. Betrand ein Lied singen. Sein Problem: Im Falle eines Aufpralls füllten die sechs Luftkissen den Innenraum so stark aus, dass den Insassen der Erstickungstot drohte.

So verschwand die Idee von der luftgefederten Prallbremse, bis der damalige US-Präsident ein Gesetz ins Leben rief, das automatischen Insassenschutzsysteme für Neuwagen vorschrieb. Während General Motors ihre Airbags und somit Fahrzeuge aus den Modellreihen Oldsmobile, Buick und Cadillac auf Grund diverser Unfälle wieder vom Markt nehmen mussten, schlug die grosse Stunde für die Daimler-Benz AG. Der von den Stuttgartern angemeldete Erfinderschutz gilt als erster funktionierender Airbag. Kein Wunder, dass die Mercedes S-Klasse 1981 als erstes europäisches Auto mit Fahrerairbag die Fabrikhalle verliess – natürlich gegen Aufpreis.

9. 1992 – Das Navigationssystem

Bis zur Einführung der Lexus-Modelle war der Toyota Celsior das edelste Pferd im japanischen Stall.

Bis zur Einführung der Lexus-Modelle war der Toyota Celsior das edelste Pferd im japanischen Stall.

Toyota

«Sie haben Ihr Ziel erreicht» – verkündete 1992 Toyota. Als erste Hersteller haben die Japaner ein GPS-Navigationssystem mit Sprachausgabe in ihre Edellimousine Celsior verbaut. Schon zwei Jahre zuvor, damals noch ohne wegweisende Stimme, leistete Toyota im Crown und Soarer mit einem rein optischen Navi Pionierarbeit. Als erstes europäisches Auto rollte 1994 der 7-er BMW vom Band.

10. 2001 – Das Farb-Head-up-Display

Im Jahr 1998 wurde in den USA die Corvette C5 zum „Auto des Jahres“ gewählt.

Im Jahr 1998 wurde in den USA die Corvette C5 zum „Auto des Jahres“ gewählt.

media.cadillac.com

Auch in München werden «hauseigene» Innovationen mit der grossen Kelle angerichtet. Zumindest 2003, als BMW ihre Fünfer- und Sechser-Limousine als erste europäische Fahrzeuge mit einem Head-up-Display ausstatteten. Man habe sich von der Luftfahrtindustrie inspirieren lassen, so der Automobilhersteller. Ganz so weit hätte man nicht suchen müssen, denn: Mehr als 20 Jahre zuvor hatte General Motors die ersten Head-up-Displays in ihre Fahrzeuge verbaut – damals noch schwarz-weiss. Das erste Farb-Display zierte 2001 die Chevrolet Corvette.

Auf welche Erfindung wartest du noch in der Automobilbranche? Teile sie in den Kommentaren mit uns!

Deine Meinung

182 Kommentare
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Illumination

04.02.2021, 00:00

"Ur-quattro" (korrekt klein geschrieben) ist die Bezeichnung von Audi für eines der ersten in grösseren Stückzahlen produzierte Strassenfahrzeug mit permanenten Allradantrieb (1980-1991/11`452 Ex.), massgebend für die Erfolgsgeschichte des quattro-Antriebs von Audi und generell weitere Verbreitung des permanenten Allradantriebs in Strassenfahrzeugen - nicht mehr und nicht weniger.. Dass Jensen (FF) und AMC (Eagle) bereits zuvor Fahrzeuge mit permanenten Allradantrieb bauten, wusste und weiss auch Audi (Subaru damals nur zuschaltbar). Die Antriebstechnik des Urquattro als Strassenfahrzeug war damals wirklich einzigartig - permanenter Allradantrieb mit mittlerer und hinterer Differenzialsperre, bis 1981 manuell beide Sperren über Seilzüge und zwei Klauenkupplungen unabhängig voneinander schaltbar, von 1982-1987 beide oder nur hintere Sperre manuell elektropneumatisch schaltbar, ab 1987-1991 Torsen-Mittendifferenzial, nur noch hinteres Differenzial manuell elektropneumatisch schaltbar..

Thommy

03.02.2021, 22:33

AGR Ventile die verkoken, das ist eine tolle Erfinderung 🤥

AGR-AGR

03.02.2021, 22:32

Beste Verbrenner Erfindung aller Zeiten sind die verkokten AGR-Ventile. 👍🤥🤥