Fund in Schweden: Das sind Seltene Erden

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ÜberblickSensationsfund in Schweden – das sind die Antworten zu Seltenen Erden

Was sind sie? Wie selten sind sie? Und welche Rolle spielt China, wenn es um die heiss begehrten Rohstoffe geht? Das wichtigste zu Seltenen Erden im Überblick.

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In einer Mine in Kalifornien werden seltene Erden abgebaut.

In einer Mine in Kalifornien werden seltene Erden abgebaut.

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Seltene Erden werden in einem mehrstufigen und komplexen Trennverfahren aus Erzen herausgelöst.

Seltene Erden werden in einem mehrstufigen und komplexen Trennverfahren aus Erzen herausgelöst.

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Die Gewinnung der Seltenen Erden ist aufwendig, gefährlich und benötigt einen hohen Energieaufwand. 

Die Gewinnung der Seltenen Erden ist aufwendig, gefährlich und benötigt einen hohen Energieaufwand. 

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Darum gehts

  • 17 Elemente zählen zu den Seltenen Erden.

  • Sie werden für die Produktion von Windkraftgeneratoren oder Elektroautos gebraucht.

  • Bislang waren sie fest in Chinas Händen, da dort am meisten abgebaut wurde. Nun wurde ein grosser Fund in Schweden gemeldet.

Die Metalle der Seltenen Erden sind eine Reihe von Elementen, die etwa für die Produktion von Windkraftgeneratoren oder Elektroautos gebraucht werden – damit sind sie für die Wirtschaft von morgen unabdingbar. Der mit Abstand grösste Teil der weltweiten Produktionsmenge stammt aus China. Am Donnerstag meldete der staatliche schwedische Bergbaukonzern LKAB den Fund des bislang grössten bekannten Vorkommens in Europa.

Was sind Seltene Erden? Insgesamt 17 Elemente zählen zu den Seltenen Erden. Die Eigenschaften der einzelnen Metalle unterscheiden sich. Unter dem Sammelbegriff zusammengefasst werden die 17 Elemente, weil sie häufig zusammen vorkommen. Jedes einzelne dieser Metalle hat Eigenschaften, die es für die Industrie wertvoll machen. Teils sind sie unersetzlich.
Europium etwa wird für Fernsehbildschirme gebraucht, Cerium zum Polieren von Glas, Lanthan für Katalysatoren in Benzinmotoren. Aus Neodym und Dysprosium werden Magnete für Off-Shore-Windräder hergestellt. Seltene Erden finden sich auch in Drohnen, Festplatten, Elektromotoren, Teleskoplinsen, Raketen oder Jagdflugzeugen.

Sind sie wirklich selten? Jein. Grundsätzlich kommen die meisten Seltenen Erden in der Erdkruste vergleichsweise häufig vor, auch in Deutschland gibt es im Norden Sachsens ein grosses Vorkommen. Vor der Bekanntgabe der Entdeckung des Vorkommens von geschätzt einer Million Tonnen in Schweden wurden die weltweiten Reserven auf 120 Millionen Tonnen geschätzt, mehr als ein Drittel davon in China.
Forscher gehen auch von weiteren, noch nicht bekannten Vorkommen aus. Die entscheidende Frage ist aber, ob sich der Abbau wirtschaftlich lohnt – denn der Aufwand und die Folgekosten für die Umwelt sind hoch.

Wusstest du schon über Seltene Erden Bescheid?

Was macht die Produktion so schwierig? Seltene Erden sind in der Regel in Verbindungen in Erzschichten enthalten. Problematisch ist die Gewinnung der Seltenen Erden in möglichst reiner Form aus dem abgebauten Erz. Dafür sind chemische Prozesse häufig unter Anwendung von Säuren nötig. Die Verfahren sind komplex und haben zahlreiche Nebeneffekte: Es entstehen radioaktive Isotope und giftige Abwässer; die Gegenden um die Produktionsgebiete gleichen häufig Mondlandschaften. Die Förderung von Seltenen Erden in Deutschland gilt Experten zufolge aus Umweltgründen als nicht möglich.

Welche Rolle spielt China? China ist mit Abstand Weltmarktführer bei Seltenen Erden. Das Land verfügt selbst über grosse Vorkommen, seine Führungsrolle sei aber vor allem «Ergebnis einer langfristigen Industriepolitik», sagt Jane Nakano, Forscherin am Internationalen Zentrum für Strategische Studien (CSIS) in Washington. Peking hat über die Jahre durch massive staatliche Investitionen ein grosses Netzwerk zur Veredelung von Rohmaterialien aufrechterhalten, weshalb heute viele Produzenten von Seltenen Erden diese nach China exportieren. Ein weiterer wichtiger Punkt sei zudem eine «verspätete Regulierung der Rohstoffindustrie», sagt Nakano. Peking habe sich seine Dominanz bei den Seltenen Erden zudem durch hohe Umweltkosten der eigenen Produktion erkauft. Peking setzte die Metalle erstmals 2010 offen als Druckmittel ein: Wegen eines Territorialstreits setzte die Regierung die Ausfuhren nach Japan aus. 2019 drohte den USA Ähnliches im Kontext der Handelsstreitigkeiten mit China. Für die US-Industrie sind Seltene Erden ein wunder Punkt. Die USA dominierten selbst jahrelang den Weltmarkt, mittlerweile sind sie aber auch hochgradig von Importen abhängig.

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(AFP/smk)

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