Aktualisiert 06.02.2014 09:33

Slopestyle und weitere

Das sind die zwölf neuen Disziplinen in Sotschi

Nicht weniger als zwölf Disziplinen schafften es auf die Olympischen Spiele in Sotschi neu ins Programm. Die Schweiz hat die Tradition, in neuen Sportarten gut zu sein.

von
Marcel Allemann, Sotschi

Das Programm an Olympischen Winterspielen wird grösser und grösser – doch sind all diese neuen Disziplinen auch wirklich eine Bereicherung? Ob die Teamstaffel im Rodeln tatsächlich das ist, wovon Pierre de Coubertin geträumt hat, als er 1894 das IOC gründete, ist eher unwahrscheinlich. Und ob die Alpin-Snowboarder mit dem Parallel-Slalom eine zweite Disziplin brauchen, nachdem sich im Snowboard-Bereich in den letzten Jahren fast alles in Richtung Freestyle entwickelt hat, sei ebenfalls dahingestellt. Ebenso ist fraglich, ob das Frauen-Skispringen wirklich schon reif genug für Olympia ist, die vielen Verletzungen in der Branche sprechen dagegen.

Aber es gibt auch neue Sportarten und Disziplinen, die Spektakel versprechen. Gespannt ist man auf die Olympia-Premiere der Slopestyler (Ski und Snowboard) und die Show der Freeskier in der Halfpipe. Und auch der Teamwettbewerb im Eiskunstlaufen, eine der traditionell beliebtesten olympischen Sportarten, könnte eine Bereicherung sein.

Biathlon Mixed-Staffel

Ein Team setzt sich aus zwei Männern und zwei Frauen zusammen. Die Frauen legen jeweils eine Distanz von 6 Kilometern zurück, die Männer von 7,5 Kilometern. Alle schiessen je einmal liegend und stehend.

Favoriten: Tschechien, Russland, Norwegen, Deutschland.

Schweizer Chancen: Im besten Fall gibt es einen Diplomplatz.

Eiskunstlaufen Teamwettbewerb

Ein Team besteht aus einem Paarlaufpaar, einem Eistanzpaar und im Einzellaufen aus je einer Frau und einem Mann. Jedes Mitglied des Teams bestreitet seine Disziplin und versucht im Kurzprogramm möglichst viele Punkte zu erreichen. Die besten fünf Teams dürfen dann zur Medaillen-Entscheidung in der Kür antreten.

Favoriten: Russland, Japan, Kanada, USA.

Keine Schweizer Beteiligung.

Skispringen Frauen

Für 2010 wurde das Frauen-Skispringen vom IOC noch abgelehnt, nun aber zugelassen. Skispringerinnen starten mit verlängertem Anlauf, um trotz ihres geringeren Körpergewichtes eine ausreichende Absprung-Geschwindigkeit zu erzielen. Infolge des geringeren Gewichtes erzielen sie jedoch Weiten, die nicht weit unter jenen der Skispringer liegen.

Favoriten: Sara Takanashi (Jap), Sarah Hendrickson (USA), Carina Vogt (De).

Schweizer Chancen: Bigna Windmüller wurde im Weltcup in Yamgata (Jap) zwar glänzende Dritte. Trotzdem gehört sie in Sotschi nicht zum Favoritenkreis.

Ski Halfpipe

Nach den Snowboardern kämpfen nun auch die Skifahrer in der halben Schneeröhre um Olympiamedaillen, bewertet werden sie dabei ebenfalls von Kampfrichtern nach Höhe und Schwierigkeitsgrad. Wie im Snowboard erleben die Männer und Frauen gleichzeitig ihre olympische Premiere.

Frauen, Favoriten: Maddie Bowman (USA), Virginie Faivre (Sz), Amy Sheehan (Aus).

Schweizer Chancen: Virginie Faivre gehört als amtierende Weltmeisterin zu den Favoritinnen, ist aber nach Verletzungssorgen noch nicht in der Form des letzten Jahres. Auch Mirjam Jäger ist für eine Überraschung gut.

Männer, Favoriten: David Wise (USA), Kévin Rolland (Fr), Mike Riddle (Ka).

Schweizer Chancen: In den Kampf um die Medaillen werden die Schweizer kaum eingreifen, allenfalls könnte Yannic Lerjen die Favoriten ein wenig ärgern.

Ski Slopestyle

Gleicher Parcours wie bei den Snowboard-Slopestylern. Es gilt geschickt und artistisch eine Reihe von Schikanen zu überwinden. Die Zeit spielt keine Rolle, das Urteil fällt eine Jury.

Frauen, Favoriten: Dara Howell (Ka), Kaya Turski (Ka), Lisa Zimmermann (De).

Schweizer Chancen: Eveline Bhend, die Ehefrau des ebenfalls in Sotschi startenden Schweizer Halfpipe-Slopestlyers Nils Lauper, und Camilla Berra kommen allenfalls für einen Diplomrang in Frage.

Männer, Favoriten: Nick Goepper (USA), Jesper Tjader (Sd), Josiah Wells (Aus).

Schweizer Chancen: Kai Mahler hat sich von seinem Kreuzbandriss erholt, kam zuletzt immer besser in Fahrt und besitzt Aussenseiterchancen.

Snowboard Slopestyle

Ein Skatepark für Snowboarder, bestehend aus Schanzen, Geländer und Sprüngen, die auf verschiedene Art kombiniert werden können, analog zum Ski-Slopestyle. Es entscheidet eine Jury über Sieg und Niederlage.

Frauen, Favoriten: Spencer O'Brien (Ka), Cheryl Maas (Ho), Sarka Pancochova (Tsch).

Schweizer Chancen: Sina Candrian würde eigentlich ebenfalls zu den Favoritinnen zählen, doch nachdem sie wegen Rückenproblemen lange pausieren musste, startet sie mit einem Handicap. Ein Überraschungscoup ist allenfalls der früheren Fussballerin Isabel Derungs zuzutrauen.

Männer, Favoriten: Staale Sandbech (No), Maxence Parrot (Fr), Mark McMorris (Ka).

Schweizer Chancen: Kein Spitzenplatz in Aussicht, ein Exploit von Lucien Koch oder Jan Scherrer wäre eine Überraschung.

Snowboard Parallelslalom

Der Slalom funktioniert wie der schon zuvor olympische Parallel-Riesenslalom, er ist nur enger gesteckt: Auf zwei nebeneinander liegenden Kursen kommt es zum Direktduell. Nach je einem Lauf auf jeder Seite scheidet der insgesamt Langsamere aus.

Frauen, Favoriten: Patrizia Kummer (Sz), Jekaterina Tudegeschewa (Russ), Ester Ledecka (Tsch), Marion Kreiner (Ö).

Schweizer Chancen: Die Schweiz stellt mit Patrizia Kummer die aktuelle Disziplinenweltcupsiegerin. Die Walliserin ist die grosse Favoritin. Gefahr droht ihr von der einheimischen Weltmeisterin Tudegeschewa.

Männer, Favoriten: Sylvain Dufour (Fr), Vic Wild (Russ), Andreas Prommegger (Ö), Simon Schoch (Sz).

Schweizer Chancen: Altmeister Simon Schoch kann seine ganze Routine in die Waagschale werfen und ist vom Schweizer Quartett am stärksten einzustufen. Aber auch Nelvin Galmarin und Philipp Schoch sind für einen Podestplatz gut.

Rodeln Teamstaffel

Bei dieser absolvieren die drei Starter eines Landes (eine Frau, ein Mann und ein Doppelsitzer Männer) ihre Läufe unmittelbar aufeinanderfolgend. Sobald der erste Teilnehmer das Ziel erreicht und eine spezielle Markierung getroffen hat, öffnet sich am Start das Tor für den nächsten.

Favoriten: Deutschland, Italien, Kanada, USA, Österreich, Russland.

Keine Schweizer Beteiligung.

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