«Suisse Secrets» – Das sind einige der Besitzer der geleakten Credit-Suisse-Konten
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«Suisse Secrets»Das sind einige der Besitzer der geleakten Credit-Suisse-Konten

Die Credit Suisse steht in der Kritik, weil sie laut Medien-Recherchen Kriminelle sowie Oligarchen und zahlreiche Staatschefs unter ihren Kunden geduldet haben soll. Einige dieser Namen wurden nun bekannt gegeben. 

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Newsdesk
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Ein neuer Skandal erschüttert die Credit Suisse. 

Ein neuer Skandal erschüttert die Credit Suisse. 

REUTERS
Am 20. Februar 2022 veröffentlichte die «Süddeutsche Zeitung» Daten aus dem Geldinstitut, die dem Blatt nach eigenen Angaben von einer anonymen Quelle zugespielt wurden.  

Am 20. Februar 2022 veröffentlichte die «Süddeutsche Zeitung» Daten aus dem Geldinstitut, die dem Blatt nach eigenen Angaben von einer anonymen Quelle zugespielt wurden.  

Screenshot Sueddeutsche
Die neue Recherche enthüllt, dass die Credit Suisse Konten für autoritäre Staatsführer, Kriminelle und Menschenschmuggler im Wert von mehreren Milliarden Franken hielt.

Die neue Recherche enthüllt, dass die Credit Suisse Konten für autoritäre Staatsführer, Kriminelle und Menschenschmuggler im Wert von mehreren Milliarden Franken hielt.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

Die Credit Suisse soll nach einem Medienbericht über Jahre Autokraten, Drogendealer sowie mutmassliche Kriegsverbrecher und Menschenhändler als Kunden akzeptiert haben. Die «Süddeutsche Zeitung» in Zusammenarbeit mit zahlreichen internationalen Medienpartnern wertete Unterlagen aus dem Schweizer Geldinstitut aus, die von einer anonymen Quelle zugespielt worden waren.   

Nach Schweizer Recht dürfte die Bank keine Gelder, die aus kriminellen Geschäften stammen, annehmen. Auch bei ausländischen Politikerinnen, Politikern und ihren Familien gelten strenge Regeln. Den Daten zufolge hätten aber Kriminelle Konten eröffnen beziehungsweise Konten auch dann behalten können, «wenn die Bank längst hätte wissen können, dass sie es mit Straftätern zu tun hat», wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt. Das sind einige der prominenten Namen:

Kasachstans Ex-Präsident Nursultan Nasarbajew

Zu den Kunden der Credit Suisse sollen in der Vergangenheit auch Mitglieder der Familie des ehemaligen kasachischen Staatspräsidenten Nursultan Nasarbajew gehört haben.

Zu den Kunden der Credit Suisse sollen in der Vergangenheit auch Mitglieder der Familie des ehemaligen kasachischen Staatspräsidenten Nursultan Nasarbajew gehört haben.

imago stock&people

Wie die «Tagesschau» berichtet, ist ein Teil der Familie von Kasachstans Ex-Präsidenten Nursultan Nasarbajew auf der Liste der Credit-Suisse Kunden. Zwei Töchter und ein Schwiegersohn des Ex-Präsidenten hielten bei der Credit Suisse Bank mehrere Konten mit zweistelligen Millionensummen. Auf einem Firmenkonto, auf das auch Nasarbajews Schwiegersohn Zugriff hatte, befanden sich sogar Werte in Höhe von mehr als 843 Millionen Schweizer Franken. Die meisten Konten wurden im Jahr 2012 geschlossen.  

Laut der «Süddeutschen» haben auch die frühere Ehefrau und der Sohn des aktuellen kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew ihr Geld bei der Credit Suisse.

König von Jordanien Abdullah II.

Zeitweise lagen  auf dem Konto von Abdullah II., dem amtierenden König von Jordanien, 230 Millionen Schweizer Franken.

Zeitweise lagen  auf dem Konto von Abdullah II., dem amtierenden König von Jordanien, 230 Millionen Schweizer Franken.

Wikipedia/CC BY 2.0

Abdullah II., der amtierende König von Jordanien, zählt mit mehreren Konten zu den Credit-Suisse-Kunden. Auf einem der Konten lagen zeitweise 230 Millionen Schweizer Franken. Eines der Konten ist offenbar immer noch aktiv. Die Gelder entstammten privatem Vermögen, etwa Erbschaften, gab ein Anwalt des Königs bekannt. Bei manchen der Konten handele es sich um Investmentkonten. Nichts stamme aus dem jordanischen Staatshaushalt oder sei korrupten Ursprungs, so der Anwalt.

Algeriens Ex-Machthaber Abdelaziz Bouteflika

Ein Konto bei der CS soll unter anderem der ehemalige und mittlerweile verstorbene algerische Autokrat Abdelaziz Bouteflika gehabt haben. 

Ein Konto bei der CS soll unter anderem der ehemalige und mittlerweile verstorbene algerische Autokrat Abdelaziz Bouteflika gehabt haben. 

imago images / ZUMA Press

Laut der «Süddeutschen Zeitung» liegt viel Geld vom ehemaligen algerischen Machthaber Abdelaziz Bouteflika in der Schweiz.

Venezolanischer Ex-Politiker Nervis Villalobos

 Nervis Villalobos, Venezuelas ehemaliger Vize-Energieminister, wurde beschuldigt, den venezolanischen Ölkonzern PDVSA geplündert zu haben.

Nervis Villalobos, Venezuelas ehemaliger Vize-Energieminister, wurde beschuldigt, den venezolanischen Ölkonzern PDVSA geplündert zu haben.

Screenshot Infobae

Venezuelas ehemaliger Vize-Energieminister Nervis Villalobos hatte bis 2013 ein Konto bei der Credit Suisse. Auf dem Konto lagen damals 9,5 Millionen Schweizer Franken. Der Politiker mit direkten Verbindungen zum ehemaligen Staatschef Hugo Chavez soll einer der Strippenzieher im Schmiergeldskandal um den venezolanischen Ölkonzern PDVSA gewesen sein. Er wurde inzwischen in den USA wegen Korruption angeklagt.

Dass die Credit Suisse unter Korruptionsverdacht stehende Ex-Politiker aus Venezuela als Kunden akzeptiert hat, nennt die Schweizer Expertin für Wirtschaftskriminalität, Monika Roth, gegenüber der «Tagesschau» «haarsträubend». Das sei «ein Totalversagen und führt eigentlich alle Präventionsmassnahmen gegen Geldwäscherei und Korruption ins Nichts.»

Venezuelas Geheimdienstchef Carlos Luis Aguilera Borjas

Carlos Luis Aguilera Borjas war einst Bodyguard des ehemaligen Präsidenten Venezuelas Hugo Chávez. Nachdem Aguilera Borjas in die Privatwirtschaft wechselte, hatte er 7,8 Millionen Franken auf seinem Credit Suisse-Konto.

Carlos Luis Aguilera Borjas war einst Bodyguard des ehemaligen Präsidenten Venezuelas Hugo Chávez. Nachdem Aguilera Borjas in die Privatwirtschaft wechselte, hatte er 7,8 Millionen Franken auf seinem Credit Suisse-Konto.

Screenshot chavismoinc

Einer der Kunden der Credit Suisse war auch der ehemalige venezolanische Geheimdienstchef Carlos Luis Aguilera Borjas, der dem ehemaligen Präsidenten Hugo Chávez ebenfalls nahe stand. Er fiel jedoch in Ungnade, als er den Staatsstreich, der Chávez beinahe gestürzt hätte, nicht voraussehen konnte. Aguilera Borjas wechselte nach einem weiteren Regierungsposten in die Privatwirtschaft, wo er ein Vermögen von 7,8 Millionen Franken anhäufte. Das Konto soll vor einigen Jahren geschlossen worden sein. 

Siemens-Manager

In den Daten finden sich laut den Recherchen unter anderem auch ein früherer Siemens-Manager. Der Mann leitete jahrelang das Nigeria-Geschäft des Konzerns und wurde 2008 im Rahmen des Siemens-Schmiergeldskandals wegen Korruption verurteilt. Der Deutsche soll zeitweise sechs Konten bei der Credit Suisse gehabt haben. Auf einem davon sei laut den Daten im Jahr 2006 als Höchststand ein Vermögen im Wert von mehr als 54 Millionen Schweizer Franken eingetragen gewesen – eine Summe, die mit seinem Siemens-Gehalt nicht zu erklären sei. Auf Anfrage des Rechercheverbunds stritt der Ex-Manager den Angaben zufolge Fehlverhalten ab, ohne zu erklären, woher die Millionen stammen.

Kokainhändler Rodoljub R. 

Auch Kriminelle durften, teils Jahre nach ihrer Verurteilung, noch ihre Vermögen bei der Credit Suisse lagern, wie die «Tagesschau» weiter berichtet. Etwa Rodoljub R., der wegen illegaler Finanz- und Ölgeschäfte verurteilt wurde. R. wird zudem beschuldigt, im internationalen Kokainhandel eine bedeutende Rolle zu spielen. R. hatte zeitweise 3,4 Millionen Franken bei der Credit Suisse.

Ägyptischer Geheimdienstchef

Zu den Credit-Suisse-Kunden gehören gemäss den geleakten Daten auch die Familie eines ägyptischen Geheimdienstchefs, der für die CIA, der Auslandsgeheimdienst der Vereinigten Staaten, die Folterung von Terrorverdächtigen beaufsichtigte. 

Mitglied der 'Ndrangheta

Auch ein Italiener, der beschuldigt wird, Gelder für die kriminelle Organisation 'Ndrangheta gewaschen zu haben, ist laut den Recherchen in den Daten von «Suisse Secrets» zu finden.

Credit Suisse weist die Vorwürfe zurück

Die Credit Suisse wollte nach Darstellung der Medien konkrete Fragen zu diesem Fall und auch zu den anderen fragwürdigen Konten nicht beantworten, versicherte aber, «höchste Verhaltensstandards» zu befolgen. Es gehe meist um weit zurückliegende Fälle bis in die 1940er Jahre. «Die Darstellung (...) basiert auf unvollständigen, ungenauen oder selektiven Informationen, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden, was zu tendenziösen Interpretationen des Geschäftsgebarens der Bank führt», teilte die Bank am Sonntagabend mit. 90 Prozent der angeführten Konten seien bereits geschlossen worden. «Wir werden die Angelegenheit weiter analysieren und gegebenenfalls weitere Schritte einleiten», so die Bank weiter.  

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