Juso-Politiker: «Das sind für mich keine Sozialdemokraten»
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Juso-Politiker«Das sind für mich keine Sozialdemokraten»

Alain Roth, der Präsident der Juso Oberaargau, wurde bei Ausschreitungen in Paris schwer verwundet. Die Mutterpartei wollte ihn loswerden. Nun bezieht er erstmals Stellung.

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nag
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Weitere Konsequenzen: Die OGL streicht Alain Roth von ihrer Liste.

Weitere Konsequenzen: Die OGL streicht Alain Roth von ihrer Liste.

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Alain Roth war Präsident der Juso-Oberaargau. Im vergangenen Jahr kandidierte er für den Nationalrat.

Alain Roth war Präsident der Juso-Oberaargau. Im vergangenen Jahr kandidierte er für den Nationalrat.

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Am Dienstag, 14. Juni 2016, nahm Roth an den Protesten gegen das Arbeitsgesetz in Paris teil...

Am Dienstag, 14. Juni 2016, nahm Roth an den Protesten gegen das Arbeitsgesetz in Paris teil...

Keystone/Yoan Valat

Die Teilnahme an einer Demonstration in der französischen Hauptstadt hätte Alain Roth fast das Leben gekostet. Weil der Präsident der Juso Oberaargau vermummt war, strich ihn die SP Langenthal von der Wahlliste für den Gemeinderat und sorgte damit für einen Eklat unter Genossen. Knapp zwei Monate nach dem Vorfall redet Roth jetzt erstmals selber.

Im Interview mit der «SonntagsZeitung» erhebt der 23-Jährige schwere Vorwürfe an die Adresse der SP-Sektion Langenthal: «Ich lag schwer verletzt im Spital, hatte Angst, nie wieder gehen zu können. Da rief mich die Parteileitung an und sagte: Entweder du ziehst dich umgehend zurück, oder wir streichen dich noch heute von der Liste.» Er hätte sich gewünscht, dass die Parteileitung ihn zuerst mal fragen würde, wie es ihm gehe und sich nach seinen Beweggründen erkundige. Das panische Verhalten der Partei habe ihn sehr enttäuscht. «Das sind für mich keine Sozialdemokraten», so Roth. Er werde die Sektion deshalb verlassen.

Roth rechtfertigt seine Vermummung. Sie habe lediglich zum Schutz gegen das Tränengas gedient. Er habe nichts Illegales getan und es laufe auch kein Strafverfahren gegen ihn. Die Erinnerung an den Moment, als er von einer Tränengasgranate der Polizei in den Rücken getroffen wurde, ist präsent: «Als sich das Geschoss in meinen Rücken bohrte, sackte ich zusammen, konnte mich nicht mehr bewegen. Ich hörte die Sanitäter. Sie wollten mich wiederbeleben, dachten wohl, ich sei tot. Da war ich überzeugt: Das wars, jetzt stirbst du.»

Doch Roth hat überlebt – allerdings mit schweren Verletzungen. Der Jungpolitiker habe viel Blut verloren: «Dazu kamen grossflächige Verbrennungen und ein Wirbelbruch. Im Spital in Paris wurde ich sofort notoperiert.»

Heute gehe es ihm besser. Zwar sei er noch täglich auf die Spitex angewiesen, bleibende Schäden werde er aber nicht davontragen. Trotz allem bereut der Jungsozialist seine Teilnahme an der Demonstration nicht. Laut der «SonntagsZeitung» will er bei der Juso und auf der Strasse politisch aktiv bleiben. «Jetzt erst recht», sagt er kämpferisch.

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