Aktualisiert 23.01.2015 17:34

Stern statt Endung

«Das sind Leute, die auf Vorrat beleidigt sind»

Autor Pirmin Meier hält wenig von geschlechterneutraler Sprache. Schreibweisen wie «Professo**» oder «ProfessorInnen» seien sektiererisch.

von
jbu
Mit Endungen wie Besuche** wollen Germanistikstudenten Männer, Frauen und Transsexuelle gleichermassen ansprechen.

Mit Endungen wie Besuche** wollen Germanistikstudenten Männer, Frauen und Transsexuelle gleichermassen ansprechen.

Herr Meier, was halten Sie davon, wenn Germanistikstudenten im Sinne einer «antidiskriminierenden Sprache» weibliche und männliche Wortendungen durch Sternchen ersetzen?

Diese Regelung entspringt einem permanenten Diskriminierungsverdacht. Sie spricht Leute an, die auf Vorrat beleidigt sind. Darauf ist keine Rücksicht zu nehmen.

Sie haben kürzlich einen offenen Brief unterschrieben, der verlangt, dass auf die konsequente Verwendung des Binnen-I (z.B. «LehrerInnen») verzichtet wird. Weshalb?

Das Binnen-I ist extrem hässlich, rein ideologisch, Ausdruck von Pervertierung der Sprache und wird von keiner meiner Schriftstellerinnen-Freundinnen verwendet. Auch in den Spitzenverlagen, wo ich tätig war, hielt man glücklicherweise nichts von solchem sprachlichem Sektierertum.

Halten Sie es für realistisch, dass sich Sprachregelungen wie die Stern-Endung bei künftigen Rechtschreibreformen durchsetzen werden?

Germanistikstudenten haben kaum Einfluss auf künftige Rechtschreibreformen, weil etwa im Netz und per SMS sowieso jeder macht, was er will. Problematisch finde ich es, wenn sogenannte Gleichstellungsbeauftragte beispielsweise das Wort «Fussgängerstreifen» verbieten wollen – und diese Reglemente auch noch mit öffentlichen Geldern finanziert werden.

Wie soll diese Entwicklung aus Ihrer Sicht aufgehalten werden?

Es muss nichts aufgehalten werden. Jedoch sollten sektiererisch wirkende Aktivitäten wenn immer möglich nicht durch Steuergelder unterstützt werden. Selber spreche ich als Rhetoriker die Frauen stets an, und ich finde es auch richtig, bei amtlichen Texten entweder beide Geschlechter direkt zu nennen oder einen freiwilligen Hinweis zu machen, dass die männliche oder weibliche Form beide Geschlechter meint.

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