Schweiz: Das sind mögliche Gründe für die hohe Übersterblichkeit 

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SchweizDas sind mögliche Gründe für die hohe Übersterblichkeit 

Seit Anfang des Jahres sind in der Schweiz schon über 3000 Menschen mehr gestorben als erwartet. Über die Gründe können Experten nur spekulieren. Klar ist: Die Corona-Impfung ist nicht schuld.

von
Daniel Graf
Marino Walser
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Im laufenden Jahr mussten schon 3000 Menschen mehr beerdigt oder kremiert werden als erwartet. 

Im laufenden Jahr mussten schon 3000 Menschen mehr beerdigt oder kremiert werden als erwartet. 

20min/Matthias Spicher
In den letzten elf Wochen sind in der Schweiz 1700 Todesfälle mehr verzeichnet worden als erwartet. Bild: Universitätsspital Genf am 31. August.

In den letzten elf Wochen sind in der Schweiz 1700 Todesfälle mehr verzeichnet worden als erwartet. Bild: Universitätsspital Genf am 31. August.

20min/Marvin Ancian
Eine solch andauernde Übersterblichkeit hat es gemäss dem Epidemiologen Christian Althaus «in jüngerer Geschichte noch nicht gegeben». 

Eine solch andauernde Übersterblichkeit hat es gemäss dem Epidemiologen Christian Althaus «in jüngerer Geschichte noch nicht gegeben». 

20min/Marvin Ancian

Darum gehts

  • Mehr als 3000 Menschen, mehr als erwartet sind 2022 in der Schweiz schon gestorben. 

  • Expertinnen und Experten sind beunruhigt. 

  • Über die Gründe kann bislang nur spekuliert werden. Klar ist: Die Corona-Impfung ist entgegen vieler Behauptungen in den sozialen Medien nicht schuld. 

  • Am naheliegendsten scheint eine Kombination aus Hitze und Coronavirus. 

Schon 2020 und 2021 verzeichnete die Schweiz über das ganze Jahr gesehen eine sogenannte Übersterblichkeit. Im ersten Jahr 2020, also bis Ende August, waren 1500 Menschen mehr verstorben, als man hätte erwarten können. 2021 waren es 1300. Dieses Jahr sind es bereits mehr als 3000 zusätzliche Todesfälle. Das sind die möglichen Gründe.

Corona kursiert weiterhin

Auch wenn alle Pandemiemassnahmen aufgehoben sind und im Alltag nicht mehr viel an die Pandemie erinnert, ist das Virus nicht einfach verschwunden. Zwar weist das BAG in seiner Corona-Statistik von Mitte Juni bis Ende August nur rund 150 Corona-Tote aus, gemäss den Tamedia-Zeitungen habe sich aber schon in der Todesursachenstatistik des Bundesamts für Statistik von 2020 gezeigt, dass die Zahl der Covid-Todesfälle deutlich höher ist, als vom BAG ausgewiesen.

Die Corona-Impfung ist nicht Schuld

Die hohe Übersterblichkeit sorgt für Spekulationen über einen Zusammenhang mit der Corona-Impfung. In den Kommentaren und auf Social Media sehen sich viele in ihrer Vermutung bestätigt, dass die Corona-Impfung dem Menschen schade und sogar zum Tod führen könne. Dem ist nicht so, wie Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte (VKS), festhält: «Wir haben überhaupt keine Hinweise dafür, dass eine Impfung als Ursache benannt werden kann.» Eine Impfung sei entgegen vieler Ansichten eine Stärkung und keine Schwächung des Immunsystems.

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Hitze und Corona im tödlichen Zusammenspiel

Hauri gibt offen zu: «Wir haben keine eindeutige Erklärung für die Übersterblichkeit der letzten Wochen.» Die VKS beobachte diese aber genau. Die Vermutung: «Die Hitzewelle sowie Infektionskrankheiten wie das Coronavirus haben einen Einfluss. Belegen können wir dies aber nicht», so Hauri.

Gegenüber dem «Tagesanzeiger» sagte Martin Röösli vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut: «Wir haben bei früheren Hitzewellen gesehen, dass vor allem auch Leute mit solchen Erkrankungen versterben. Es ist aus meiner Sicht gut möglich, dass ehemalige Covid-Erkrankte die Hitze schlechter vertragen haben.» Das alles sei aber noch Spekulation. Im Moment seien die Todesursachen ja noch nicht bekannt, betont Röösli.

Statistische Gründe

Ein möglicher Erklärungsansatz für die hohe Übersterblichkeit bietet auch ein Blick in die Statistik. Wie es beim BfS heisst, gab es schon 2020 und 2021 eine hohe Übersterblichkeit. «Wir rechneten deshalb mit einer geringeren Sterblichkeit 2022, da bereits in den Vorjahren mehr Menschen gestorben waren als erwartet», erklärt ein BfS-Experte. Bei der Übersterblichkeit handelt es sich um statistische Schätzung, da sie sich aus dem Unterschied zwischen den aufgetretenen und den statistisch erwarteten Todesfällen berechnet.

Mitte Juni bis Ende August, rund 150 Corona-Tote, im Branchenverband der Altenpflege Curaviva und weiteren angefragten Stellen ist man sich einig: Die anhaltende Übersterblichkeit bereitet Sorge und muss weiter beobachtet werden. Um genaue Schlüsse ziehen zu können, sei es aber noch zu früh. «Solange es keine saubere, wissenschaftliche Erkenntnis dafür gibt, kann auch keine Ursache benannt werden», sagt Hauri. Die Todesfallstatistik 2022 wird erst im Frühling 2024 erwartet.

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