Mail aus Rio: Das sind nicht meine Unterhosen!
Aktualisiert

Mail aus RioDas sind nicht meine Unterhosen!

In regelmässigen Abständen erreicht uns elektronische Post von unseren Reportern aus Rio. Peter Berger wühlt in fremder Wäsche.

von
pbt
Schöne, rote Unterhosen, bloss sind es nicht die eigenen.

Schöne, rote Unterhosen, bloss sind es nicht die eigenen.

Kein Anbieter/Symbolbild

Meckern ist immer einfacher als loben. Nun hat sogar das IOK die Organisatoren der Spiele in Rio gerüffelt. «Dies sind bisher die schwierigsten Spiele, die wir jemals erlebt haben», sagte der australische IOK-Vizepräsident John Coates. Nun ja, mag sein. Von der ellenlangen Kolonne bei der Verpflegung im Medienzentrum sagte der Mann aber nichts. Bis man da endlich was zum Knabbern kriegt, geht man quasi schon auf dem Zahnfleisch, und bis man dann zahlen kann, ist das Menü längstens kalt. Das können wir Schweizer besser. Denkt man. Beim House of Switzerland ist das indes nicht der Fall. Auch dort ist die Essensausgabe eine enorme Geduldsprobe. Äusserst ärgerlich ist dann noch, wenn man kurz vor 18 Uhr an die Reihe kommt und es dann heisst: «Es gibt nichts mehr zu essen.» Hallo?

Ich habe noch mehr zu kritisieren. Wenn mich der Taxifahrer unterwegs ohne Vorankündigung am Strassenrand aus irgendwelchen Gründen (ich verstehe immer noch nichts) bittet, auszusteigen, ich dann wie ein begossener Pudel am Strassenrand stehe und nach einem anderen Taxi Ausschau halten muss, finde ich das nicht cool. Aber gut, verhungert bin ich bisher nicht, unterwegs verloren gegangen auch noch nie.

Ein No-Go

Aber ein absolutes No-go erlebte ich gestern. Ich bekam meine Kleider aus der Wäscherei des Hotels zurück. Ein T-Shirt hat zwar jetzt ein Loch, aber egal. Viel schlimmer ist, dass mir fremde Unterhosen geliefert wurden. Schöne zwar, rote. Aber ich habe sie auf der Stelle zurückgebracht. Ich trage doch nicht Unterhosen von einem fremden Mann. Die einzigen Secondhand-Unterhosen, die ich jemals getragen habe, sind die meines Vaters – und zwar voller Stolz; damals als Teenager.

Peter Berger ist Sportredaktor und berichtet für 20 Minuten von den Olympischen Spielen aus Rio.

Deine Meinung