Aktualisiert 12.07.2013 19:59

«Hallo, ich bin Ed»Das sind Snowdens erste Worte an die Welt

«Ich habe im Paradies gelebt, jetzt bin ich ein Staatenloser.» Bei seinem ersten offiziellen Auftritt am Flughafen in Moskau erhob Snowden schwere Vorwürfe gegen die USA. Er bereue aber nichts.

von
jbu

«Hallo, mein Name ist Ed Snowden», begann der Whistleblower am Freitag seine Ankündigung im Flughafen von Moskau – als ob sein Name nicht bereits in der ganzen Welt bekannt wäre. «Vor etwas mehr als einem Monat hatte ich Familien, ein Zuhause im Paradies und ein sehr komfortables Leben. Gleichzeitig hatte ich aber auch die Möglichkeit, unbehelligt eure Gespräche abzuhören. Die Kommunikation von jedem und zu jeder Zeit. Das ist die Macht, Schicksale von Menschen zu ändern.»

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat die Transkription von Snowdens Rede um 17 Uhr Schweizer Zeit auf ihrer Homepage aufgeschaltet – kurze Zeit später wurden dann auch erste Videos vom Treffen ins Netz geladen. Snowden sagte demnach, es sei «eine ernsthafte Verletzung des Gesetzes» sowie der amerikanischen Verfassung und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, wenn die Kommunikation dermassen überwacht werde. Während die US-Verfassung ein solches Vorgehen als illegal taxiere, argumentiere die US-Regierung, es werde durch die Anwendung von geheimen Beschlüssen legal. «Das Unmoralische wird aber nicht moralisch korrekt, indem ein Geheim-Gesetz zur Anwendung kommt», so Snowden.

«Ich wollte mich nicht bereichern»

«Ich habe gemacht, was ich für richtig gehalten habe und habe eine Kampagne gestartet, um dieses Fehlverhalten zu korrigieren. Ich wollte mich nicht bereichern. Ich habe nicht versucht, US-Geheimnisse zu verkaufen», stellte der Ex-Geheimdienstler beim Treffen mit den Menschenrechtsaktivisten klar. Er habe nicht mit ausländischen Regierungen zusammengearbeitet, die seine Sicherheit garantieren sollten. «Die moralische Entscheidung, die Öffentlichkeit über die Spionage, die uns alle betrifft, zu informieren, kam mich teuer zu stehen. Aber es war das Richtige und ich bereue nichts.»

Seit seiner Enthüllung hätten die Vereinigten Staaten versucht, ein Exempel an ihm zu statuieren – «eine Warnung an alle anderen», die sich in dieser Art äussern könnten. Zudem sei er zu einem Staatenlosen gemacht und auf Flugverbots-Listen gesetzt worden. Als «gefährliche Eskalation» bezeichnet Snowden die Tatsache, dass das Militär einen lateinamerikanischen Präsidenten – Evo Morales – zu einer Zwischenlandung gezwungen hatte, um sein Flugzeug nach ihm, einem «politischen Flüchtling» zu durchsuchen.

Snowden bedankte sich bei den Ländern, die ihm Unterstützung und Asyl angeboten haben – namentlich Russland, Venezuela, Bolivien, Nicaragua und Ecuador. Sie hätten sich den «Respekt der Welt» verdient. Er wolle in jedes dieser Länder reisen und seinen persönlichen Dank ausdrücken, so Snowden. Da er allerdings befürchte, dass die USA sein Recht auf Asyl nicht akzeptieren werden, sei es derzeit «unmöglich nach Lateinamerika zu reisen» und das Asyl in Anspruch zu nehmen, das ihm angeboten worden sei.

Deshalb kündigte Snowden an, noch weiter in Moskau zu bleiben und dort ein Gesuch zu stellen: «Ich werde Russland meinen Asylantrag übergeben und hoffen, dass er angenommen wird.»

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