Grosse Kampagne am Sonntag: Das soll der offene Brief des Swisscom-Chefs
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Grosse Kampagne am SonntagDas soll der offene Brief des Swisscom-Chefs

Zweiseitige Anzeigen in der Sonntagspresse: Swisscom-Chef Urs Schaeppi lobbyiert für den Antennen-Ausbau fürs neue 5G-Handynetz.

von
Isabel Strassheim
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Zwei ganze Seiten: Inserat in der SonntagsZeitung von Swisscom-Chef Urs Schaeppi. der sich direkt an die Öffentlichkeit wendet.

Zwei ganze Seiten: Inserat in der SonntagsZeitung von Swisscom-Chef Urs Schaeppi. der sich direkt an die Öffentlichkeit wendet.

Swisscom-Chef Urs Schaeppi: Sein offener Brief kommt «aus heiterem Himmel» (so ein PR-Experte)....

Swisscom-Chef Urs Schaeppi: Sein offener Brief kommt «aus heiterem Himmel» (so ein PR-Experte)....

Keystone/Valeriano di Domenico
... aber der Kampf um den weiteren Ausbau der Handy-Antennen in der Schweiz ist wegen der neuen 5G-Technologie hochaktuell.

... aber der Kampf um den weiteren Ausbau der Handy-Antennen in der Schweiz ist wegen der neuen 5G-Technologie hochaktuell.

Keystone/Karl Mathis

Ein Firmen-Chef wendet sich nur in besonderen Fällen mit einem offenen Brief direkt an die Öffentlichkeit. Swisscom-CEO Urs Schaeppi hat diesen Schritt am Sonntag unternommen. Mit einer Inseratekampagne auf zwei ganzen Seiten in sämtlichen grossen Schweizer Sonntagszeitungen: «SonntagsZeitung», «NZZ am Sonntag», «Sonntagsblick», «Zentralschweiz am Sonntag», «Le Matin Dimanche». Die Inserate sind einmalig, sagt Swisscom-Sprecher Josef Huber zu 20 Minuten.

Das Anliegen von Swisscom-Chef: Es geht Schaeppi mit seinem offenen Brief um die laufende Umrüstung auf das Internetprotokoll für die Festnetztelefonie (IP) und um die anstehende Einführung der neuen Mobilfunktechnologie 5G.

Swisscom will tiefere Strahlenschutzwerte

Bei der neuen Mobilfunktgeneration 5G kämpft Swisscom darum, dass die Strahlenschutzzwerte für die Handyantennen gesenkt werden. Denn sonst könnten Swisscom wie auch Sunrise und Salt die bestehenden Antennen nicht aufrüsten: Bei unverändertem Gesetzgebung könnten 90 Prozent der heute bestehenden Antennen auf Stadtgebiet die Kapazitäten nicht erweitert werden.

Die zwei Seiten mit dem offenen Brief mit der Überschrift «Das gute, alte Telefon» sind ganz ohne Foto und nur mit kleinem Swisscom-Logo in der Ecke. Die Kosten dürften sich auf rund 250'000 Franken belaufen, wie Experten schätzen. Die Swisscom nennt keine Zahlen.

«Man sieht solch lange Textzitate heutzutage fast nicht mehr und wir spekulieren darauf, dass es deshalb so auffälig ist, dass es beachtet wird», sagt David Schärer von Rod Komunikation, der die Kampagne entworfen hat.

«Viel Geld für so eine Kampagne»

«Ich habe Zweifel, dass die Leute den langen Text überhaupt lesen», meint hingegen Reputationsexperte Bernhard Bauhofer. Der Vorteil der Kampagne sei, dass sie aus heiterem Himmel komme und allein dadurch Aufmerksamkeit errege, so Bauhofer von Sparring Partners.

Die neue Mobilfunk-Technologie 5G soll das Smartphone noch schneller machen. Vor allem aber ist die gesteigerte mobile Datenübertragung wichtig für selbstfahrende Autos oder der smarten Vernetzung von Apparaten. Mit 5G soll der Durchbruch des Internets der Dinge erfolgen. Schon 2020 soll das 5G-Netz in der Schweiz in Betrieb gehen.

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