Mauerfall, Finanzkrise, Weltherrschaft: Das sollen die Bilderberger hinter unserem Rücken tun
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Mauerfall, Finanzkrise, WeltherrschaftDas sollen die Bilderberger hinter unserem Rücken tun

Krisenschmiede und Weltherrschaft: Wenn sich die Elite zum Bilderberg-Meeting versammelt, wittern viele den nächsten Komplott.

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rkn/sas

Die Theorien im Schnelldurchlauf. (Video: 20M)

An Auffahrt beginnt der Bilderberg-Gipfel – dieses Jahr in der Schweiz, im Hotel Montreux Palace. Auf der Gästeliste sind hochrangige Politiker und Manager wie etwa US-Aussenminister Mike Pompeo, der niederländische Premier Mark Rutte, die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Auch Bundespräsident Ueli Maurer und CS-Chef Tidjane Thiam sind eingeladen.

Um die seit 1954 jährlich stattfindende Tagung des Geldadels ranken sich etliche Mythen, denn Geheimniskrämerei ist bei der Veranstaltung Programm. So dürfen die Teilnehmer keine Begleitpersonen mitbringen – sogar den Bodyguards soll der Zutritt verwehrt sein. Das sind fünf gängige Bilderberg-Theorien:

Karriere-Kick

Der Bilderberg-Zirkel soll über zahlreiche Karrieren entschieden haben. So hatte etwa Angela Merkel 2005 an einem Treffen teilgenommen und wurde noch im gleichen Jahr deutsche Bundeskanzlerin. Lionel Jospin nahm 1996 am Bilderberg-Treffen teil und wurde 1997 Premierminister Frankreichs. Ähnlich Tony Blair: Auch er wurde 1993 Bilderberger und stieg später zum britischen Premier auf. Ebenfalls Mitglied im erlauchten Kreis wurde 1991 Bill Clinton. Zwei Jahre später bestieg er den Thron des US-Präsidenten.

Krisenschmiede

Verschwörungstheoretiker machen den «Club der Mächtigen» auch verantwortlich für eine ganze Reihe von Weltereignissen. So soll die Ölkrise von 1973 der Bilderberg-Konferenz entsprungen sein. Am Treffen des Jahres 1989 gleisten die Bilderberger angeblich den nur wenige Monate später folgenden Mauerfall in Deutschland auf. Verschwörungstheoretiker Andreas von Rétyi schreibt in seinem Buch «Bilderberger – das geheime Zentrum der Macht», die Finanzkrise sei das Werk des ehemaligen US-Notenbankers Alan Greenspan und von US-Finanzminister Timothy Geithner; beides Bilderberger.

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André Kudelski bringt die Bilderbergkonferenz in die Schweiz.

André Kudelski bringt die Bilderbergkonferenz in die Schweiz.

Keystone/Adrien Perritaz
In Montreux kommen Politiker und Unternehmer für vertrauliche Gespräche zusammen.

In Montreux kommen Politiker und Unternehmer für vertrauliche Gespräche zusammen.

Keystone/Alessandro Della Bella
Bundespräsident Ueli Maurer wird am Treffen dabei sein.

Bundespräsident Ueli Maurer wird am Treffen dabei sein.

Keystone/Peter Schneider

Weltherrschaft

Der Autor und Verschwörungstheoretiker Daniel Estulin schreibt in seinem Buch «Die wahre Geschichte der Bilderberger», die Bilderberger seien nicht nur ein Machtzentrum mit starkem Einfluss – sondern sie seien die geheime Weltregierung. Er unterstellt dem Zirkel die Absicht, ein Unternehmen aufzubauen, das die Vorherrschaft über die Welt anstrebe.

Beatles-Gönner

Auch an kulturellen Phänomenen sollen die Bilderberger massgeblich beteiligt sein. So hätten die Reichen der Welt dafür gesorgt, dass Bands wie die Beatles in den USA an Beliebtheit gewinnen. Dabei gehe es aber nicht darum, der Bevölkerung eine Freude zu machen, sondern um «die Massen zu kontrollieren», wie Estulin in seinem Buch schreibt. Man habe mit Rock-Konzerten von Menschenrechtsbewegungen und sozialen Ungerechtigkeiten ablenken wollen.

Euro-Erfinder

Ihre Finger mit im Spiel sollen die Bilderberger auch bei der Gründung des Euros gehabt haben. Ein von Wikileaks veröffentlichter Report zeigt, dass eine europäische Union und Einheitswährung schon an der Tagung im Jahr 1955 diskutiert wurden. Wie viel Einfluss Bilderberg wirklich hatte, ist unklar. Ehrenpräsident Etienne Davignon bestätigte jedoch zumindest, dass die Treffen geholfen hätten, die Basis für die Einheitswährung zu legen.

Dieser Artikel ist in veränderter Form bereits 2011 zum Bilderberg-Treffen in St. Moritz erschienen.

Bilderberg-Konferenz

Die Konferenz wurde zum ersten Mal im Mai 1954 auf Einladung von Prinz Bernhard der Niederlande im Hotel de Bilderberg in Oosterbeek veranstaltet. Von diesem ersten Tagungsort übernahm sie den Namen. Das Treffen entstand aus der Befürchtung, dass Westeuropa und Nordamerika angesichts der Bedrohung durch den kommunistischen Ostblock zu wenig eng zusammenarbeiten würden. Bilderberg-Konferenzen dauern in der Regel drei Tage. Es werden vor allem Probleme der Weltwirtschaft und der internationalen Beziehungen besprochen. Die Gespräche münden nicht in eine Abschlusserklärung und werden auch nicht im Wortlaut veröffentlicht. Die letztjährige Konferenz fand im spanischen Sitges südlich von Barcelona statt.

Die Versammlungen stossen in der Schweiz auf Kritik. Als das Treffen 2011 in St. Moritz durchgeführt wurde, veranstalteten die Jungsozialisten (Juso) eine friedliche Demonstration. Ob für dieses Jahr etwas Ähnliches geplant ist, ist noch nicht bekannt. Juso-Präsidentin Tamara Funiciello sagt lediglich zu 20 Minuten, dass die Partei die Bilderberg-Treffen absurd finde und ablehne.

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