Jada Pinkett leidet an kreisrundem Haarausfall
Aufgrund ihrer Erkrankung an Alopecia Areata rasierte Jada Pinkett Smith sich die Haare ab. Mittlerweile hat sie mit dem Haarausfall ihren Frieden geschlossen.

Aufgrund ihrer Erkrankung an Alopecia Areata rasierte Jada Pinkett Smith sich die Haare ab. Mittlerweile hat sie mit dem Haarausfall ihren Frieden geschlossen.

REUTERS
Publiziert

Jada Pinkett ist betroffenDas solltest du über Alopecia wissen

Ein geschmackloser Witz an den Oscars handelte Moderator Chris Rock eine Ohrfeige ein und rückte Jada Pinkett Smith ins Rampenlicht. Die Schauspielerin leidet an kreisrundem Haarausfall.

von
Malin Mueller

Sich den Kopf zu rasieren ist immer noch ein grosser Schritt. Das gilt umso mehr, wenn er wie bei Schauspielerin Jada Pinkett Smith nicht freiwillig passiert. Die Ehefrau von Will Smith leidet bereits seit 2018 an Alopecia Areata – besser bekannt als kreisrunder Haarausfall.

Deshalb zeigt sie sich mittlerweile, wie etwa an den Oscars, mit geschorenem Haar. Mit ihrer Krankheit ist sie nicht alleine: Laut des Vereins Alopecia Areata Schweiz sind allein 1,7 Prozent der Bevölkerung hierzulande betroffen – mehr als 112’000 Personen. Trotzdem wird bis heute wenig über die Krankheit gesprochen. Vanessa Stellini ist Geschäftsführerin beim Perückengeschäft K33 Hairhotel und Zweithaarspezialistin. Sie kennt sich bestens mit Haarausfall aus und weiss, was es mit der Krankheit auf sich hat.

Vanessa Stellini ist Geschäftsführerin beim Perückengeschäft K33 Hairhotel und Zweithaarspezialistin.

Vanessa Stellini ist Geschäftsführerin beim Perückengeschäft K33 Hairhotel und Zweithaarspezialistin.

k33.ch

Was versteht man unter Alopecia Areata?

Alopecia Areata ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das körpereigene Abwehrsystem gegen die eigene Haarpracht wehrt. Es entstehen Entzündungen an dem Haarfollikel, die das Haar schliesslich ausfallen lassen. «Bei der typischen Alopecia Areata treten meist am Kopf, aber auch an anderen Stellen am Körper eine oder mehrere kahle Stellen auf», sagt Stellini. Das Phänomen kann sich ausweiten und im Extremfall alle Haare am Körper betreffen. «Es ist aber nicht gesagt, dass es bei jedem Betroffenen soweit kommt, der Verlauf ist sehr individuell»

«Die Auslöser für Alopecia sind ebenfalls vielfältig», weiss die Expertin. «Sowohl die Genetik als auch Umweltfaktoren wie Stress oder Traumata können eine Rolle spielen.»

Unheilbar – fast

Medizinisch heilen lässt sich die Krankheit nicht, behandeln dafür gut: «Viele Patienten machen eine Symptomtherapie. Mit Kortison oder einer Immuntherapie kann man das Immunsystem austricksen, sodass die Haare häufig zurückkommen.» Stellini warnt aber: «Setzt man die Behandlung ab, fällt das Haar meist wieder aus. Zudem schlägt nicht jede Therapie an.» Und dann wäre da noch die Spontanheilung – einfach so, ohne Behandlung. Was klingt wie ein kleines Wunder, passiert vielen Betroffenen. Bei etwa 70 Prozent wachsen die Haare an einem Punkt im Leben wieder nach. Wann, warum und ob der Effekt von Dauer ist, lässt sich dafür nicht sagen. «Eine unserer Kundinnen war über 30 Jahre von Alopecia betroffen. Seit wenigen Monaten kommen ihre Haare nun wieder zurück.»

Das Selbstbewusstsein leidet häufig

In ihrer Talkshow «Red Table Talk» erzählte Jada Smith, dass sie zu Beginn ihrer Krankheit schockiert war: «Ich stand in der Dusche und hatte plötzlich Büschel von Haaren in den Händen. Ich dachte, ich bekomme eine Glatze.» Erst nach einer Zeit konnte sie sich mit ihrem Schicksal abfinden und die fehlenden Haare akzeptieren. Tochter Willow, die ebenfalls einen Buzzcut trägt, inspirierte sie dazu, ihre Haare zu rasieren.

Zweithaarspezialistin Stellini kennt das Problem der Unsicherheit von ihrer eigenen Kundschaft. «Es nagt am Selbstbewusstsein, wenn Menschen plötzlich fragen, ob man krank sei oder Krebs habe. Besonders Frauen fühlen sich unsicher.» Dazu komme ausserdem der Druck, dem sich viele ihrer Kunden selbst aussetzen würden. «Das kann die Krankheit schneller vorantreiben.» Deshalb sei handeln wichtig.

Was tun bei Verdacht?

Wer selbst den Verdacht hat, an Alopecia erkrankt zu sein, dem rät die Expertin immer zuerst den Gang zur Ärztin oder zum Arzt: «Eine Dermatologin oder ein Dermatologe können die Krankheit feststellen und Therapiemöglichkeiten empfehlen.» Einmal diagnostiziert unterstützt die IV Betroffene auch finanziell. Sowohl bei Therapien oder – wenn diese nicht anschlagen – bei einem Haarsystem vom Spezialisten. Wer seine Mähne nicht wie Jada rasieren will, dem können Perücken oder Haarteile helfen, wieder mehr Selbstbewusstsein aufzubauen. «Es ist das Schönste an meinem Beruf zu sehen, wenn jemand wieder Freude an seinen Haaren hat.»

Deine Meinung

0 Kommentare