Kommende Impfstoff-Alternative - Das solltest du wissen, wenn du auf den Impfstoff von Johnson & Johnson wartest
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Kommende Impfstoff-AlternativeDas solltest du wissen, wenn du auf den Impfstoff von Johnson & Johnson wartest

Menschen, die nicht mit den mRNA-Impfstoffen geimpft werden können oder wollen, dürfen sich freuen: Ab Anfang Oktober wird in der Schweiz auch der Impfstoff von Johnson & Johnson verimpft. Das kann er.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Wer in der Schweiz bislang noch nicht geimpft ist, muss kein Impfgegner sein. 

Wer in der Schweiz bislang noch nicht geimpft ist, muss kein Impfgegner sein.

Christian Charisius/dpa
Einige Personen konnten sich hierzulande einfach noch nicht impfen lassen, etwa schwere Allergiker. Sie sind von den Impfungen mit den mRNA-Impfstoffen ausgeschlossen.

Einige Personen konnten sich hierzulande einfach noch nicht impfen lassen, etwa schwere Allergiker. Sie sind von den Impfungen mit den mRNA-Impfstoffen ausgeschlossen.

REUTERS
Eine Alternative stellt für diese der Impfstoff von Johnson & Johnson dar, der ohne den Stoff auskommt, auf den Allergiker heftig reagieren können. 

Eine Alternative stellt für diese der Impfstoff von Johnson & Johnson dar, der ohne den Stoff auskommt, auf den Allergiker heftig reagieren können.

AFP

Darum gehts

  • Am 5. Oktober startet in der Schweiz die Impfkampagne mit dem Vakzin von Johnson & Johnson.

  • Von einigen Menschen wird der Impfstoff bereits sehnsüchtig erwartet.

  • Er funktioniert anders als die Präparate von Moderna und Biontech/Pfizer.

  • Und auch sonst gibt es Unterschiede zu den mRNA-Impfstoffen.

In der Schweiz zugelassen ist der Impfstoff von Johnson & Johnson (J&J) seit März 2021. Verfügbar ist Ad26.COV2.S bisher allerdings nicht. Am 5. Oktober soll sich das ändern. Dann soll die Impfkampagne mit dem Alternativimpfstoff gegen Covid-19 starten. Der Bund hat die Kantone über die Lieferung von rund 150’000 Impfdosen informiert. Es handelt sich dabei um einen Impfstoff, der anders funktioniert als die mRNA-Vakzine von Moderna und Biontech/Pfizer. In anderen Ländern, darunter Deutschland, ist er schon lange im Einsatz. Das weiss man über ihn.

Wie funktioniert der J&J-Impfstoff?

Bei Ad26.COV2.S handelt es sich um einen sogenannten Vektorimpfstoff. Das heisst: Ein für den Menschen harmloses Virus, das sich nicht vermehren kann, transportiert den Bauplan für das Spike-Protein des Coronavirus. Der Bauplan wird künstlich hergestellt und besteht im Fall der Covid-19-Impfung aus DNA. Der Transportstoff, das Vektorvirus, wird im Körper in kurzer Zeit abgebaut. So werden mittels des Vektors genetische Anweisungen an die Zellen übermittelt, ein bestimmtes Protein des Coronavirus zu produzieren. Auf diese Weise wird das Immunsystem auf die Bekämpfung des echten Coronavirus vorbereitet: Es bilden sich Antikörper und T-Zellen. Die mRNA-Impfstoffe erreichen das auf andere Weise (siehe Box).

So führen die mRNA-Impfstoffe zum Ziel

Während bei dem Impfstoff von Johnson & Johnson die von den Vektorviren in die Zelle gebrachte DNA erst im Zellkern zu mRNA umgeschrieben wird, wird bei den mRNA-Impfstoffen direkt mRNA in die Zelle gebracht. Danach läuft im Körper das Gleiche ab. Anstelle des Adenovirus ist der Wirkstoff bei den mRNA-Präparaten von Lipid-Partikeln (Fettkügelchen) umhüllt.

Ist Ad26.COV2.S genauso wirksam wie die mRNA-Impfstoffe?

Nein. Während die Vakzine von Moderna und Biontech/Pfizer nach der zweiten Dosis zu über 90 Prozent vor einer Covid-19-Infektion schützen, sind es bei dem Präparat von Johnson & Johnson nur durchschnittlich 66,9 Prozent, wobei Personen über 65 Jahren besser geschützt sind als Jüngere.

Für einen schwächeren Schutz als nach den mRNA-Impfstoffen sprechen auch wissenschaftliche Daten aus den USA. Demnach schützt das Präparat von Moderna am besten vor Spitalaufenthalten (93 Prozent), gefolgt vom Biontech/Pfizer-Impfstoff (88 Prozent) und Ad26.COV2.S (71 Prozent). Laut einer noch nicht begutachteten Studie, die jedoch die Delta-Variante berücksichtigt, liegt der Schutz sogar noch etwas höher. Demnach bietet Ad26.COV2.S einen 78-prozentigen Schutz vor Infektionen und einen 85-prozentigen vor Hospitalisierungen. Auch in dieser Untersuchung profitieren ältere Geimpfte mehr. Die Weltgesundheitsorganisation WHO befindet in einer Stellungnahme: Der Impfstoff ist «wirksam und schützt die Menschen vor den äusserst ernsten Risiken von Covid-19, einschliesslich Tod, Spitalaufenthalt und schwerer Krankheit.»

Kann es bei dem Impfstoff von Johnson & Johnson zu Impfdurchbrüchen kommen?

Ja, das zeigen unter anderem Daten des deutschen Robert-Koch-Instituts, wo der J&-J-Impfstoff bereits seit einigen Monaten im Einsatz ist. Laut diesen kommen auf eine Millionen mit Ad26.COV2.S geimpfter Personen etwa 2000 Impfdurchbrüche. Beim am häufigsten in Deutschland verwendeten Vakzin – Biontech/Pfizers Comirnaty – sind es etwa 675 Impfdurchbrüche pro eine Million vollständig Geimpfter.

Für wen ist Ad26.COV2.S besonders interessant?

Vor allem für schwere Allergiker und Personen, die in der Vergangenheit schon einmal einen allergischen Schock, eine sogenannte Anaphylaxie, erlitten haben. Sie sind von den Impfungen mit den mRNA-Impfstoffen ausgeschlossen. Entsprechende Warnungen wurden ausgesprochen, nachdem es vereinzelt entsprechende Vorfälle bei Personen gegeben hatte, nachdem sie Comirnaty verabreicht bekommen hatten.

Verantwortlich für die heftigen Reaktionen ist vermutlich der Inhaltsstoff Polyethylenglykol (PEG). Dieser Stoff gehört zu den vier unterschiedlichen Lipid-Nanopartikeln, die zur Herstellung der Fetthülle um die modifizierte Viren-mRNA verwendet werden. Diese Partikel ähneln den bereits seit Jahren pharmazeutisch eingesetzten Liposomen, die als Träger für Arzneistoffe dienen. In diesem Zusammenhang sind bereits schwere unerwünschte Reaktionen auf diese Medikamente bekannt. Im Impfstoff von Johnson & Johnson ist kein PEG enthalten. Entsprechend ist er zunächst Allergikern vorbehalten, wie «Blick» schreibt.

Hat Ad26.COV2.S weitere Vorteile?

Der J&J-Impfstoff ist zum einen lange bei Kühlschranktemperaturen haltbar. Die Anwendung ist damit einfacher als bei den Präparaten auf mRNA-Basis, die bei tieferen Temperaturen gelagert werden müssen. Zum anderen braucht es bei Ad26.COV2.S nur eine Impfdosis, um eine Schutzwirkung aufzubauen.

Bei Moderna und Pfizer/Biontech ist eine dritte Dosis im Gespräch. Braucht auch der J&J-Impfstoff eine Auffrischung?

Eine Booster-Dosis steht bei bei Ad26.COV2.S derzeit nicht zur Debatte. Laut Johnson & Johnson könnte eine solche aber durchaus Sinn machen. Dabei beruft sich das Unternehmen auf Studiendaten. Demnach steigt nach der zweiten Dosis die Wirksamkeit des Impfstoffes in den USA auf 94 Prozent.

Bei dem Impfstoff von AstraZeneca, ebenfalls ein Vektor-Impfstoff, kam es in seltenen Fällen zu gefährlichen Nebenwirkungen. Kann das auch bei Ad26.COV2.S passieren?

Wie bei AstraZenca gibt es auch im Zusammenhang mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson Berichte über einzelne Fälle von Sinusvenenthrombosen. Diese traten bei Ad26.COV2.S in weniger als 0,01 Prozent der Fälle auf. Wie selten diese Nebenwirkung ist, zeigt auch der Blick in die USA. Bei rund 6,8 Millionen verabreichten J&J-Dosen kam es in sechs Fällen zu einer Sinusvenenthrombose. Sowohl die WHO als auch die europäische Arzneimittelbehörde EMA bewerten den Impfstoff als sicher und wirksam.

Welche Nebenwirkungen sind sonst noch bekannt?

Die häufigsten Reaktionen nach der Impfung sind ähnlich wie bei den mRNA-Vakzinen: Druckempfindlichkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle (40 Prozent), Kopfschmerzen, grippeähnliche Symptome (mehr als 30 Prozent), Übelkeit (mehr als zehn Prozent) und Fieber (bis zu zehn Prozent). Ältere Menschen sind seltener davon betroffen als jüngere. Dabei handelt es sich allerdings weniger um Nebenwirkungen als um sogenannte Impfreaktionen, die zeigen, dass das Immunsystem arbeitet und einen Schutz gegen das Virus aufbaut. Sie halten nur kurze Zeit an und klingen von selbst wieder ab.

In sehr seltenen Fällen kann der J&J-Impfstoff das Guillain-Barré-Syndrom auslösen. Die entzündliche neurologische Erkrankung führt zu Muskelschwäche bis hin zu Lähmungen. Die meisten Patientinnen und Patienten erholen sich wieder. Auch bei einigen Grippe-Impfungen wurde ein Auftreten des Syndroms beobachtet.

Für wen ist der Johnson & Johnson-Impfstoff in der Schweiz zugelassen?

Für Personen ab 18 Jahren. Jedoch ist er zunächst einmal nur für jene gedacht, die nachweisen können, dass sie nicht mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe geimpft werden können.

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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