Selbstmord im Live-TV: Das spektakuläre Ende eines Folterers
Aktualisiert

Selbstmord im Live-TVDas spektakuläre Ende eines Folterers

Bizarres Interview mit grausigem Ende: Während sein Haus von der Gendarmerie umstellt wurde, schoss sich ein ehemaliger Polizist vor laufender Kamera in den Kopf.

«Willkommen», sagte Mario Ferreyra den Reportern von «Cronica TV», «weil ihr etwas zeigen werdet, das real ist.» Sekunden später schoss sich der Mann in die Stirn. Das Blut bespritzte einen seiner Söhne, der aufschrie und den sterbenden Vater umarmte. Der ehemalige Polizist Ferreyra, auch als «Malevo Ferreyra» (zu deutsch «Bösewicht Ferreyra») bekannt, hätte in den nächsten Augenblicken von einem Sonderkommando der argentinischen Gendarmerie festgenommen werden sollen. Der siebenfache Vater war der Folter und Vergewaltigung während der argentinischen Militärdiktatur beschuldigt.

Eine lange Karriere als Bösewicht

Die blutige Szene spielte sich am Freitag auf dem Dach seines Hauses ab, in der argentinischen Provinz Tucuman, im Norden des Landes. Für die Behörden war Ferreyra kein Unbekannter. Als Polizeikommissar hatte er in der kleinen Stadt San Andres mit eiserner Hand regiert.

Der ehemalige Polizist kam 1993 zum ersten Mal in die Medien, als er während eines Prozesses aus dem Gerichtssaal flüchtete. Er war wegen Mordes an drei Männern im Jahre 1991 verurteilt worden. Nachdem er 79 Tage im Busch verschwunden war, wurde er festgenommen. Doch nach viereinhalb Jahren kam er wieder frei – dank einer Begnadigung, die von einem anderen bekannten Folterer der Diktatur ausgesprochen wurde: Antonio Bussi.

Im Jahr 2006 wurde Ferreyra wieder festgenommen, diesmal wegen illegalem Waffenbesitz und Morddrohungen. Doch auch jetzt kam er nach kurzer Zeit wieder frei.

Am 11. November 2008 ordnete ein Richter erneut seine Verhaftung an – wegen Freiheitsberaubung und Vergewaltigung.

Nun hat der Schuss seine lange Karriere als Bösewicht beendet. Erstaunlicherweise wurden Ferreyras sterbliche Überreste auf ihrem letzten Weg von 750 Menschen aus der Region begleitet.

(kle)

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