SRG unter Beschuss: Das SRF soll Politik statt Glamour zeigen
Aktualisiert

SRG unter BeschussDas SRF soll Politik statt Glamour zeigen

Die SRG-Sender berichten im Vergleich zu ARD oder ZDF spärlich über Politik, wie eine neue Studie belegt. Volksvertretern passt das nicht.

von
B. Zanni
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Im deutschen Fernsehen kommen viele Schweizer Politiker als Zuschauer auf ihre Kosten.

Im deutschen Fernsehen kommen viele Schweizer Politiker als Zuschauer auf ihre Kosten.

Dirk Uhlenbrock
Die SRG werde ihrem Service Public Auftrag nicht gerecht, sagt Natalie Rickli (SVP), Präsidentin der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen. «Wenn etwas Service Public ist, dann sind das Information und Politik.»

Die SRG werde ihrem Service Public Auftrag nicht gerecht, sagt Natalie Rickli (SVP), Präsidentin der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen. «Wenn etwas Service Public ist, dann sind das Information und Politik.»

Keystone/Peter Schneider
SP-Nationalrätin Martina Munz: «Etwa in der Sendung 10vor10 werden relativ wenig politische Themen aufgegriffen. Zudem werden diese oberflächlich und unterhaltsam präsentiert.» Insbesondere braucht es mehr aussenpolitische Hintergrundsendungen.

SP-Nationalrätin Martina Munz: «Etwa in der Sendung 10vor10 werden relativ wenig politische Themen aufgegriffen. Zudem werden diese oberflächlich und unterhaltsam präsentiert.» Insbesondere braucht es mehr aussenpolitische Hintergrundsendungen.

Keystone/Gaetan Bally

«Mini Beiz, dini Beiz» oder «Glanz & Gloria» anstatt «Arena» oder «Classe Politique»: Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG hinkt in der Berichterstattung über Politik den deutschen Pendants ARD und ZDF hinterher. Eine neue deutsche Studie kommt laut der «Aargauer Zeitung» zum Schluss, dass das Deutschschweizer TV-Publikum auf SRF 1 in der Betrachtungsperiode nur während zwei Stunden pro Tag über Politik informiert wurde. Bei der ARD waren es rund doppelt so viele (siehe Box).

Medien- und Kulturpolitiker üben am TV-Angebot des öffentlichen Medienhauses scharfe Kritik. Die SRG werde dem Service-public-Auftrag nicht gerecht, sagt Natalie Rickli (SVP), Präsidentin der Aktion Medienfreiheit. «Wenn etwas Service public ist, dann sind das Information und Politik.» Stattdessen setze die SRG zunehmend auf Talentshows, Serien und Quiz-Sendungen. Auch SP-Nationalrätin Martina Munz warnt: «Die News-Formate des Fernsehens sollen nicht zu Unterhaltungssendungen für die Spassgesellschaft verkommen.» In den Politbeiträgen der SRG fehlten ihr vielfach Tiefgang und Breite. Die Informationssendungen seien oft boulevardesk aufgemacht.

«Deutsche als Vorbild»

«Wir haben die Tagesschau, ‹10vor10›, die ‹Arena›, die ein Auslaufmodell ist, die ‹Rundschau› und damit hat es sich schon», sagt SVP-Nationalrat Felix Müri. Fundierte politische Berichte finde er im Nachbarland. Thierry Burkart (FDP): «Mit ihren hervorragenden Diskussionssendungen machen uns die Deutschen politische Berichterstattung auf sehr hohem Niveau vor.»

«Billag-Gebühren nur für ‹Happy Day›»

Die Studie erscheint zu einem heiklen Zeitpunkt. Anfang Jahr kam die No-Billag-Initative zustande, über die das Volk bald abstimmen wird. Felix Müri hält es für vernünftig, wenn die Nutzer nur noch die konsumierten Programme bezahlen müssen. «Es kann nicht sein, dass unsere Billag-Gebühren vor allem auf das Konto von ‹Happy Day› und ‹Glanz und Gloria› gehen.»

Natalie Rickli schlägt vor, die Anzahl der SRG-Sender zu halbieren. Das Staatsfernsehen müsse keine Unterhaltungsshows bieten. «So kann die SRG ihren Auftrag erfüllen und die Gebühren halbieren.» Laut Thierry Burkart müssen die jährlich 1,3 Milliarden Billag-Einnahmen für qualitativ hochstehende Sendungen reichen. «Wenn es nur noch darum geht, Geld zu verdienen, sollte man sich überlegen, ob ein Schweizer Staatsfernsehen noch gerechtfertigt ist.»

CVP-Nationalrat Martin Candinas warnt jedoch davor, dass die SRG zum «Polit-Fernsehen verkommt». Die politischen Beiträge solle man erhöhen, jedoch mit Mass. «Ansonsten suchen politikverdrossene Zuschauer das Weite auf Privatsendern mit vorwiegend Sendungen à la ‹Bauer ledig sucht›.»

SRG fehlen die Mittel

Die SRG weist die Kritik zurück. Mit dem Vergleich während einer einzigen Woche basiere die Studie auf einer schmalen Grundlage für allgemeine Schlüsse, sagt Sprecher Daniel Steiner. Zudem liege die Studie drei Jahre zurück. «Seit 2015 investiert die SRG wesentlich mehr Geld in die politische Berichterstattung.»

Er hält auch fest: «Die ARD hat ein Budget von umgerechnet rund 8,4 Milliarden Franken, das ZDF von 2, 7 Milliarden Franken, die SRG SSR eines von 1,6 Milliarden Franken für Radio und Fernsehen in vier Sprachen.» Dies sei der einzige Grund, weshalb die SRG SSR weniger politische Sendungen produzieren könne. Aus der Kritik von links bis rechts zieht er ein positives Fazit: «Dies ist ein klares Indiz für politisch ausgewogene Programme.»

Eine Stunde Politik für die Romands

Wissenschaftler der Freien Universität Berlin verglichen im April 2013 während einer Woche das Programm der ersten Kanäle von SRF, RTS und RSI mit jenem der deutschen Sender ARD und ZDF.

In der Romandie versorgte RTS 1 das Publikum nur eine Stunde, im Tessin auf RSI 1 zweieinhalb Stunden mit politischen Informationen. Beim ZDF belief sich die Dauer der täglichen Politikberichterstattung hingegen auf rund drei Stunden.

Der Anteil der Politikberichterstattung bewegt sich zwischen 4,5 Prozent in der Westschweiz, 8,8 Prozent in der Deutschschweiz und 10,8 Prozent im Tessin. In Deutschland macht die ARD in 16 Prozent ihrer Sendezeit Politik zum Thema. Beim ZDF sind es 12,7 Prozent.

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