10.07.2015 11:52

Aufwachen!

Das SRF verschläft regelmässig Trends

Gestern hatte die SRF-Serie «Urban Gardening» Premiere. Was als aktueller Trend verkauft wird, ist in Tat und Wahrheit schon über zehn Jahre lang angesagt.

von
Lucien Esseiva
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Seit Donnerstag sendet das SRF die Serie «Urban Gardening» und beleuchtet alle Facetten des städtischen Begrünens.

Seit Donnerstag sendet das SRF die Serie «Urban Gardening» und beleuchtet alle Facetten des städtischen Begrünens.

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Doch der Trend ist schon jahrealt. Das Zürcher Trendlokal Frau Gerolds Garten betreibt Urban Gardening schon im vierten Sommer, in Berlin existiert gar seit 2003 eine Professur zu diesem Thema.

Doch der Trend ist schon jahrealt. Das Zürcher Trendlokal Frau Gerolds Garten betreibt Urban Gardening schon im vierten Sommer, in Berlin existiert gar seit 2003 eine Professur zu diesem Thema.

2013 sendete das SRF zehn Stunden live aus dem Zürcher Kreis 5. Doch zu diesem Zeitpunkt war die Szene längst an der Langstrasse oder im Kreis 3 unterwegs.

2013 sendete das SRF zehn Stunden live aus dem Zürcher Kreis 5. Doch zu diesem Zeitpunkt war die Szene längst an der Langstrasse oder im Kreis 3 unterwegs.

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In sieben Folgen zeigt die neue SRF-Serie «Urban Gardening» die Facetten des städtischen Gärtnerns. Die Serie startete gestern Abend mit «Guerilla Gardening: Wie die Stadt heimlich befruchtet wird», nächste Woche widmet sich die Sendung den Selbstversorgern und die Woche darauf werden Stadtbienen zum Thema.

Städtisches Gärtnern ist absolut sinnvoll und spannend. Nur: Urban Gardening ist ein Trend, der seit Jahren die Metropolen dieser Welt erobert. In Zürich praktiziert das In-Lokal Frau Gerolds Garten Urban Gardening bereits im vierten Jahr und unsere Eltern holten sich ihr Gemüse schon vor Jahrzehnten aus dem Schrebergarten. An der Humboldt-Universität in Berlin besteht sogar seit 12 Jahren eine Professur für urbanen Gartenbau.

«Zürich-West» fünf Jahre zu spät

Das SRF greift für seine Sonderserie also ein Thema auf, dass die besten Jahre schon hinter sich hat. Mittlerweile gehört das Begrünen und Bepflanzen von Dachterrassen, Balkonen und allen anderen urbanen Flächen fast zum guten Ton. Utensilien für dieses Hobby führt jeder gut sortierte Baumarkt.

Ähnlich spät realisierte das SRF, dass das Zürcher Industrie-Quartier Kreis 5 ein Trendquartier geworden ist. 2013 sendeten sie zehn Stunden live aus dem Frau Gerolds Garten, zeigten das Nachtleben, sprachen mit Partygängern und Pop-up-Store-Machern. «Zürich-West» war ebenfalls eine spannende, tadellos produzierte Sendung – aber eben auch gute fünf Jahre zu spät. 2013 war die Szene längst abgewandert und hatte die Langstrasse (Kreis 4) und Wiedikon (Kreis 3) zu den neuen Trendquartieren auserkoren.

Auch bei Shows ist das SRF nicht gerade flink

Die Uhren beim öffentlich-rechtlichen TV-Sender laufen auch bei Casting- und Realityshows etwas langsamer als bei anderen Stationen. Das SRF traute sich zum Beispiel erst an «The Voice» heran, als das Format schon zwei Jahre erfolgreich auf Prosieben gelaufen war. Auch die Adaption von «Mini Beiz, dini Beiz» vom Kabel-1-Format «Mein Lokal, dein Lokal» dauerte im Leutschenbach gute zwei Jahre.

SRF-Programmentwickler Martin Schilt ist nicht der Meinung, dass man Themen verschlafe. Gegenüber 20 Minuten äussert er sich so: «SRF berichtet regelmässig und zeitnah über aktuelle Trends. So gab es in den vergangenen Jahren zahlreiche Beiträge, die Urban Gardening thematisierten. Für eine eigene Sendung oder Serie muss eine Bewegung jedoch in der Gesellschaft verbreitet und etabliert sein.»

«Urban Gardening» läuft ab dem 9. Juli bis am 20. August, jeweils donnerstags um 22.15 Uhr auf SRF 1.

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