18.03.2019 09:28

Schande von Sion

Das steckt hinter dem Frust der GC-Anhänger

Der Spielabbruch in Sitten hat eine Vorgeschichte – so soll auch die Club-Führung ihren Anteil an der Eskalation haben.

von
tzi

Die Super-League-Partie zwischen dem FC Sion und den Grasshoppers wurde nach 55 Minuten abgebrochen. Wiederholt waren Petarden und Pyro-Material auf das Spielfeld geworfen worden. Nach dem Spielabbruch rief GC-Präsident Stephan Anliker nach Hilfe von Staat und Verband und sprach von «wilden Tieren» und «fremden Gesichtern im GC-Fanblock» – er wollte andeuten, dass es sich um Krawalltouristen handelte.

Dies ist gemäss Informationen des «Tages-Anzeigers» jedoch falsch. Es sollen die gleichen GC-Anhänger im Gästeblock gewesen sein wie bei jedem anderen Auswärtsspiel auch. Vielmehr soll es Ausdruck des puren GC-Fan-Frusts gewesen sein, der am Samstag zum provozierten Spielabbruch führte. Mit der Aktion will man den Club zum direkten Dialog zwingen – eine zumindest zweifelhafte Taktik.

GC-Führung sagte Treffen ab

Diesen direkten Dialog mit der Clubführung suchen die Fans seit längerem. Einerseits trugen die Fan-Skandale der letzten Wochen – Nazibanner in der Kurve, Randale in Thun – nicht zu einer Entspannung des Verhältnisses Vorstand/Fankurve bei, andererseits hat die GC-Führung durch die sportliche Talfahrt bereits eine Unzahl anderer Baustellen zu bearbeiten. Die Fans scheinen bei der Führung nicht die oberste Priorität zu haben.

Anfang Februar veröffentlichte die GC-Kurve einen Forderungskatalog an den Club: Umzug der Geschäftsstelle zurück in die Stadt Zürich, Rückkehr zum alten Trikotdesign, mehr Anerkennung, Präsenz mit Events in der Stadt Zürich und die Schaffung eines Fan-Beirats. Letzte Woche wurde ein von der Führung anberaumtes Treffen mit den Fans kurzfristig von Clubseite abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben.

Und so schien sich ein Teil der GC-Anhänger im Tourbillon nach einer enttäuschenden ersten Halbzeit ihres Teams gedacht zu haben, dass eine Niederlage nicht mehr abzuwenden sei und man eine Forfait-Niederlage in Kauf nehme, um ein Zeichen zu setzen. Doch dass diese Taktik zum Erfolg – also zur Förderung des direkten Dialogs mit dem Club – führt, ist schier unmöglich. Der Graben zwischen Führung und Fans dürfte grösser denn je sein.

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