Gestiegener Euro-Anteil: Das steckt hinter dem Milliarden-Gewinn der SNB
Aktualisiert

Gestiegener Euro-AnteilDas steckt hinter dem Milliarden-Gewinn der SNB

Vor einem Jahr in den roten Zahlen, jetzt 6,5 Milliarden Franken Gewinn: Die Nationalbank hat die Kehrtwende geschafft. Doch hinter den guten Zahlen schlummert ein grosses Risiko.

von
Balz Bruppacher
Die Schweiz darf feiern: Die Nationalbank macht dank dem Euromindestkurs Gewinn, Bund und Kantonen winkt eine Milliarde. Im Bild: 1.-August-Feier in Basel 2011.

Die Schweiz darf feiern: Die Nationalbank macht dank dem Euromindestkurs Gewinn, Bund und Kantonen winkt eine Milliarde. Im Bild: 1.-August-Feier in Basel 2011.

Mitte 2011 klaffte in der Kasse der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ein tiefes Loch: 10,8 Milliarden Halbjahresverlust und ein Minus von 5 Milliarden Franken im Reservetopf für die Gewinnausschüttung. Bund und Kantone richteten sich auf eine Nullrunde ein.

Ein Jahr später sieht alles wieder ganz anders aus: Zum Halbjahresgewinn von 6,5 Milliarden Franken kommen 3,9 Milliarden Franken in der Ausschüttungsreserve. Wie wurde diese Kehrtwende möglich?

Kursverluste eingeschränkt

Der wichtigste Grund ist der Mindestkurs von 1.20 Franken für den Euro, den die Währungshüter seit bald einem Jahr eisern verteidigen. Damit schränkte die Nationalbank die Gefahr von Kursverlusten auf den hohen Euro-Beständen ein.

Geholfen hat zudem, dass sich der Franken zum Dollar und zum englischen Pfund abschwächte. Im ersten Halbjahr machten die wechselkursbedingten Verluste nur noch 0,3 Milliarden Franken aus, verglichen mit 11,7 Milliarden Franken in der gleichen Periode des Vorjahres.

Gold wirft Erträge ab

Der zweite Grund für den Gewinnschub liegt bei den rekordhohen Devisenanlagen. Auf diesen Fremdwährungspositionen kassierte die Nationalbank Zins- und Dividendenerträge sowie Kursanstiege und Kapitalgewinne in der Höhe von 5,5 Milliarden Franken. Das ist deutlich mehr als im ersten Halbjahr 2011 (1,9 Mia.).

Drittens schenkte der gestiegene Goldpreis einen Buchgewinn von 1,3 Milliarden Franken auf den 1040 Tonnen Gold ein, die die Nationalbank als Reserve hält. Schliesslich hat auch der Stabilisierungsfonds mit den 2008 von der UBS übernommenen Giftpapieren einen Gewinnbeitrag von 73 Millionen Franken geliefert.

Keine Garantie vor tiefen Löchern

Gehören die Milliardenverluste der Nationalbank damit definitiv der Vergangenheit an? Das lässt sich nicht prognostizieren. Veränderungen der Wechselkurse und des Goldpreises wie auch der Kurse von Staatsanleihen könnten rasch wieder tiefe Löcher in die SNB-Rechnung reissen. Die Nationalbank warnt den auch ausdrücklich davor, dass aus dem Halbjahresergebnis nur bedingt Rückschlüsse auf das Resultat für das ganze Jahr möglich seien.

Das grösste Risiko betrifft sicher die massiv gestiegenen Devisenreserven. In den ersten sechs Monaten wuchs der Berg um 108 Milliarden auf eine Rekordhöhe von 365 Milliarden Franken. Ein grosser Teil der Zunahme ist gemäss SNB auf die Interventionen zur Verteidigung des Mindestkurses zurückzuführen.

SNB ist tief mit Euro-Schicksal verbunden

Die massiven Eurokäufe im Mai und Juni führten dazu, dass der Anteil von Euro am gesamten Devisenbestand Mitte Jahr auf 60 Prozent stieg. Ende März hatte der Euro-Anteil nur 51 Prozent ausgemacht. Der Dollar-Anteil ging gleichzeitig von 28 auf 22 Prozent zurück. Mit anderen Worten: Die Nationalbank ist noch stärker mit dem Schicksal des Euro verbunden. Mitte Jahr hielt die SNB 182,5 Milliarden Euro. Würde der Mindestkurs von 1.20 Franken preisgegeben, entstünde bei jedem Rappen Kursrückgang ein Verlust von fast 2 Milliarden Franken.

Hält die Euro-Untergrenze oder kommt es sogar zu einer Erholung der Einheitswährung, sieht es für Bund und Kantone aber günstig aus. Seit letztem November gilt nämlich folgende neue Regelung für die Gewinnausschüttung der Nationalbank: Ist in der Ausschüttungsreserve der Nationalbank genug Geld vorhanden, erhalten Bund (1/3) und Kantone (2/3) bis 2015 jedes Jahr eine Milliarde Franken von der SNB.

Zweistelliger Milliardengewinn?

Sind nach der Überweisung dieser Milliarde noch mehr als 10 Milliarden Franken im Reservetopf, wird die Ausschüttung erhöht. Damit diese Schwelle überschritten wird, bräuchte es allerdings einen zweistelligen Milliardengewinn im ganzen Jahr 2012. Denn auch die Rückstellungen für Währungsreserven müssen mit gut drei Milliarden Franken dotiert werden.

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