Das steckt hinter den langen Nachspielzeiten bei der WM 2022

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Katar 2022Das steckt hinter den extrem langen Nachspielzeiten bei der WM

Dass nach 90 Minuten noch etwas Spielzeit draufgepackt wird, ist ja nichts Neues. An der Fussball-Weltmeisterschaft in Katar sind die Nachspielzeiten bislang aber besonders lang.

von
Silvan Haenni

Erst in der 99. Minute: Niederländer Klaassen macht gegen Senegal den Sack zu.

Video: SRF

Darum gehts

  • Bei der noch jungen WM in Katar fällt auf: Es gibt extrem lange Nachspielzeiten am Ende der Halbzeiten.

  • Dahinter steckt das Bestreben der Fifa, die effektive Spielzeit nahe an den vorgesehenen 90 Minuten zu halten.

  • Laut Schiedsrichter-Legende Pierluigi Collina werden so viele Nachspielminuten an der WM zum Normalfall.

Die WM in Katar ist noch jung. Doch bereits jetzt hat das Turnier in Katar seine ersten Diskussionspunkte. Einer davon sind die langen Nachspielzeiten. Zwischen England und Iran (6:2) etwa fallen gleich acht Tore – das letzte davon in der 13. Minute der Nachspielzeit.

Tatsächlich wurde beim zweiten Spiel der WM in Katar eine Nachspielzeit von offiziell 24 Minuten – 14 nach der ersten und zehn nach der zweiten Halbzeit – angezeigt, die dann nochmals überzogen wurde. 

Das Tor von Irans Mehdi Taremi (90.+13) war das späteste Tor einer Weltmeisterschaft in regulärer Spielzeit, das seit detaillierter Datenaufzeichnung von 1966 gemessen wurde. Das Tor des Niederländers Davy Klaassen (90.+9) nur eine Begegnung später war demnach der zweitspäteste Treffer.

Fans sollten sich dran gewöhnen

Auf lange Nachspielzeiten sollten sich Fans bei diesem Turnier grundsätzlich einstellen, wie Schiedsrichterchef Pierluigi Collina vom Fussball-Weltverband Fifa bereits vor dem Turnier angekündigt hatte.

«Wir werden die Nachspielzeit sehr sorgfältig kalkulieren und versuchen, die Zeit auszugleichen, die durch Zwischenfälle verloren geht», sagte Collina. Der 62-jährige Italiener weiter: «Wir wollen nicht, dass es in einer Halbzeit nur 42 oder 43 Minuten aktives Spiel gibt, das ist nicht akzeptabel.»

Entsprechend soll die Zeit, die durch Torjubel, Auswechslungen, Verletzungen oder Platzverweise verloren geht, in jedem Fall nachgespielt werden. «Sieben, acht, neun Minuten Nachspielzeit» seien in einem normalen WM-Spiel in Katar durchaus zu erwarten, so Collina.

England – Iran dennoch Extremfall

In der Partie zwischen England und Iran wurde diese grobe Massgabe nun sogar gleich nach beiden Halbzeiten überboten – allerdings auch wegen des sehr ereignisreichen Spiels.

Zu den insgesamt acht Toren kamen unter anderem noch eine längere Behandlungspause für den verletzten iranischen Nationaltorhüter Ali Beiranvand (30) und eine Entscheidung durch den Videobeweis, bei der sich Referee Raphael Claus (43) eine Szene selbst noch einmal ansah.

Aber auch abseits dieses Extremfalls schenkt die neue Handhabe ein. Bei USA gegen Wales (1:1), dem dritten Spiel vom Montag, gab es am Ende neun Minuten obendrauf. Und am Dienstag ging es bei der Sensation der Saudis gegen Argentinien im gleichen Stil weiter: Ganze 14 Minuten musste der Aussenseiter gegen Messi & Co. noch verteidigen, um das 2:1 über die Zeit zu retten. Damit wird wohl auch den ganzen Zeitschindereien vorübergehend der Garaus gemacht. 

Was hältst du von den langen Nachspielzeiten?

Das späteste Tor der noch jungen WM: Irans Taremi trifft gegen England vom Punkt. Gespielt sind bereits über 100 Minuten.

Video: SRF

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