14.01.2019 10:49

Growth Hacker und Cool Hunter

Das steckt hinter diesen absurden Job-Titeln

Wissen Sie, was ein First Impression Manager macht? Oder ein Cool Hunter? Diese absurd klingenden Job-Titel gibt es wirklich.

von
R. Knecht

Diese komischen Berufsbezeichnungen gibt es tatsächlich. Was steckt dahinter? (Video: 20M)

Ob «Brand Evangelist» oder «Chief Happiness Officer» – moderne Stelleninserate klingen oft etwas schräg: Gerade bei Bürojobs sind die Firmen teils kreativ, wenn es um die Berufsbezeichnung geht (siehe Video oben). «Wer Stelleninserate studiert, braucht ein Englisch-Wörterbuch», schreibt die Zürcher Kantonalbank in ihrem Kundenmagazin. Aber selbst wenn man die Sprache versteht, ist oft nicht klar, was sich hinter den Jobs verbirgt.

Personalmarketing-Experte Jörg Buckmann findet es zwar gut, dass Firmen versuchen, von langweiligen Normen wegzukommen: «Bei der Berufsbezeichnung ist das aber kontraproduktiv», sagt er zu 20 Minuten. Dadurch werde es für Jobsuchende schwieriger, die Inserate überhaupt zu finden. «Eigentlich sollte man im Inserat überall kreativ und witzig sein ausser eben bei der Stellenbezeichnung.»

«Bei der Stellenbezeichnung sollte man nicht kreativ sein.»

Wenn man nicht weiss, was genau gemeint ist, bringt alle Kreativität nichts. Diese fünf Beispiele überforderten sogar den Experten:

«First Impression Manager» (dt.: «Manager des ersten Eindrucks»)

Das versteht Buckmann: Callcenter oder Verkauf

Das ist gemeint: Menschen mit diesem Job-Titel sitzen beispielsweise an der Rezeption von Hotels oder grossen Firmen, es handelt sich also in der Regel um Rezeptionisten. Von daher sei der Begriff auch treffend, sagt Buckmann: «Es gibt kaum einen Beruf, in dem der erste Eindruck einer Einzelperson so viel ausmacht wie an der Rezeption.» Er bezweifelt aber, dass Rezeptionisten nach so ausgeschriebenen Stellen suchen würden.

«Growth Hacker» (dt.: «Wachstumshacker»)

Das versteht Buckmann: Gärtner

Das ist gemeint: Ein Wachstumshacker soll mit seinem technischen Know-how Wege finden, um mit möglichst niedrigen Kosten der Firma zum Wachstum zu verhelfen. Growth Hackers kombinieren in erster Linie IT-Wissen mit Marketing. Ein Beispiel für einen Growth Hack: Der Cloud-Service Dropbox bietet seinen Kunden mehr Speicherplatz an, wenn sie weitere Kunden anwerben.

«Chief Listening Officer» (dt.: «Generaldirektor des Zuhörens»)

Das versteht Buckmann: Pfarrer oder Psychologe

Das ist gemeint: Oft betonen Firmen, dass sie auf ihre Kunden hören. Bei manchen Unternehmen gibts dafür sogar extra eine Stelle. Der Chief Listening Officer (CLO) ist in der Regel für die Social-Media-Strategie einer Firma zuständig. Viele typische PR-Aufgaben gehören ebenfalls zum Profil: Der CLO verfolgt Konversationen online und gibt relevante Informationen ans Marketing-Team und andere Stellen weiter. Wer schon einmal eine Antwort von einer Firma auf Twitter erhalten hat, hatte es wahrscheinlich mit einem dieser professionellen Zuhörer zu tun.

«Cool Hunter» (dt.: «Cool-Jäger»)

Das versteht Buckmann: Kältemonteur

Das ist gemeint: Der Cool Hunter will eine Frage beantworten: Was ist gerade so richtig cool? Darum nennt man diesen Marketing-Job oft auch «Trend Spotting» (dt.: «Trends entdecken»). In diesem Beruf muss man sich insbesondere mit jungen Zielgruppen auseinandersetzen. Was beschäftigt sie, was ist ihnen wichtig und vor allem: Wie kann man sie von der eigenen Firma und deren Produkten überzeugen? Laut Buckmann nannte man diese Form von Marketing früher Jugendmarketing: «Jetzt soll es wohl noch etwas cooler tönen.»

«Ethical Hacker» (dt.: «Ethischer Hacker»)

Das versteht Buckmann: Spezialist für Corporate Governance

Das ist gemeint: Weil Hacking nach illegaler Aktivität klingt, suchen Firmen lieber nach Ethical Hackers. Diese Computer-Cracks sind darauf spezialisiert, Sicherheitslücken zu finden – aber nicht, um sie auszunutzen, sondern um die betroffene Firma zu warnen und dabei zu helfen, das Loch zu stopfen. Da die IT-Branche sehr spezialisiert ist, glaubt Buckmann, dass solche Spezialbezeichnungen hier durchaus sinnvoll sind. Wem das Konzept eines ethischen Hackers noch zu abstrakt ist, kann diese Berufsgruppe auch als «White Hat Hackers», also Hacker mit weissen Hüten, bezeichnen.

Selbsternannter «Innovation Sherpa» (dt.: «Neuerungssherpa»)

Sherpas sind Angehörige eines tibetanischen Volksstammes, die für ihre Bergsteigkunst bekannt sind. Demnach wäre ein «Innovation Sherpa» wohl jemand, der die Hürden der Zukunft bestreitet. Von 2013 bis 2016 hatte Microsoft so einen Sherpa. Wie eine Sprecherin zu 20 Minuten sagt, bezeichnete sich der Angestellte, William Bunce, selbst so. Der offizielle Titel sei «Dynamics CRM Solution Specialist», ein Verkaufsjob. Verständlich, dass Bunce sich nach einer etwas prägnanteren Bezeichnung umschaute. Heute ist er übrigens Digital Transformation Sherpa bei einer US-Software-Firma, wie aus seinem LinkedIn-Profil hervorgeht. Personalmarketing-Experte Jörg Buckmann findet Bunces Vorgehen clever: «So kommt er von der langweiligen Berufsbezeichnung weg und vermarktet sich selbst mit einem Augenzwinkern.»

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