Aktualisiert 10.11.2019 14:51

Das steckt hinter Gaslighting

Fast jeder wird irgendwann bewusst oder unbewusst manipuliert. Das kann durch die Eltern passieren, in einer Partnerschaft oder auch am Arbeitsplatz.

von
gss
10.11.2019
Der Begriff «Gaslighting» erschien erstmals 1938. Damals beschrieb das Theaterstück «Gas Light» des britischen Dramatikers Patrick Hamilton die gezielte Manipulation einer Frau durch ihren Ehemann.

Der Begriff «Gaslighting» erschien erstmals 1938. Damals beschrieb das Theaterstück «Gas Light» des britischen Dramatikers Patrick Hamilton die gezielte Manipulation einer Frau durch ihren Ehemann.

Andreypopov
Über einen langen Zeitraum hinweg bestreitet er, Dinge zu sehen, die sie wahrnimmt. Einer dieser Gegenstände ist die namensgebende flackernde Gaslaterne.

Über einen langen Zeitraum hinweg bestreitet er, Dinge zu sehen, die sie wahrnimmt. Einer dieser Gegenstände ist die namensgebende flackernde Gaslaterne.

Tzahiv
Der Ehemann treibt die Manipulation so weit, dass die Frau an sich und ihrer Wahrnehmung zu zweifeln beginnt. Sie steht kurz vor dem Wahnsinn. Das Theater wurde später unter dem Titel «Gaslight»verfilmt.

Der Ehemann treibt die Manipulation so weit, dass die Frau an sich und ihrer Wahrnehmung zu zweifeln beginnt. Sie steht kurz vor dem Wahnsinn. Das Theater wurde später unter dem Titel «Gaslight»verfilmt.

Hast du in deiner Beziehung manchmal das Gefühl, den Verstand zu verlieren?

Betroffene von Gaslighting merken oft sehr spät oder im schlimmsten Fall gar nicht, dass sie falsch und unfair behandelt werden. Preston Ni, Autor des Buches «How to Successfully Handle Gaslighters and Stop Psychological Bullying», fasst in seinem Buch zusammen, wie man das Phänomen Gaslighting erkennen kann, um sich frühzeitig Beratung und Hilfe zu holen.

1. Lügen über eine Person verbreiten

Gaslighter bringen ihre Opfer gerne in Erklärungsnot, indem sie sie beispielsweise vor anderen peinlich oder schlecht da stehen lassen oder in unangenehme Geschichten verwickeln. Auch die Verbreitung von Lügen, für die sich die Betroffenen anschliessend rechtfertigen muss, gehören dazu. Die Folge: Die Person bekommt den Stempel verrückt aufgedrückt.

(«Natürlich habe ich das erwähnt, dann hast du es halt vergessen!»)

2. Steter Tropfen höhlt den Stein

Zur gemeinen Vorgehensweise eines Gaslighters gehört auch die Wiederholung. Dadurch, dass er seinem Opfer immer wieder die gleichen Lügen erzählt, glaubt der oder die Betroffene sie irgendwann sogar selbst. («Du bist einfach viel zu sensibel.»)

3. Wenn es plötzlich eskaliert

Auch wenn sich der Manipulierende seiner Schuld durchaus bewusst ist, gibt er sein Fehlverhalten nicht zu, sondern kann ziemlich schnell aufbrausend oder cholerisch werden. Eine beliebte Masche ist auch, das Gegenüber als nicht zurechnungsfähig darzustellen und ihr oder ihm zu unterstellen, sich etwaige Anschuldigungen nur einzubilden. (Wenn du mich liebst, würdest du mir glauben.»)

4. Abhängigkeit erzeugen

Neben ständigen Erniedrigungen können Gaslighter natürlich auch Nähe herstellen, Geborgenheit und Sicherheit geben. Vermeintlich. Sie wissen genau, wie sie ihre Opfer binden und sie emotional abhängig machen. («Ich würde alles für dich tun, im Gegensatz zu deiner Familie.»)

5. Taktische Gehirnwäsche

Wenn jemand eine andere Person über längere Zeit systematisch schlecht behandelt, immer wieder alles zu den eigen Gunsten dreht und dabei sehr taktisch vorgeht, ist das nichts anderes eine lupenreine Gehirnwäsche. («Schau dich doch mal an, dir glaubt doch eh niemand.»)

6. Krankhaftes Ausleben von Dominanz

Der eigentlich Kranke in solch einer verqueren Beziehung ist der Gaslighter, denn er weist einen enorm Zwang auf, Macht und Kontrolle über eine andere Person auszuüben. Durch Methoden der emotionalen Manipulation hat er oder sie sein Gegenüber im Griff und kann quasi alles mit ihm machen. Deshalb wird er alles tun, damit dies auch so bleibt. («Du wirst nie mehr jemanden finden, der eine Beziehung mit dir will.»)

7. Stets Hoffnungen machen

Oft können Betroffene sich nicht von ihrem Partner oder Freund lösen, da ihnen immer und immer wieder falsche Hoffnungen gemacht werden. Ein Gaslighter weiss genau, wie er seine Opfer geschickt um den Finger wickelt, damit sein Spiel nicht auffliegt. Er suggeriert etwa, dass er oder sie immer für das Opfer da sein werde.(«Bald wird alles besser, dann kann uns nichts mehr aufhalten.»)

Hast du Erfahrung mit Gaslighting? Erzähle es uns im Kommentarfeld.

Hol dir Hilfe

Wenn du merkst, dass du immer häufiger an dir zweifelst und Gefühle wie Scham oder Angst auftreten, solltest du dir Hilfe bei Dritten suchen. Die Hilfe von Freunden, Familie oder Bekannten, die vielleicht selbst schon einmal Erfahrungen mit Gaslighting gesammelt haben, kann schon kleine Wunder bewirken. Ansonsten können Psychotherapeuten helfen. Du wirst bald merken: Nicht du spinnst, sondern der Täter.

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