Hit or Shit? - Das steckt wirklich hinter dem Hype von Oceans Apart
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Hit or Shit?Das steckt wirklich hinter dem Hype von Oceans Apart

Ist der Social-Media-Hype gerechtfertigt? Wir testen Produkte, auf die Influencer und Influencerinnen schwören – oder kriegen sie vielleicht einfach viel Kohle für die PR? Wir finden es für dich heraus! Im Testlabor: Oceans Apart.

von
Deborah Gonzalez
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Auf den Wunsch der 20-Minuten-Community hin habe ich die Sportkleidung von Oceans Apart getestet.

Auf den Wunsch der 20-Minuten-Community hin habe ich die Sportkleidung von Oceans Apart getestet.

Privat
Ein Outfit kann man mehrfach kombinieren. Etwa mit einem Crop-Shirt wie hier …

Ein Outfit kann man mehrfach kombinieren. Etwa mit einem Crop-Shirt wie hier …

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… oder nur mit dem passenden Sport-BH. (Preis: 100 Euro/108 Franken)

… oder nur mit dem passenden Sport-BH. (Preis: 100 Euro/108 Franken)

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Darum gehts

  • Ihr wolltet, dass wir die Kleidungsmarke Oceans Apart für euch unter die Lupe nehmen.

  • Die beliebte Influencer- und Influencerinnen-Marke wird oft auf Instagram beworben.

  • Mit einem Code kriegt man die Kleidung billiger - doch es lässt sich eine Masche erahnen.

Keine Kleidungsmarke ist auf Social Media gerade mehr gehyped als das deutsche Label Oceans Apart, welches mit veganer und nachhaltig hergestellter Fitnessbekleidung für Männer und Frauen wirbt. Deshalb hat sich die Community von 20 Minuten gewünscht: «Bitte testet die Marke und ob die Influencer und Influencerinnen die Wahrheit sagen!» Klickt man auf die Profile der Instagram-Stars führt kein Weg an dem Berliner-Webshop vorbei. So ziemlich alle, die aus einer mehr oder weniger erfolgreichen Reality-Show rauskommen, werben kurz darauf mit der kunterbunten Sportbekleidung.

Es ist nicht nur Werbung für die Marke, sondern auch für die Influencer und Influencerinnen selbst, die immer mit ihren ganz eigenen Prozenten herumschmeissen. So kann es sein, dass man bei Oceans Apart «40 Prozent auf Alles» erhält, oder bei einem beliebigen Mindestbestellwert drei Kleidungsstücke «gratis» dazu bekommt. Doch sind die Rabatte real und ist der Hype gerechtfertigt? Wir haben es getestet:

Hinter den Rabatten ist ein Muster erkennbar

Da ich ein Sparfuchs bin, habe ich mir einen Rabattcode gesichert. Dabei dachte ich noch: «Wow, 40 Prozentecht grosszügig!» Falsch gedacht, denn kaum bin ich auf der Webseite gelandet, sind mir fast die Augen ausgefallen. Ich finde die Preise unverschämt, auch wenn die Sachen angeblich nachhaltig hergestellt wurden. Ein Traineranzug kostet umgerechnet stolze 172 Franken (160 Euro). Doch diese Zahl ist durchgestrichen. Stattdessen kostet er nun «nur noch» 150 Franken. Hinzukommen meine 40 Prozent. Plötzlich scheint der Preis des Traineranzugs gar nicht mehr so hoch. Doch beim Bestellen eines anderen Sportsets fällt auf: Auch hier werden die Zahlen dreimal korrigiert, bevor das Endergebnis angezeigt wird.

Dieses Muster zieht sich über den gesamten Webshop. Überall durchgestrichene Zahlen und nebendran eine günstigere Summe. Das Ganze erinnert mich an das Handeln auf einem Bazar (siehe Video unten). Es soll einen wohl denken lassen, dass man viel spartvor allem, weil ja noch der Code dazu kommt. Wie die Recherche zeigt, sind 40 Prozent Rabatt eine Ausnahme, meistens fallen die Codes um die 20 bis 25 Prozent aus. Die Bestellung kann nur mit Kreditkarte und Paypal beglichen werden, Versand auf Rechnung wird nicht angeboten. Zum Endpreis werden noch weitere elf Franken für den Versand verrechnet.

Vier Tage später habe ich ein schwarzes Päckli vor der Tür stehen. Die Kleidungsstücke sind schön verpackt, auf Plastik wird verzichtet. Die Farben und die verschiedenen Materialien der Kleidung sind sehr ansprechend und bildgetreu. Die Hosen und Oberteile sind alltagstauglich, es ist keine reine Sportkleidung. In Sachen Grösse habe ich XS genommen, da ich dies auch normalerweise tragealles hat gepasst. Und es sieht super aus. Die Sporthosen machen eine gute Figur und der Traineranzug ist schön kuschelig. Weniger kuschelig ist die Rechnung, die wenige Tage nach Erhalt der Bestellung reinflattert. Weitere 30 Franken werden mir als Zollgebühr für meine Auslandssendung verrechnet, in dem Webshop war dazu nichts angegeben.

Das Unternehmen zu erreichen – gar nicht so leicht

Ich hake bei Oceans Apart nach, vor allem die wöchentlichen Rabattcodes machen mich stutzig. Aber die Kontaktaufnahme ist gar nicht so einfach, keine meiner Mails wurde in den letzten Wochen beantwortet. Ich muss schon zugeben, auf den ersten Blick ist die Vorgehensweise wirklich verlockend, weil die meisten Menschen Rabatte und vor allem Rabattschlachten wie den Black Friday lieben.

Wie Recherchen des deutschen FUNK! von Anfang des Jahres ergeben haben, soll auch die Kleidung zum damaligen Zeitpunkt nicht ansatzweise so nachhaltig sein, wie das Label es vorstellt. So sollen einige der Siegel, unter denen Oceans Apart geworben hat, falsch sein oder gar nicht existieren. Das Logo «BSCI» beispielsweise, soll es im verwendeten Stil gar nicht geben. Die «amfori BSCI» ist eine führende Unternehmens-Initiative zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in globalen Lieferketten.

Auch das Funk-Team erhielt auf ihre Nachfragen keine Rückmeldung. Die «amfori-group» indes, bestätigte, dass es keine Zusammenarbeit mit Oceans Apart gebe. Diese beteuerten nach den Logo-Vorwürfen auf Instagram ihre Unschuld. Dennoch haben sich einige Influencer und Influencerinnen von der Marke distanziert.

Im Nachgang zur Erscheinung dieses Artikels räumte Oceans Apart gegenüber 20 Minuten ein: «Wir haben schlecht kommuniziert. Es ist so, dass wir seit Jahren nur mit Lieferanten zusammenarbeiten, die ein BSCI-Audit haben. Allerdings waren wir selbst damals noch kein «amfori BSCI»-Mitglied – das sind wir nun aber seit Juni.»

FAZIT

Die Webseite ist nutzerfreundlich und man kann sich ein gutes Bild von den Produkten machen. Zudem kann man die Grössen der verschiedenen Teile einzeln auswählen, beispielsweise das T-Shirt in S, die Hose in M. Auch wenn die Farben schön und die Kleidungsstücke modern sind, ist es eine grosse Instagram-Farce. So einen Traineranzug bekommt man selbst bei gehobenen oder auf Sportbekleidung fokussierten Marken günstiger.

Und, hätte ich gewusst, dass ich auf den schon sehr teuren Einkaufs- und Versandpreis auch noch eine so hohe Verzollung zahlen muss, hätte ich mir zweimal überlegt, ob ich wirklich bei Oceans Apart im Ausland bestelle.

PS: Wollt ihr einen Code? Mit Deborah50 spart ihr 50 Prozent! Spass Leute, nur Spass!!!

Gibt es ein Produkt, das das Team unbedingt testen muss? Dann schreib es uns unten im Formular.

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