Bernie Ecclestone: «Das Steuergeschenk ist ein Skandal»
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Bernie Ecclestone«Das Steuergeschenk ist ein Skandal»

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone müsste eine Busse von 95 Mio. Fr. laut Bundesrecht versteuern. Doch der Kanton Bern verzichtet auf das Geld. Das sorgt für rote Köpfe.

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kko/nc/miw
Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat gut lachen: Der Kanton Bern verzichtet auf Dutzende seiner Millionen.

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat gut lachen: Der Kanton Bern verzichtet auf Dutzende seiner Millionen.

Ginge es nach der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV), müsste Formel-1-Chef und Mehrfachmilliardär Bernie Ecclestone (83) die Busse von 95 Millionen Franken versteuern, die er im Rahmen eines Vergleichs in Deutschland bezahlen muss. Doch davon will der Kanton Bern nichts wissen, schreibt der «SonntagsBlick».

Der Brite Ecclestone wohnt schon seit 25 Jahren im Nobelort Gstaad BE, ist einer der prominentesten Ausländer der Schweiz und wird pauschal besteuert. Das heisst, sein sogenannter Aufwand und nicht sein Einkommen oder Vermögen sind entscheidend für die Bemessung der Steuer.

ESTV will tatsächliche Ausgaben besteuern

Doch was zu seinem Unterhalt gehört, sehen die beiden Steuerbehörden ganz anders. Das Kantonalberner Steueramt geht davon aus, dass der voraussichtliche Lebensaufwand angegeben werden muss. Sie überlassen also Milliardären wie Ecclestone und ihren hoch bezahlten Steuerberatern den Entscheid.

Die ESTV will hingegen die tatsächlichen Ausgaben besteuern, wozu eben auch Bussen gehören. Auf seine Busse müsste der Wahl-Gstaader demnach 63 Millionen Franken an Pauschalsteuern entrichten. Davon würden zwölf Millionen an den Bund gehen.

«Bern wäre dringend auf Einnahmen angewiesen»

Bei Berner Politikern sorgt dieses Steuergeschenk für Empörung. «Das ist skandalös», sagt SP-Grossrätin Béatrice Stucki. «Diese Praxis muss im Kanton dringend geändert werden. Die zuständige Regierungsrätin Beatrice Simon muss hier durchgreifen», fordert Stucki weiter. Dies insbesondere deshalb, weil der Kanton sparen müsse und dringend auf Einnahmen angewiesen sei.

Ähnlich sieht dies Grossrat Blaise Kropf (Grüne). Er verweist um die Steueraffäre um die Ammann-Gruppe. «Damit rückt die Steuerbehörde des Kantons Bern ein weiteres Mal in ein schlechtes Licht.» Kropf spricht von Willkür. «Der Fall zeigt, dass die Pauschalbesteuerung in einem hohen Mass ungerecht ist.»

Ist Ecclestone erwerbstätig?

SVP-Grossrat Andreas Blank sieht das Problem woanders. «Die Pauschalbesteuerung gilt nur für Nicht-Erwerbstätige. Für mich stellt ich die Frage, ob Ecclestone wirklich nicht erwerbstätig ist. Warum erhält es sonst so eine hohe Busse?» Blank fordert nun, dass dies überprüft wird. Sollten sich Ecclestones Angaben bewahrheiten, gelte es die Differenzen zwischen der ESTV und dem Kanton in objektiven Gremien auszumerzen.

FDP-Grossrat Adrian Haas hält den Entschluss des Kantons im Fall Ecclestone nicht für stossend. «Im Kanton Bern werden Pauschalbesteuerte nach dem Lebensaufwand besteuert – und Bussen gehören nicht dazu», sagt er.

Abstimmung im November

Ende November stimmt die Schweiz über eine Initiative zur Abschaffung genau dieser Pauschalsteuer ab. Die Initianten kommen aus der linken Ecke. Laut neusten Umfragen hat die Initiative gute Chancen weit hinein ins bürgerliche Lager.

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