Ohne Kanalisation: Das stille Örtchen als Statussymbol
Aktualisiert

Ohne KanalisationDas stille Örtchen als Statussymbol

Weltweit haben mehr Menschen ein Handy als Zugang zu einem WC. Eine neuartige Toilette aus der Schweiz soll die hygienische Situation verbessern.

von
Corinne Hodel

Von den sieben Milliarden Menschen auf der Erde haben mittlerweise deren sechs ein eigenes Mobiltelefon oder können zumindest eines mitbenutzen. Doch längst nicht alle Handy-Besitzer sind vollends in der Moderne angekommen.

Vielen von ihnen mangelt es sogar an einfachsten Hygienestandards: Laut neusten Zahlen der Uno haben nur viereinhalb Milliarden Menschen Zugang zu einer Toilette oder einer Latrine. Aber: «Selbst wenn es sanitäre Einrichtungen gibt, sind diese noch keine Garantie für hygienische Bedingungen», sagt Christian Zurbrügg, Leiter der Abteilung Wasser und Siedlungshygiene in Entwicklungsländern der Eawag. Denn oftmals fehlt eine funktionierende Abwasserreinigung, sodass die Fäkalien in Nachbars Garten oder in einem Fluss landen.

Toilette ohne Kanalisation

Um Abhilfe zu schaffen, entwickelt das Team der Eawag gemeinsam mit dem Wiener Designbüro EOOS und Wissenschaftlern aus aller Welt eine neuartige Toilette, die ohne Kanalisation auskommt und trotzdem hygienisch ist (siehe Box). Ein Prototyp wird nun seit rund einem Monat in einem Armenviertel in Kampala, der Hauptstadt von Uganda, getestet.

«Das WC kommt grundsätzlich gut an», zieht Zurbrügg ein erstes Fazit. Den Hauptgrund für die gute Akzeptanz sieht der Experte allerdings nicht in der besseren Hygiene. Eine viel wichtigere Rolle dürfte das moderne Design spielen. Denn frühere Studien haben gezeigt: In Entwicklungsländern ist eine moderne Toilette ein Statussymbol.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

WC der Zukunft

Das neuartige Steh-WC mit integriertem Waschbecken des Wasserforschungsinstituts Eawag kommt mit maximal eineinhalb Litern Wasser pro Benutzung aus – und dies ohne Wasseranschluss. Denn das Wasser befindet sich in einem Tank und wird nach dem Gebrauch gereinigt und anschliessend wiederverwendet. Indes werden Urin und Fäkalien separat in geschlossenen Behältern eingesammelt und zum Beispiel zu Dünger aufbereitet.

cho

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