Aktualisiert 01.04.2010 15:49

RauchverbotDas «Tabaklädeli» darf nicht sterben

Das Rauchverbot bringt den Tabakhändler Brühwiller in eine absurde Lage. Nun schwappt ihm eine Welle der Solidarität entgegen. Nicht nur von Rauchern.

von
Felix Burch

Durch das Rauchverbot ist es Oskar Brühwiller (61) künftig verboten, in seinem «Tabaklädeli» in St. Gallen zu rauchen und rauchen zu lassen (20 Minuten Online berichtete). Obwohl er mit einer Klage laut Experten allenfalls Chancen hätte - weil das Rauchverbot für einen Tabakhändler im gehobenen Segment einem Berufsverbot gleichkommt - wollte Brühwiller bisher nicht bis zum Äussersten gehen. «Wenn ich meine Kunden ihr Produkt im Laden nicht degustieren lassen kann, dann höre ich lieber auf», sagte er noch am Mittwoch gegenüber 20 Minuten Online. Um rechtlich gegen das Gesetz vorzugehen, sei er zu alt.

Vielleicht ändert er seine Meinung nun. Nach der Veröffentlichung des Artikels wollen Unzählige Brühwillers «Tabaklädeli» retten. «Den ganzen Tag sind mir Leute in den Laden gelaufen, die mich unterstützten, aufmunterten», so Brühwiller. Mehrere sagten ihm, sie wollten eine Demonstration organisieren gegen das Rauchverbot in Tabakshops und so allfällige Schliessungen der «Lädeli» verhindern.

«Allenfalls werden wir einen Vorstoss machen»

«Ich bin überwältigt, nie hätte ich gedacht, dass mich so viele unterstützen, das freut mich sehr», sagt Brühwiller. Reaktionen gab es auch vom Verband. Ernst Zgraggen, Präsident des Verbandes Schweizerischer Zigarrenfabrikanten, meldete sich telefonisch bei Brühwiller. Er gestand, man sei sich der Problematik bisher zu wenig bewusst gewesen, und sicherte Brühwiller die volle Unterstützung zu. «Wir müssen die neue Situation zuerst analysieren, werden allenfalls ein Rechtsgutachten einholen und schauen, was dieses ergibt», so Zgraggen.

Gregor Rutz, Vorstandsmitglied der IG Freiheit, will Brühwiller ebenfalls helfen. «Wir würden Hand bieten und allenfalls einen Vorstoss für eine Ausnahmeregelung für Tabakshops lancieren», so Rutz. Allerdings appelliere er an den gesunden Menschenverstand. «Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Polizisten 'Tabaklädeli' kontrollieren und die Besitzer büssen, wenn darin geraucht wird.» Es sei nicht die Aufgabe der Beamten, Kleinbetriebe in den Ruin zu treiben. Deshalb würde die IG Freiheit dagegen kämpfen.

«Man sollte das Leben verbieten»

Breite Unterstützung bekommen Brühwiller und seine Tabaklädeli-Kollegen auch von den 20-Minuten-Online-Usern. 440 Leser kommentieren den Bericht «Das Rauchverbot ist ein Berufsverbot». Eine grosse Mehrheit, darunter viele Nichtraucher, zeigen sich solidarisch mit dem Tabakhändler. User «Kama'aina» schreibt: «Sogar in Hawaii, wo eines der strengsten Anti-Rauch-Gesetze herrscht (Rauchverbot sogar auf dem eigenen Balkon), darf in Tabakläden geraucht werden ... Nur wir Schweizer sind mal wieder zu doof, vernünftige Ausnahmen zu deklarieren ...» «Dieser Tabakladen ist doch schon ein Fumoir. Hier wird wohl nichts anderes als Raucherware verkauft. Folglich haben Nichtraucher in diesem Geschäft nichts verloren, oder?», schreibt Anna Costa.

User «di Vatrr» meint: «Ich bin dafür, dass ab sofort in Bars keine alkoholischen Getränke mehr ausgeschüttet werden dürfen. Dies schadet der Gesundheit und die Passivtrinker leiden unter der Anwesenheit der Alkoholisierten. Und Erdnüssli sind eine Unverschämtheit.»

«Das Leben als solches ist lebensgefährlich. Keiner hat es je überlebt auf Dauer. Vielleicht sollte man das Leben grundsätzlich verbieten», findet Ulrich Schwendener. Und User Marc sagt: «Was haben Nichtraucher in einem Tabakladen zu suchen??? Gewisse Gesetze sind ja ok, aber jetzt wird es komplett übertrieben. Überall nur noch Einschränkungen und Vorschriften ... Langsam lächerlich, unser Rechtsstaat ...»

«Den gesunden Menschenverstand walten lassen»

Karl Weise ist der Meinung: «Ich bin zwar dafür, dass in öffentlichen Räumen und Speiserestaurants nicht geraucht werden darf, aber hier geht der Gesetzgeber einfach zu weit. Nun ja, wir Schweizer haben über dieses Gesetz ja demokratisch den Urnengang gewählt. Aber irgendwo sollte man auch den gesunden Menschenverstand walten lassen. Sollte in einem Tabakwarengeschäft nicht mehr geraucht werden dürfen, dann dürfte man ja auch das Bier nicht mehr in der Bar, sondern nur noch ausserhalb rau... äh trinken.»

«Kann Herr Brühwiller nicht einfach den Nichtrauchern das Betreten seines Lokals verbieten?», fragt User «Bipi». Und Pesche schreibt: «Arbeiten kann auch eine Gefahr für die Gesundheit sein. Wird das demnächst auch verboten? Ach so, das ist etwas anderes ...»

«Das Rauchverbot ist ein sinnvolles Verbot»

Anderen Usern geht das Rauchverbot nicht zu weit. Pietro Secreto: «Gut so.

Die Raucher fühlen sich in ihrer Freiheit eingeschränkt. Nun merken sie endlich, wie sich Nichtraucher fühlen, wenn geraucht wird. Wessen Freiheit wird da eingeschränkt? Von mir aus kann man den Tabakverkauf gleich verbieten.»

«Ich glaubs nicht!! In allen Ländern funktioniert das Rauchverbot, nur in der Schweiz wird so ein Gestunk gemacht. Dass man kleine Einzelfälle dann wieder an die grosse Glocke hängt, ist wohl wieder typisch! Ich wäre sowieso dafür, dass man Rauchen grundsätzlich verbietet bzw. zumindest alle Raucher aus der Krankenversicherung ausschliesst oder ihnen die Kosten (und zwar alle!!), die die Raucherei verursacht, direkt verrechnet!». Dieser Meinung ist User «cumu».

Und E. Meier findet: «Hallo, Berufsverbot. Das ist meiner Meinung nach eines der sinnvollsten Verbote seit langem in der Schweiz. Ich unterstütze alles, was sich gegen Rauchen im öffentlichem Raum richtet. Rauchen sollte nur in den eigenen vier Wänden erlaubt sein.»

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