Der 3DS im Test: Das taugt Nintendos 3D-Game-Boy
Aktualisiert

Der 3DS im TestDas taugt Nintendos 3D-Game-Boy

Ob die portable Spielkonsole für die Hosentasche das iPhone und die PlayStation Portable alt aussehen lässt, erfahren Sie im grossen Hardware-Test.

von
Oliver Wietlisbach

Seit gut fünf Jahren ist Nintendo der Konkurrenz einen Schritt voraus. Als die Japaner vor einem Jahr die erste portable Konsole mit 3D-Bildschirm aus dem Hut zauberten, waren Sony und Microsoft noch daran, mit ihren Bewegungssteuerungen für die PS3 und Xbox 360 den Anschluss zu finden. Seit Ende März diesen Jahres ist der 3DS in der Schweiz auf dem Markt und 20 Minuten Online hat die kleine Konsole für die Hosentasche auf Herz und Nieren geprüft.

Kein 3D für kleine Kinder

«Für Kinder unter sieben Jahren ist der 3D-Effekt nicht empfohlen», stellt Said Tijani von der Nintendo-Vertretung in der Schweiz klar. Deshalb kann man die Stärke des dreidimensionalen Effekts, der ohne spezielle Brille zu sehen ist, stufenlos regulieren oder ganz abschalten.

Ist der 3D-Modus aktiviert, scheint es, als ob die Figuren hervortreten oder die Kulisse über eine Tiefe verfügt. Das macht ziemlich Eindruck und kommt deutlich besser zur Geltung als bei den meisten 3D-Kinofilmen. Einschränkend ist zu sagen, dass der Effekt nicht bei allen Spielen gleich gut wirkt.

Um bei den Kunden den Appetit auf die dritte Dimension anzuregen, liegen der Konsole Mini-3D-Spiele bei. Diese Augmented-Reality-Games (zu Deutsch erweiterte Realität) haben es in sich, wie die untenstehenden Videos verdeutlichen. Beispielsweise muss der Spieler gegen einen Drachen kämpfen, der sich in der realen Umgebung des Spielers zu bewegen scheint. Möglich machen diese Illusion die eingebauten Kameras, die den umgebenden Raum filmen und ins Spiel integrieren.

Grafik und Steuerung überzeugen

Der Nachfolger des Nintendo DS, die mit fast 150 Millionen Einheiten meistverkaufte Konsole aller Zeiten, überzeugt mit stark verbesserter Grafik. Mit künftigen Smartphones und Sonys für Ende Jahr angekündigter PSVita wird der 3DS indes nicht ganz schritthalten können. Die getesteten Kampfspiele «Street Fighter 4» und «Dead or Alive Dimensions» hinterlassen trotzdem einen ausgezeichneten Eindruck und lassen sich weit komfortabler steuern als auf einem Smartphone. Klar ist: Nintendo hat nicht die allerneusten Komponenten verbaut. Mit rund 300 Franken kostet die portable Spielkiste aber auch nur die Hälfte eines High-End-Smartphones.

Mit einer Kombination aus Buttons und Touchscreen lassen sich die Spiele sehr präzise und intuitiv steuern. Hier ist der 3DS auch der PlayStation Portable deutlich überlegen. Der Touchscreen kann allerdings nicht mit den Displays moderner Smartphones mithalten. Der 3DS ist abwärtskompatibel und kann alle älteren Nintendo-DS- und DSi-Spiele wiedergeben – allerdings ohne 3D-Effekt. Selbst uralte Game-Boy-Spiele lassen sich über den Online-Shop herunterladen und auf der neuen Daddelkiste wieder spielen.

Problemzone Akku

Keine gute Falle macht der kleine Gamekasten beim Energieverbrauch. Die Batterielaufzeit beträgt laut Nintendo unter Vollbelastung drei bis fünf Stunden. Im Praxistest machte der 3DS bei aktivierter Internetverbindung, intensivem Gebrauch der Bewegungssteuerung und aktiviertem 3D-Modus nach gut drei Stunden schlapp. Verzichtet man auf 3D und WLAN, kommt man auf rund fünf Stunden Betriebszeit. Das vollständige Aufladen dauert rund drei Stunden.

Das 3,5 Zoll grosse 3D-Display - welches in der Grösse dem iPhone entspricht - würde sich unterwegs auch zum Schauen von Filmen eignen. Leider sei es derzeit nicht möglich, eigene Filme auf dem 3DS zu betrachten, räumt Tijani ein. Und auf einen kleinen Haken weist der Nintendo-Vertreter auch noch hin. Die Konsole verfüge über eine Ländersperre. «In den USA zum günstigen Dollar-Kurs gekaufte 3DS-Spiele laufen daher auf einem in der Schweiz gekauften Gerät nicht.»

Die Spielewelle rollt an

Das Software-Angebot ist derzeit recht überschaubar. Einige Perlen lassen sich dennoch ausmachen. Freunde der härteren Gangart sind bei den Prügel-Klassikern «Street Fighter 4» oder «Dead Or Alive Dimensions» bestens aufgehoben. Friedlichere Zeitgenossen werden mit «Pilot Wings» glücklicher werden. Per Propellerflugzeug, Deltasegler oder Raketenantrieb müsssen Piloten ihr Geschick unter Beweis stellen. Wer knifflige Rätsel mag, kommt beim Remake des hochgelobten Abenteuerspiels «Zelda: Ocarina of Time 3D» auf seine Kosten.

In der zweiten Jahreshälfte dürfte der Game-Nachschub ins Rollen kommen. Altbekannte Nintendo-Spiele wie «Star Fox», «Super Mario», «Kid Icarus», «Luigis Mansion» und «Mario Kart» dürften den momentan noch verhaltenen Verkaufszahlen Auftrieb geben. Zu den Nintendo-Titeln gesellen sich bekannte Action-Games von Drittanbietern wie «Resident Evil: Mercenaries» oder «Metal Gear Solid: Snake Eater».

Das Software-Angebot macht klar, dass Nintendo den Spagat zwischen Gelegenheits- und Hardcorespielern versucht. Dies ist umso wichtiger, da Apple und Google mit ihren Smartphones die Gelegenheitsspieler ansprechen, während der alte Rivale Sony mit der neuen PSVita vor allem Hardcorespieler im Visier hat.

Fazit

Mit dem 3DS setzt Nintendo weiterhin auf ein eher junges Publikum und Spieler, denen ein abwechslungsreiches Spielangebot wichtiger ist als die bestmögliche Grafik. Ob der 3D-Effekt die Spiele nun interessanter macht, ist stark von der subjektiven Wahrnehmung abhängig. Gerade Augmented-Reality-Games ist ein ähnlicher Erfolg zuzutrauen wie den Party-Games auf der Wii. Aber auch Shooter-, Sport- und Rennspiele könnten künftig durchaus von der dritten Dimension profitieren.

Einen Drachen zum Leben erwecken.

(Quelle: YouTube)

Im Mini-Game «Face Raiders» verschmelzen reale Umgebung und Spiel.

(Quelle: YouTube)

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«Bin ich schon drin?»

Das Herstellen einer Internetverbindung via Drahtlosnetzwerk ist mit dem 3DS spielend einfach, wie Boris Becker vermutlich sagen würde. Ein Einrichtungs-Assistent führt mit wenigen Klicks ans Ziel. Nach einem System-Update steht der Online-Shop zur Verfügung. Im Nintendo-eShop lassen sich ältere DS-Spiele sowie Demoversionen und Videos von aktuellen Games herunterladen beziehungsweise ansehen.

Momentan ist das Motocross-Spiel «Excitebike» im eShop gratis erhältlich. Zusätzlich lassen sich, wie auf der Heimkonsole Wii, zahlreiche ältere Games für wenige Franken herunterladen. Derzeit stehen etwa «Super Mario Land» und «Zelda: Link’s Awakening» aus der Game-Boy-Ära im Angebot. Eingekauft wird per Kreditkarte oder einer ab Ende Monat im Handel erhältlichen eShop Card.

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