Prostitutionsgesetz: «Das Tessin wird zum Bordell Europas»

Aktualisiert

Prostitutionsgesetz«Das Tessin wird zum Bordell Europas»

Im Tessin streiten sich Politiker um das neue Prostitutionsgesetz. Kritiker befürchten, dass ausländische Sexarbeiterinnen und Freier künftig in Massen angezogen würden.

von
spi/hal/dos

Lange wurde das Tessin wegen der grossen italienischen Kundschaft als Bordell der Lombardei betrachtet. 2001 führte der Kanton dann als einer der ersten eine Prostitutionsgewerbeverordnung ein mit dem Ziel, das horizontale Gewerbe zu bremsen. Diese Verordnung soll nun überarbeitet werden. Die Regierung hat im Januar ihren Entwurf vorgelegt – und damit im Parlament für hitzige Diskussionen gesorgt.

Das neue Gesetz will den Betrieb der Bordelle strenger regeln, ist für die Gegner aber trotzdem zu lasch. «Es wird zum Beispiel nicht geregelt, ob eine Prostituierte auch in Wohnungen anschaffen kann», sagt der ehemalige Staatsanwalt Paolo Bernasconi. Zudem fehle in der neuen Regelung das Ziel, die Prostitution einzudämmen.

Die Zahl der Sexarbeiterinnen im Kanton – derzeit sind es rund 1000 – würde deshalb massiv steigen, glaubt Bernasconi. «Das Tessin wird zum Bordell Europas werden. Es wird wegen des Gesetzes eine Masseneinwanderung von Prostituierten und Freiern aus der ganzen EU und aus Skandinavien geben.»

Demos von Prostituierten

Die Parlamentskommission will noch diese Woche ihr Urteil zum neuen Gesetz fällen. Die Fronten sind verhärtet und der Forderungskatalog lang. So fordern auch FDP-Politiker strengere Regeln für die Sexarbeiterinnen und wollen die Erotik-Anzeigen in Tageszeitungen verbieten, weil diese Freier anlocken würde.

Die Prostituierten sehen alles anders. Mehrfach demonstrierten sie letztes Jahr gegen die Puff-Politik der Regierung. Seit Polizeidirektor Norman Gobbi 2011 sein Amt angetreten hat, sind über 30 Bordelle geschlossen worden, weil sie Frauen illegal beschäftigten.

Deine Meinung