27.02.2020 06:22

2500 Franken

Das teuerste Handy, das wir je in der Hand hatten

Das Mate Xs ist das erste Falthandy von Huawei, das ausserhalb von China erhältlich sein wird. Es wirkt solid, es gibt aber mehr als einen Haken.

von
doz

Huawei hat diese Woche ein neues Falthandy vorgestellt: das Mate Xs. Es ist der Nachfolger des Mate X, das im Februar 2019 enthüllt, dann aber nur innerhalb von China lanciert wurde. Das Mate Xs ist somit Huaweis erstes Faltphone, das ausserhalb von China erhältlich ist.

Im Gegensatz zu den Falthandys von Samsung oder Motorola hat das Mate Xs einen Bildschirm, der sich von aussen um das Gerät herumwickelt. Man öffnet das Mate Xs also nicht wie ein Buch, wie es bei den Geräten der Konkurrenz der Fall ist. Dies führt dazu, dass die Bildschirmhälften auch in zugeklapptem Modus einzeln verwendet werden können. Ein Mini-Aussenbildschirm wie beim Galaxy Z Flip ist daher nicht nötig.

Smartphone oder Tablet?

Zugeklappt trumpft das Gerät noch immer mit einem 6,6-Zoll-Hauptbildschirm und einem 6,38-Zoll-Zweitbildschirm auf. Klappt man das Handy ganz auf, hält man einen 8-Zoll-Bildschirm in der Hand. Das ist gross genug, um es als Tablet durchgehen zu lassen.

Das sogenannte «Falcon Wing»-Scharnier, das schon beim Mate X zum Einsatz kam, wurde nochmals überarbeitet. Der erste Eindruck: Das Handy wirkt nicht filigran. Der Falt-Mechanismus ist robust, reibungslos und durchdacht. Zugeklappt ist das Telefon elf Millimeter dick.

Drag und Drop

Auf dem aufgeklappten Bildschirm können mehrere Apps simultan benutzt werden. Konkret bedeutet dies, dass bis zu zwei Apps nebeneinander geöffnet werden können und eine dritte App losgelöst über den anderen beiden Apps schwebt.

Das Drag-und-Drop-Kopieren von Bildern, Texten und weiteren Inhalten ist damit bubieinfach. Möchte man ein Foto aus der Bildergalerie in einem E-Mail versenden, muss man also lediglich die Apps gleichzeitig öffnen und das Bild in das E-Mail-Fenster hineinziehen. Praktisch.

Kameras und Akku

Das Smartphone ist 5G-kompatibel und verfügt über zwei separate Batterien, die zusammengerechnet zu einem 4500-mAh-Akku führen. Dieser ist mit einer schnellen Ladefunktion ausgestattet, die das Gerät innert 30 Minuten bis zu 85 Prozent auflädt. Alternativ kann das Telefon kabellos geladen werden.

Das Mate Xs hat vier untereinander angeordnete Kameras. Darunter befindet sich eine 40-MP-Hauptkamera, eine 16-MP-Weitwinkelkamera, ein 8-MP-Teleobjektiv und eine 3-D-Tiefenerkennungskamera. Diese arbeiten mit einer AI-Software zusammen, was einen bis zu 30-fachen Zoom und Bildstabilisation erlaubt.

Der Haken

Grundsätzlich handelt es sich beim Mate Xs um ein solides Faltphone, das Anbietern wie Samsung und Motorola Konkurrenz machen könnte – wären da nicht zwei Knackpunkte. Zum einen hat man auf Huawei-Telefonen aufgrund der Sperre in den USA keinen Zugriff auf Google-Services. Zwar läuft das Android-Betriebssystem auf dem Gerät, man kann darauf aber keine Apps wie Youtube, Gmail oder den Playstore installieren.

Der zweite Grund, weshalb es sich viele Leute zweimal überlegen werden, dieses Smartphone zu kaufen, ist der Preis. Dieser ist in der Schweiz bei 2499 Franken angesetzt. Das Gerät ist somit 1000 Franken teurer als das Galaxy Z Flip oder das Motorola Razr. In der Schweiz kann das Gerät ab dem 2. März vorbestellt werden und ist ab dem 16. März verfügbar.

Ralf Beyeler, Telecom-Experte bei Moneyland, gibt Auskunft zum neuen Huawei-Faltphone.

Wer kauft ein Smartphone für gut 2500 Franken?

Im Moment spricht dieses neue Smartphone Early Adopters an. Das sind Menschen, die sich dadurch positionieren, dass sie immer das Neuste und das Speziellste haben. Denn mit einem Falt-Gerät kann man Aufmerksam generieren.

Ist ein solches Gerät überhaupt noch «nur» Smartphone oder schon eher ein Prestige-Symbol? Was rechtfertigt den hohen Preis?

Ein solches Gerät ist definitiv ein Prestigesymbol. Es geht darum, dass man mit diesem Smartphone Aufmerksamkeit von anderen Menschen bekommt. Die Frage, was den hohen Preis rechtfertigt, kann ich nicht beantworten. Ich persönlich würde mir aber kein Smartphone für 2500 Franken kaufen.

Viele Anbieter bringen nun Faltphones auf den Markt. Sind sie die Zukunft?

Es ist immer schwierig, in die Zukunft zu schauen. Vor 15 Jahren hätte auch niemand vorausgesagt, dass die Handys im Jahr 2020 so aussehen, wie sie heute aussehen. Damals hatte man ganz andere Ideen und mit Ausnahme von Steve Jobs hat niemand geahnt, wie die Zukunft aussehen wird. So schnell werden die Faltphones den Markt nicht überschwemmen, denn die Herstellung ist aufwendig. Aber was in fünf oder zehn Jahren sein wird, ist schwierig zu sagen.

Telecom-Experte Ralf Beyeler (Bild: Moneyland)

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