Neubaustrecke: Das Tram erobert die Hardbrücke
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NeubaustreckeDas Tram erobert die Hardbrücke

Ab Dezember 2016 erhält Zürich 700 Meter neue Tramgeleise, die es in sich haben. Hoch über den SBB-Schienen werden sie künftig Hard- und Escher-Wyss-Platz verbinden.

Nachdem im letzten Dezember mit der Linie 12 die vorläufig letzte Etappe der Glatttalbahn ihren Betrieb aufgenommen hatte, verlagert sich der Fokus der Tramentwicklung wieder auf das Gebiet der Stadt Zürich. Während aber das Tram Zürich-West bereits im kommenden Dezember seinen Betrieb aufnimmt, lässt die übernächste Ausbauetappe noch etwas auf sich warten. Die Tramverbindung Hardbrücke - die zweite Etappe des Ausbaus gemäss der Linienentwicklungs-Studie 2025 - wird erst in fünf Jahren ihren Betrieb aufnehmen. Die Planung läuft aber schon heute auf Hochtouren, wie Vertreter von Stadt und Kanton Zürich am Dienstag vor den Medien ausführten.

Die Tramlinie 8 wird vom Hardplatz über die Hardbrücke zum Escher- Wyss-Platz führen und von da aus ins Werdhölzli. Sie verbindet so die grossen Entwicklungsgebiete im Norden, Westen und Süden der Stadt, wie Stadtrat Andres Türler, Vorsteher des Departementes der Industriellen Betriebe, sagte.

Als erste tangentiale Tramstrecke entlaste sie gleichzeitig das Zentrum der Stadt Zürich. Pendler aus Zürich-Nord, dem Limmattal und dem Knonauer Amt müssten künftig nicht mehr über den Hauptbahnhof fahren, sondern könnten bereits an der Station Hardbrücke auf das Tram umsteigen.

Virtuelle Fahrt über die Hardbrücke (Video: VBZ)

Bahnhof Hardbrücke als Drehscheibe

Die Tramverbindung Hardbrücke planen Stadt und Kanton gemeinsam. Das habe sich beim Tram Zürich-West bewährt, sagte Regierungsrat Ernst Stocker. Die Stimmberechtigten könnten voraussichtlich 2013 oder 2014 über den notwendigen Kredit für die Tramverbindung Hardbrücke entscheiden.

Dreh- und Angelpunkt des Projektes sei der S-Bahnhof Hardbrücke, stellte der Volkswirtschaftsdirektor fest. Mit der neuen Tramlinie werde sich das Fahrgastaufkommen längerfristig von heute 40 000 auf 70 000 pro Tag fast verdoppeln.

Laut Stocker gehört der S-Bahnhof Hardbrücke bereits heute zu den 15 meistfrequentierten Bahnhöfen der Schweiz. Gemessen an den Passagierzahlen sei er sogar grösser als der Bahnhof St. Gallen. Im Gegensatz zu St. Gallen betreibe die SBB dort aber nicht einmal eine Verkaufsstelle.

Baubeginn 2015

Für Regierungsrat Stocker ist deshalb klar: «Es braucht dringend bauliche Veränderungen bei der Infrastruktur der SBB.» Perrons, Zugänge und Unterführungen müssten ausgebaut werden. «Eine dichte Menschentraube darf beim Feuerwerk am ZüriFäscht vorkommen, aber nicht an einem zentralen Umsteigeknoten.»

Gemäss Andres Türler befassen sich derzeit fünf Planungsteams im Rahmen eines Studienauftrages des Tiefbauamtes mit der Gestaltung des Bahnhofs. Bis zum Sommer sollen sie aufzeigen, wie die Passagierströme bewältigt und der Bahnhof zu einer städtebaulich, architektonisch und gestalterisch überzeugenden Umsteigestation werden kann.

Hardbrücke schon verstärkt

Bereits vertieft abgeklärt wurde, ob das Tram auf der Hardbrücke überhaupt Platz hat. Studien belegten, dass der Autoverkehr durch das Tram nicht eingeschränkt werde. «Das Tram quert die Brücke nur alle 7,5 Minuten und es besteht bereits heute kurz nach der Brücke eine Lichtsignalanlage, die den Verkehr staffelt», hielt Regierungsrat Stocker fest.

Die Hardbrücke wurde im Zuge der Sanierung bereits vorsorglich für einen künftigen Trambetrieb verstärkt. Wenn dies erst beim Bau der neuen Tramlinie erfolgt wäre, hätte dies laut Türler erheblich mehr gekostet als die 2 Millionen Franken, die der Stadtrat 2009 dafür bewilligt hatte.

Nach heutigem Planungsstand rechnen Stadt und Kanton für die neue Tramlinie 8 mit Kosten von rund 100 Millionen Franken. Der Kanton Zürich werde sich beim Bund dafür einsetzen, einen Beitrag aus dem Agglomerationsprogramm zu erhalten, versprach der Volkswirtschaftsdirektor. Läuft alles nach Plan, wird Anfang 2015 mit dem Bau der neuen Linie begonnen. (sda)

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