Fahrplanwechsel: Das Tram fährt nun in Berns «Scheissgegend»
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FahrplanwechselDas Tram fährt nun in Berns «Scheissgegend»

Neue Blütezeit für die Strassenbahnen: In Bern und Zürich steigt dieses Wochenende die grosse Tram-Party. Der Ausbau des ÖV schlägt sich aber auf die Ticketpreise nieder.

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Nicht erst seit sich die Berner «X-Factor»-Gewinnerin Edita Abdieski unrühmlich über ihr Quartier geäussert hat, ist Bern-West Symbol für Ausländerprobleme, 70er-Jahr-Betonblöcke und Büetzer-Spunten. Nun bricht für den Stadtteil eine neue Zeitrechung an: Mit dem Fahrplanwechsel am kommenden Sonntag fahren auf den neuen Tramlinien 7 und 8 fortan Combino-Niederflurtrams nach Bümpliz sowie Brünnen und verbinden nach zweieinhalb Jahren Bauzeit Bern-West direkt mit der Berner Altstadt. Es ist das erste Mal seit 1973, dass in Bern neue Tramschienen verlegt worden sind.

Mehrere Abstimmungen nötig

Auf einen Schlag verlängert sich das Berner Tramnetz von 17 auf 24 Kilometer. Das freut auch Patent-Ochsner Frontmann Büne Huber, der mit «W.Nuss vo Bümpliz» sogar einen Song über sein Quartier geschrieben hat. Zusammen mit 70 anderen Künstlern tritt er am Sonntag am Tramfest in Bern-West auf. Dass das Tram Bern-West nun mit Pauken und Trompeten eröffnet wird, ist keine Selbstverständlichkeit: 2003, 2004 und 2006 hatte der Stadtteil VI in Abstimmungen gegen das 150-Millionen-Projekt votiert, vorab wegen einer umstrittenen Linienführung.

Nicht nur in Bern, auch in Zürich steigt am Wochenende ein Tramfest. Am Samstag wird die neue Linie 12 der Glatttalbahn eröffnet. Die neue Linie verbindet fortan den Bahnhof Stettbach mit dem Flughafen Zürich. Damit ist die 12,7 Kilometer lange und 650 Mio. Franken teure Glatttalbahn fertiggestellt. Prunktstück ist die mit 1209 Metern längste Eisenbahnbrücke der Schweiz, welche beim Glattzentrum die A1 überquert und Wallisellen mit Dübendorf verbindet.

ÖV-Preise steigen markant

Insgesamt ist der diesjährige Fahrplanwechsel unspektakulär: Die Fahrzeit von Bern nach Zürich verkürzt sich dank einem dritten Gleis bei Lenzburg um eine Minute, von Luzern nach Engelberg dauert die Fahrt dank einem vier Kilometer langen Tunnel nur noch 47 statt 61 Minuten. Der Fahrplanwechsel bringt den Zugpassagieren einige bessere internationale Verbindungen, vier Züge mehr zwischen Chur und Zürich und - vor allem - markant teurere Billette. Am stärksten zur Kasse gebeten werden Nutzerinnen und Nutzer von General- oder Halbtax-Abos.

Bei den Halbtaxabos steigt der Preis je nach Laufzeit um bis 20 Prozent. Das GA 2. Klasse für Erwachsene kostet 200 Franken mehr, neu 3300 Franken. 15 Prozent teurer wird ab Sonntag die Gemeindetageskarte.

Die Preiserhöhung auf Einzelbilletten und Streckenabonnementen beträgt 2,4 Prozent. Durchschnittlich steigen die Preise um 5,9 Prozent.

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